Künstler

Sound of… 2015 – Part 2

Willkommen zum zweiten Teil meiner Serie über die große BBC-Umfrage des “Sound of 2015”. Bereits im ersten Teil habe ich acht Künstler näher beleuchtet, die sich im Rennen darum befinden, in die Fußstapfen von Ellie Goulding, Adele… oder 50 Cent (ohne Witz!) zu treten. Sieben weitere Künstler fehlen noch und wem die ersten Interpreten nichts sagten, keine Sorge… einige der nun folgenden Nominierten haben nicht einmal eine Wikipedia-Seite. 😉

Natürlich darf man bei so einer Umfrage die Kritik nicht vergessen. Beispielsweise dass das britische BBC mit diversen Radiosendern (wie BBC Radio 1 bis 5, 1Xtra und unzähligen Anderen) einen großen Teil selbst kontrolliert, was überhaupt in Übersee im Radio gespielt wird. Dazu findet die Umfrage bekanntermaßen unter Musikkritikern und anderen Köpfen aus der Musikindustrie statt, die natürlich dann auch durchaus die Möglichkeit haben die Wahl zugunsten des Künstlers, der bei Ihnen unter Vertrag steht, zu beeinflussen. Besonders in den letzten Jahren sollen auf der Longlist sowieso weitestgehend sehr bekannte Musiker stehen und die unbekannten Musiker keine Chance haben. Ein ähnliches Argument gibt es ja auch hierzulande beim Bundesvision Song Contest, wo der Sieger meistens ja ohnehin vorher feststeht. Das Argument kann man nicht von der Hand weisen, allerdings bringt ein bekannter Künstler mit seiner Teilnahme natürlich auch Werbung für unbekannte Künstler und damit Fans und mehr Einnahmen. Ein zweischneidiges Schwert, bei dem beide Ansichten sicherlich irgendwo richtig sind.

Doch kommen wir zurück zu den Interpreten: Im ersten Teil waren meine Favoriten aufgrund ihres Bekanntheitsgrad Kwabs und James Bay. Doch recht gut gefallen haben mir auch Raury, Shamir und Rae Morris. Ich bin gespannt, was die anderen sieben Künstler und Bands nun noch zu bieten haben, also legen wir doch am Besten direkt los!

Shura
Wie Aleksandra Denton auf ihren Künstlernamen gekommen ist, ist mir zwar schleierhaft – zur Musik kam die Tochter einer russischen Schauspielerin und eines englischen Regisseurs allerdings im Alter von 13 Jahren, als die mit dem Gitarrespielen begann. Bereits 2011 brachte sie ihre erste Single “River” gemeinsam mit dem Produzenten Hiatus heraus. Ein seichter, mit Gitarre begleiteter Electropop-Song, der eben durch Shuras Stimme bestimmt wird – so gut, dass sie zwei Jahre später auf fünf weiteren Songs für Hiatus singen durfte. Letztes Jahr arbeitete Shura dann eindrücklich daran, selbst durchzustarten. Ein Remix für Jessie Ware hier, ein Plattenvertrag mit Polydor da und die ersten eigenen Songs auch in der Pipeline. Darunter ist auch “Indecision“, welcher absolut den britischen Zeitgeist trifft. Irgendwo auf den Spuren von Haim, moderner, elektronisch angehauchter Mix zwischen Pop und RnB und definitiv etwas zum Zwischendurch- oder genauer Anhören. Kann man im Auge behalten!

Slaves
Wem das Ganze bisher zu ruhig oder zu wenig rotzig daher kommt, der sollte sich Slaves ganz genau anschauen. Isaac und Laurie sind ein junges Duo aus Kent, die zu zweit in die Fußstapfen von Royal Blood oder den Eagles of Death Metal treten möchten.
“Hey” könnte definitiv auch von einer amerikanischen Garage Rock Band stammen. Die frühen Strokes? Die White Stripes? Hell Yes! Wer auf kratzigen Gitarrensound steht, einfach im Moshpit die Ellbogen ausfahren will und vor der Bühne abzappeln will, wird in diesem Jahr an den Slaves nicht vorbeikommen. Garantiert. Noch eine Kostprobe? Einfach in “The Hunter” reinhören, einem langsameren Headbanger, oder aber in “Beauty Quest”. Aber für die Nackenschmerzen werde ich nicht aufkommen!

SOAK
Aus Belfast in Nordirland stammend, sieht SOAK ein wenig so aus, wie der kleine Bruder von Ed Sheeran. Ist aber eine Frau. Oder ein Mädchen. Oder irgendwie etwas dazwischen. Bridie Monds-Watson sieht nicht nur jung geblieben aus und klingt nicht nur so, sie kratzt auch gerade so an der Volljährigkeit, schreibt aber Songs mit Tiefgang. “B a noBody” beispielsweise, mit welchem sie bereits beim Glastonbury Festival auftreten durfte. Oder “Explosions”  – ganz ganz ruhige Musik für eiskalte Wintertage mit depressivem Touch. Mir allerdings eine Spur zu ruhig, einen Tick zu schwer und nichts, was ich mir dauerhaft anhören kann oder will. Aber Bridie ist ja noch jung, mal schauen was bei späteren Songs herauskommt.

