Song of the Week, viddymusic

Song of the Week: “How Do You Sleep?” von Sam Smith

Kalenderwoche 40/2019

Sam Smith mit “How Do You Sleep?”, veröffentlicht im Jahr 2019.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich Singer/Songwriter aus London schätzen gelernt habe – und alles, was es dafür brauchte, war ein Live-Auftritt! Bevor ich Sam Smith auf dem ersten Lollapalooza in Berlin vor fünf Jahren gesehen habe, kannte ich eigentlich nur “La La La” mit Naughty Boy und “Money in my Mind” – und wie es die Briten sagen: I was not amused.

Es war einfach nicht meine Musik, wobei “La La La” bis auf den abgehackten Hindi-Gesang sogar eigentlich in Ordnung ist, der UK Garage-Beat ist toll. “Money on my Mind” geht mir so dermaßen auf die Nerven, dass ich es nicht einmal verlinken will. “Lay Me Down” schwirrte noch irgendwo im Hinterkopf herum und auch “Stay With Me” war mir ein Begriff, aber an sich war Sam Smith Niemand, den ich mir wirklich ansehen wollte. Doch da stand Smith dann, auf der Main Stage und erklärte und entschuldigte sich für eine Erkältung im voraus Knapp eine 60 bis 90 Minuten später fragte ich mich wieso, denn der Auftritt war von vorne bis hinten großartig, toll gelungen, charmant und sympathisch. Es hat mir so gut gefallen, dass ich inzwischen tatsächlich darauf warte, was Sam Smith als Nächstes macht.

Und da gab es seit dem Lolla 2015 so einiges: Golden Globe und Academy Award für den James Bond-Track “Writing’s On The Wall”, ein zweites Album, Kollaborationen mit Logic, Calvin Harris und Co. und nun eben das dritte Album in den Startlöchern, welches im nächsten Jahr erscheint. Und es scheint, als würde Sam Smith immer mehr zu sich selbst finden, so hat sich Smith nun als g enderqueer und nicht-binär “geoutet” (wann gibt es dafür eigentlich eine neue Bezeichnung? Finde den Begriff irgendwie sehr negativ konnotiert). Und auch wenn es damit für deutschsprachige Blogs und Texter ein wenig schwieriger geworden ist, über Sam Smith zu berichten, da Smith darum gebeten hat “them/they” statt “he” zu verwenden und es eine genderneutrale Bezeichnung im Deutschen einfach noch nicht gibt, ist das Smiths gutes Recht.

Auch das Video zu “How Do You Sleep?” wirkt wie ein Befreiungsschlag. Wird Smith damit einigen Leuten vielleicht zu feminin rüberkommen? Möglicherweise, aber wir befinden uns in einer Phase der Freiheit. Wer bin ich um über andere Menschen zu urteilen, wie sie sich anziehen oder bewegen, oder wen sie lieben oder sich verhalten wollen? Niemand. Ganz genau. Und deswegen bedeutet Respekt und Toleranz auch, anderen Menschen ihr Leben zu gönnen, solange es mein Leben nicht in irgendeiner Weise einschränkt. Und die einzige Einschränkung ist, dass ich nun noch mehr Sam Smith hören MUSS, denn seine Musik ist einfach zu gut für diese Welt.

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