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Rock Band 4: Die Geschichte von Harmonix

Heute ist der Tag, an dem “Rock Band 4” das Licht der Welt erblickt. Offizieller Release. Ich hatte das Band in a Box-Bundle zum stolzen Preis von 300 Euro vorbestellt und mich dann doch entschieden, das Spiel mitsamt Instrumenten nicht zu kaufen. Doch warum eigentlich?

Bevor ich euch sage, warum ich mir “Rock Band 4” vorerst nicht kaufen werde, führe ich euch auf eine kleine Reise. Ich erkläre euch das Phänomen “Rock Band”, meine Faszination, ein wenig Geschichte über das Genre der Musik-Games und wie alles begann.

Harmonix-logo

Die Anfänge

Vorweg muss ich sagen, bin ich ein riesiger Fan von Harmonix – der Firma, die Rock Band entwickelt, die Guitar Hero erfunden hat und der ich hunderte Euro in die Taschen geschoben und mich dabei nie schlecht gefühlt habe. Harmonix sind nämlich ein Videospiel-Entwickler, der nahezu ausschließlich Games rund um das Thema “Musik” produziert. Dabei haben Sie zu Beginn wahrscheinlich Tonnen an LSD geschmissen, was das erste große Spiel “FreQuency” von Ihnen erklärt – hier als Beispiel “Science Genius Girl” von Freezepop, einer Synthpop-Truppe, die ich ohne Harmonix gar nicht kennen würde.

Nach “FreQuency”, welches 2001 für die PlayStation 2 auf den Markt kam und etliche Preise einheimste, entwickelte Harmonix “Amplitude”. 2003 gab es also shr bekannte Acts wie Papa Roach, No Doubt, P!nk und Slipknot und etliche Möglichkeiten auch eigene Mixe der vorhandenen Songs herzustellen.
Natürlich waren auch Freezepop wieder dabei, hier mit “Super-Sprøde”. Wildes Knöpfedrücken war wieder angesagt und ich habe das Spiel gesuchtet. Doch ich wollte mehr, als nur ein paar Tasten drücken. Ich wollte mich wie ein Musiker fühlen. Auch wenn ich keine Barré-Griffe kann! Und dann kam eine Plastik-Gitarre.

Guitar_Hero_logo_svg

Die Guitar Hero-Ära

Harmonix hat die Plastik-Instrumente nicht erfunden, denn zuvor entwickelte Konami für die Spielhallen und PlayStation bereits etliche Musikspiele mit zusätzlichen Eingabegeräten. Ob “Dance Dance Revolution” mit einer Tanzmatte, “Beatmania” mit einem DJ-Pult oder “DrumMania” und “GuitarFreaks” mit… das kann man sich wohl denken. Gab es alles schon. Dennoch schlug das von Harmonix entwickelte, von RedOctane Ende 2005 bzw. Anfang 2006 veröffentlichte “Guitar Hero” ein wie eine Bombe. Aufgrund von hohen Kosten nahm man 30 der 47 spielbaren Songs selbst auf und der Spieler konnte das Ganze dann Zuhause mit einem aus Plastik bestehenden Nachbau einer Gibson SG mit fünf farbigen Knöpfen nachspielen. Das sah dann so aus.

Ich konnte “Guitar Hero” erstmals bei Freunden in Hamburg spielen und war sofort Feuer und Flamme. Bereits ein Jahr später veröffentlichte Harmonix gemeinsam mit Activision “Guitar Hero II”, dieses Mal nicht nur auf der PlayStation 2, sondern auch auf der Xbox 360. Da man hier aus einem virtuellen Store die Möglichkeit hatte, sich weitere Songs für das Spiel zu kaufen, hatte ich einen von vielen Gründen mir letztendlich auch eine Xbox 360 zu kaufen. Harmonix ist also auch Schuld daran, dass ich von Sony auf Microsoft umgestiegen bin. Hier gab es 64 Songs, von denen einige sogar vollständig lizensiert waren. Einer meiner Lieblingssongs (neben “Free Bird” von Lynyrd Skynyrd) kam natürlich von Freezepop: “Less Talk More Rokk”.