Stormzy
Ein junger Rapper aus dem Süden Londons, der scheinbar sehr rau ist, denn so präsentiert sich auch die Musik des Mannes, der bereits im zarten Alter von 11 Jahren Rap Battles in seiner Heimat gewann. “Not That Deep” beispielsweise zeigt diese satte In-Your-Face-Attitüde, die anderen Rappern aus Übersee in den Jahren abhanden gekommen ist. Dizzee Rascal? Tinie Tempah? Labrinth? Tinchy Stryder? Stormzy scheint nicht nur auf einer Wellenlänge zu sein, sondern auf der Überholspur.
Stormzy scheint sich in seinem Genre ein wenig mit Novelist zu battlen – um beim Thema zu bleiben. Während Novelist ein wenig zu abstrakt wirkt, erfindet Stormzy zwar Grime nicht neu, belebt die britische Kunst des Sprechgesangs allerdings ein Stück weit intensiver wieder, als sein ebenfalls nominierter Kollege. Warum Stormzy ihm allerdings in meinen Augen meilenweit voraus ist, sieht man im Live-Auftritt bei BBC Radio 1 mit “Fire in the Booth”. Stormzy könnte, um Hip-Hop in UK einen Schub zu geben, ein Geheimtipp sein.

Sunset Sons
Die vier Jungs verbindet eine Liebe zur Musik, zum Surfen und Snowboarden. Und wenn man sie sich anguckt, dann kann man sie nur zu ihrem fantastischen Kleidungsstil beglückwünschen.
Spaß beiseite, als Coverband gestartet machen Rory, Jed, Pete und Rob nun seit ein paar Jahren gemeinsam Musik. Einer stammt aus Australien, zwei haben sich in Frankreich kennengelernt und ihre Musik klingt nach sympathischem Poprock zum Mitsingen und Fernweh. “On the Road” thematisiert genau das und lädt zum Abend am Strand oder zur Autofahrt ein. Sunset Sons erfinden das Rad nicht neu aber schaffen es, nette Radiomusik zu schreiben. Ob daraus je ein Welthit wird – wahrscheinlich eher nicht. Ob die vier Jungs das wollen? Müssen? Vielleicht auch das nicht. Aber anhören kann man sich Songs wie “She Wants” immer, in jeder Playlist, so nebenbei. Aber auch nicht in Dauerschleife.

Wolf Alice
Ein weiteres Quartett, diesmal aus London stammend, wo Frontfrau Ellie Rowsell in ihrem Schlafzimmer ihre ersten Akustiknummern geschrieben hat. Daraus entstanden dann Songs wie “Bros” und ich kann doch bitte nicht der einzige Mensch sein, der bei der Musik an “Maps” von den Yeah Yeah Yeahs denkt? Gut, ob die “Blush” EP jetzt nur wegen des kontroversen Covers – Achtung beim googlen, Nudity-Alert! – Aufmerksamkeit bekommen hat, ist eine Sache. Der Song selbst ist in meinen Augen und Ohren allerdings sehr, sehr stark. Knapp vor London Grammar bis zum Höhepunkt in der Mitte und scheinbar gibt es auch Liveauftritte, wo sie den Song direkt mit “Wicked Game” von Chris Isaak verbinden. Wie cool ist das bitte? “Blush” könnte definitiv einer meiner Lieblingssongs des “Sound of 2015” sein, aufgrund des intensiven Aufbaus und der Explosion in der Mitte. Eine Band, die mit alt-J tourt, kann doch gar nicht so schlecht sein, oder?

Years & Years
Olly, Miley und Emre sind Years & Years und während der Erstgenannte in ein paar TV Shows mitspielen durfte, entschloss er sich später seine eigene Band zu gründen und den Sound der 90er wieder aufleben zu lassen. Genau da hätte “Desire” auch sehr gut funktioniert. Auf Tour durften die Drei bereits mit Clean Bandit und Sam Smith, der immerhin “Sound of 2014” gewinnen durfte. Ob Years & Years allerdings mit Songs wie “Take Shelter” eine Rolle beim diesjährigen Poll spielen, bezweifle ich stark, denn die Synthie-Sounds klingen in meinen Ohren altbacken und nutzen sich schnell ab. In meinen Augen sind Years & Years keine Band für die Ewigkeit, aber ich lasse mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen.

 

Somit kommen wir also zum Ende meiner reinen Betrachtung der Songs. Wer genau gelesen hat wird ausgemacht haben, was mir gefallen hat und was nicht. Müsste ich mich kurz und knapp festlegen, dann wären meine Favoriten auf den Sieg Kwabs und James Bay, auch aufgrund ihres bereits erreichten Bekanntheitsgrades. Unglaublich überrascht wurde ich von Shamir und Raury, die mir auch sehr gut gefallen haben. Außenseiterchancen rechne ich zudem Shura und Wolf Alice ein, würde mich allerdings letztendlich auf Kwabs als Sieger festlegen. Seine Musik wirkt einfach jetzt ausgereift, fertig, authentisch.

Wer sich dafür interessiert, welche Songs am Ende in meiner Playlist gelandet sind:
James Bay – “Hold Back the River”
Kwabs – “Wrong or Right”
Raury – “Cigarette Song”
Shamir – “If It Wasn’t True”
Shura – “Indecision”
Slaves – “Hey”
Wolf Alice – “Blush”

Spotify-Playlist mit diesen Songs folgt!

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