Künstler

Sound of… 2015 – Part 1

Wieviele Superstars und Popstars und Supertalente und Voices haben wir mittlerweile eigentlich in Deutschland? Ich kenne ein paar vom Namen, noch weniger von Liedern oder vom Gesicht. Ein wenig anders macht man das einmal im Jahr im Vereinigten Königreich, wo das BBC die sogenannte “Sound of…”-Umfrage ins Leben gerufen hat um neue Künstler zu entdecken, zu fördern, ins Licht des Ruhms zu führen.

Nicht, dass es solche Castingshows nicht auch auf der Insel gibt, allerdings kenne ich hierzulande keine vergleichbare Umfrage unter Musikkritikern und anderen Leuten aus dem Musikbusiness. So konnten in den vergangenen Jahren unter anderem Adele (2008), Haim (2013), Ellie Goulding (2010), Jessie J (2011), Mika (2007) oder im vergangenen Jahr Sam Smith gewinnen. Dazu liest sich die Liste der sonstigen Nominierten auch nicht schlecht. Florence + The Machine? Bloc Party? Santigold? Dizzee Rascal? Foals? Interpol? Verdammt haben die Briten eine tolle Musikszene.

Auch in diesem Jahr wurden wieder 15 mehr oder weniger unbekannte Acts nominiert und bevor der oder die Sieger/in am 09. Januar verkündet werden, höre ich in alle mal rein. Mal sehen, ob ich den Sieger richtig tippe!

George the Poet
Der 1991 in London geborene George Mpanga begann bereits im Alter von 15 Jahren zu rappen. Allerdings verlagerte er seinen musikalischen Output nicht nur aufgrund seines Interesses in Politik, Psychologie und Soziologie darauf, Botschaften mit seinen Texten zu vermitteln. “The Poet” ist schon ein treffender Künstlername, denn George spricht seine Texte auf minimalistische Beats. Das man damit auch Geld verdienen kann, bewies George, als er 2013 seinen ersten Plattenvertrag unterschied. Nun nominiert für den “Sound of…”, aber auch in der Critics’ Choice-Kategorie bei den 2015 BRIT Awards. Massentauglich allerdings wirken Tracks wie “Kids” oder “1,2,1,2” überhaupt nicht und von daher schätze ich Georges Chancen nicht zwingend als hoch ein.
Anhören kann man sich “Grinding” aus der Critics’ Choice Session übrigens hier. George rappt hierbei auf dem iPhone-Klingelton. Immerhin kann man hierbei ein wenig mitbouncen, allerdings wird man anschließend seinen eigenen Klingelton wechseln müssen.

James Bay
Der in Hitchin, Hertfordshire geborene Singer-Songwriter trifft mit seiner seichten Musik und seinem verletzlich wirkenden Gesang absolut den Zahn der Zeit. Irgendwo zwischen Jason Mraz und Ed Sheeran arbeitet Bay gerade an seinem ersten Studioalbum “Chaos and the Calm”, welches im März 2015 auf den Markt kommt. Da bietet sich ein Sieg bei “Sound of…” natürlich an. Mit den Songs “Let It Go” und “Hold Back the River” stand Bay außerdem bereits in den britischen Singlecharts (Letzteres sogar auf Platz 18) und ist daher einer der bekannteren Namen in der Umfrage in in meinen Ohren auch ein Favorit auf den Sieg. Massentauglich, vermarktbar und begabt. Könnte durchaus sein, dass man von James Bay in der Zukunft noch mehr hören wird, denn auch er ist bei den BRIT Awards nominiert.

Kwabs
Der 1990 als Kwabena Sarkodee Adjepong geborene Kwabs dürfte besonders in Deutschland der mit Abstand bekannteste Nominierte der Umfrage sein. Schließlich ist sein Song “Walk” auf Platz 2 der hiesigen Single Charts geschossen, hat Platz 4 in Österreich erreicht, Platz 11 in der Schweiz, war im Soundtrack von FIFA 15 dabei und ist aus dem Radio nicht mehr wegzudenken. Allerdings ist Kwabs in seiner Heimat noch nicht unbedingt so bekannt, weswegen sein Sieg zwar keine Überraschung wäre, aber eben auch nicht garantiert ist. Allerdings sollte man Kwabs mit seinem souligen Pop definitiv im Auge behalten, denn auch seine Single “Wrong or Right” ist ein saustarker Song. Hoffentlich ist dieser extrem talentierte Sänger keine Eintagsfliege.