2007 brachte man gemeinsam noch “Guitar Hero: Rocks the 80s” auf den Markt, allerdings nur für die PlayStation 2, mit dem offiziellen dritten Teil der Serie, “Guitar Hero III: Legends of Rock”, der ebenfalls Ende 2007 heraus kam, hatte Harmonix dann nichts mehr zu tun. Activision kaufte RedOctane, Harmonix wurde von MTV Games bzw. Viacom gekauft. Der Schwierigkeitsgrad wurde angezogen, aber ansonsten war es doch Same old, Same old. Ein gutes, sehr schweres Spiel (man nehme beispielsweise “Through the Fire and Flames”), aber spätestens hier begann Activision damit, die Popularität auszuschlachten.

Die Übersättigung

“Guitar Hero III” wurde mit Ausnahme Japans im Oktober/November 2007 veröffentlicht. Am 22. Juni 2008 wurde “Guitar Hero: On Tour” für den Nintendo DS veröffentlicht, welches auch gut und gerne “Guitar Hero: Sehnenscheidenentzündung” heißen könnte. Am 27. Juni (also nicht einmal eine Woche später) kam “Guitar Hero: Aerosmith”. Am 26. Oktober 2008 in Nordamerika und am 07. November 2008 folgte mit “Guitar Hero: World Tour” der offizielle vierte Teil der Serie und am 16. November 2008 “Guitar Hero On Tour: Decades”, wieder für den NDS. 2009 ging das weiter mit “Guitar Hero: Metallica”, “Guitar Hero On Tour: Modern Hits”, dem offiziellen “Guitar Hero 5”, sowie dem tatsächlich genialen Mash-Up-Spiel “DJ Hero”. Viel zu viel Material, da schließlich auch Harmonix in der Zwischenzeit nicht untätig war.

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Die Rock Band-Ära

Ein Jahr, bevor Activision die “Guitar Hero”-Reihe auf weitere Instrumente erweiterte, veröffentlichte Harmonix mit MTV Games und EA als Publisher “Rock Band”. Gitarre, Schlagzeug, Mikrofon und eine zweite Gitarre als Bass. Hier als Beispiel “Enter Sandman” von Metallica. Erstmals gespielt habe ich “Rock Band” im Übrigen im Saturn im Europa Center. Mit meiner Ex-Freundin und meinem guten Freund Dennis haben wir das Spiel dort ausgestellt gesehen, angespielt und später habe ich es mir dann gekauft. 2008 folgte dann “Rock Band 2” und natürlich konnte es auch Harmonix nicht lassen, den Markt vollständig mit Spielen zu überschwemmen. 2009 folgten “LEGO Rock Band” und “The Beatles: Rock Band”, welche tatsächlich irgendwo einzigartig waren und jeweils besondere Designs hatten. Diverse Ableger für den mobilen Markt wurden ebenso veröffentlicht, bevor dann 2010 “Green Day: Rock Band” und der offizielle dritte Teil “Rock Band 3” folgten. Letzteres hatte als Neuerung ein weiteres Instrument: Das Keyboard. Zudem konnte man nun mehrere Mikrofone anschließen (und somit Harmonien singen) und die sogenannten Pro-Instrumente wurden eingeführt. An das Schlagzeug, das bis dahin nur vier Felder hatte, konnten Becken geschraubt werden und es gab Plastikgitarren, bei denen anstatt der fünf Knöpfe nun tatsächlich Saiten und einzelne Bünde waren. Ein echtes Gitarrenerlebnis also.