Låpsley
Die erste weibliche Person auf der Liste der Nominierten. Holly Lapsley Fletcher verbindet ihre Singer-Songwriter-Qualitäten mit elektronischen, minimalistischen Beats und schlägt damit in eine ähnliche Kerbe wie Kiesza, die es mit ihrem Song “Hideaway” hoch in die internationalen Charts geschafft hat. Als Beispiel sei hier “Blue Monday” genannt. Noch ruhiger, noch mehr in die Ambient-Richtung geht Låpsley mit “Painter (Valentine)” welches sich gut in einer Playlist zwischen London Grammar und Massive Attack machen würde. Nette Musik zum Nebenbeihören, aber nichts, was dauerhaft mein Interesse weckt.

Novelist
Kojo Kankam wird nicht nur auch “Mr. Tetris” genannt, sondern auch bereits als das neue Gesicht des Grimes gefeiert. Grime ist eine Mischung aus britischen Raps und heftig basslastigem Garage/Drum and Bass. Dizzee Rascal, Wretch 32, Tinchy Stryder und Wiley seien hier als Grundpfeiler genannt, bevor sie dann doch poplastigere Musik gemacht haben.
Was ich Novelist definitiv nicht abspreche ist sein Talent zu rappen, Grime kann ziemlich cool sein. Und wenn man seine Raps aus “Take Time” auf ein anderes Instrumental legen würde hätte ich vielleicht auch weniger Kopfschmerzen. Aber die “Musik” darunter ist einfach nicht meins. Dann kann ich meine Katze auch auf ein Keyboard schmeißen. Nein, danke.

Rae Morris
Aus Blackpool, England stammend, arbeitet Rachel Anne Morris derzeit an ihrem ersten Studioalbum “Unguarded” und blickt auf ein ereignisreiches 2014 zurück. Sie durfte zusammen mit George Ezra, Tom Odell und Bombay Bicycle Club auf Tour gehen. Für Letzteren und für Clean Bandit sang sie auch bereits einige Gast-Vocals ein und konnte dabei definitiv überzeugen. Musikalisch irgendwo zwischen Tori Amos und Regina Spektor befindet sich der Song “Grow” der düster und melancholisch klingt. Wie ihre Stimme auf elektronischen Beats klingt, hört man auf “Up Again“. Morris wirkt sehr talentiert, aber auch ein wenig austauschbar. Es bleibt abzuwarten, ob sie wirklich den einen Hit landen kann, der ihr Mainstream-Erfolg verspricht, denn an einen Sieg beim “Sound of 2015” glaube ich nicht.

Raury
Ein amerikanischer Singer-Songwriter mit einer Gitarre. Geboren in Atlanta, Georgia, brachte sich das Gitarrespielen mit YouTube-Videos bei, als er 11 Jahre alt war und versucht nun die Welt mit Songs wie “Cigarette Song” zu erobern. Er selbst würde sich keinem Genre zuordnen und bedient sich bei allem, was ihn inspiriert. Dies brachte ihm Kollaborationen mit SBTRKT ein und sein Song “Lost Souls” war sogar auf dem Soundtrack des Mockingjay-Films der Tribute von Panem zu finden. Raury ist im Kommen und könnte sogar eine recht gute Platzierung bei der Umfrage abbekommen.

Shamir
Aus Las Vegas, Nevada stammend kreiert Shamir Bailey einen ziemlich urban klingenden Sound. Bodenständige Beats, ein dumpfer Bass, dazu aber spacy Synthesizerklänge. Ein buntes Potpourri aus klangvollen Zutaten, wobei mich am meisten die doch enorm feminin klingende Stimme von Shamir umhaut. Ich dachte erst, Kelis oder Santigold hätten irgendwas zusammen kreiert. Dazu einen Schuss M.I.A. – und es funktioniert. “If It Wasn’t True” knallt, “On the Regular” ebenso. Androgyn, so bezeichnet Shamir seine Stimme selbst und irgendwas daran macht tierisch Spaß. Und klingt irgendwo sehr, sehr britisch.

Weiter gehts bald mit Teil Zwei des Überblicks über die Nominierten des “Sound of 2015”. Habt ihr schon einen Favoriten? Wie findet ihr die Songs und Künstler? Lasst es mich wissen!

Previous Post Next Post

You Might Also Like

2 Comments

  • Julez
    Julez January 4, 2015 at 2:59 pm

    Also Kwabs fand ich ja vorher schon super – aber Raury hat mich sehr positiv überrascht und gibt mir mit dem Song auf jeden Fall ein bisschen Sommer-Feeling in dieser düsteren Jahreszeit 😛

    Ich bin gespannt auf die anderen 7 – aber bis jetzt ist Raury mein Sieger. 🙂

  • 20 in 2018: Years & Years - "Palo Santo" - viddymedia December 16, 2018 at 8:04 am

    […] sehr mit den Nominierten der BBC-Reihe “Sound of 2015” in zwei Teilen beschäftigt (Teil 1 und Teil 2) und muss mich wie im zweiten Teil angekündigt vom Gegenteil überzeugen lassen. Auch […]

  • Leave a Reply