Die große Stärke von “Rock Band” waren nicht nur die Songs auf den Discs, sondern die stetig wachsende Anzahl an kostenpflichtig herunterladbaren Songs. Ob man nun Fan von Popmusik, elektronisch angehauchter Musik, Chartstürmern oder lieber doch heftigem Metal und deftigem Rock ist – jegliches Genre wurde abgedeckt. Manchmal gab es sogar Versionen extra für “Rock Band”, selbst Snoop Dogg hat Songs wie “Drop It Like It’s Hot” für das Spiel neu aufgelegt.

In der WG haben wir Rock Band gesuchtet bis zum Abwinken. Ob wir uns an der endlosen Setliste versucht oder gemeinsam die Karriere durchgespielt haben. Es gab sogar eine Zeit, da haben wir uns mit einem gemeinsamen Freund jede Woche getroffen und ein paar Sessions eingelegt. Es gab durch die DLCs wöchentlich Nachschub. Neue Songs zum Ausprobieren und dabei war es egal, ob das zeitlose Klassiker waren oder Songs, die vielleicht noch nicht einmal auf dem Markt veröffentlicht wurden. Guns N’ Roses beispielsweise brachten Stücke aus ihrem lang erwarteten Album “Chinese Democracy” in den Online Store, bevor das Album überhaupt raus kam.

Das Ende

Nach “Rock Band 3” war allerdings Pause. Gut, man veröffentlichte mit “Rock Band Blitz” noch ein Arcade-Game, welches eher an “FreQuency” und “Amplitude” erinnerte und auch mehr ein Add-On war, als alles Andere, doch die Nachfrage nach Musikspielen war mehr als gedeckt worden. Für das Xbox-Zusatzgerät Kinect konnte man mit der “Dance Central”-Reihe neben “Just Dance” noch einige einigermaßen erfolgreichen Spiele herausbringen, doch selbst dieser Hype ist nach vier Hauptspielen wieder weitestgehend vorrüber.

Bereits Ende 2010 kündigte Viacom an, Harmonix nach nur vier Jahren wieder verkaufen zu wollen. Die ersten Pläne dazu gab es bereits vor dem Release von “Rock Band 3” und “Dance Central”. Letztendlich kaufte sich Harmonix selbst frei und wurde wieder ein unabhängiger Entwickler. Neben den “Dance Central”-Spielen entwickelte man in Zusammenarbeit mit Disney Interactive “Fantasia: Music Evolved”, ein weiteres bewegungsgesteuertes Musikspiel, welches als interaktiver Nachfolger zum 1940er Disney-Film “Fantasia” gelten soll. Verschiedene Remixe von bekannten Songs von Bands und Künstlern wie Queen, Lady Gaga, den Gorillaz, Depeche Mode und Co., aber auch klassische Stücke von Komponisten wie Johann Sebastian Bach oder Modest Mussorgsky waren enthalten. Ich selbst habe hiervon nur die Demo gespielt, umgehauen hat es mich aber nicht.

Nach und nach stellte Harmonix dann auch den Support für die “Rock Band”-Reihe ein. Sechs Jahre nach dem Start wurde am 02. April 2013 der vorerst letzte Song in den virtuellen Store gestellt: “American Pie” von Don McLean. Nach 1.692 Liedern (kein Schreibfehler) von hunderten Bands und Künstlern war das Ende für den Nachschub gekommen. Neben dem offiziellen Store schuf Harmonix mit dem Rock Band Network für Fans und kleinere Künstler die Möglichkeit, selbst Songs zum Download anzubieten. Hier schaffte es die erste Version des Networks mit 1.021 Liedern und das Network 2.0 (bei dem die Funktionen von “Rock Band 3” unterstützt wurden) mit 1.114 Werken die Sammlungen noch einmal gehörig zu erweitern. Doch auch hier war dann Schluss.

Der Neuanfang?

Ein wenig überraschend also, als man Anfang 2015 wieder Songs als DLC anbot. Im Januar kündigte Harmonix Songs von den Arctic Monkeys, Avenged Sevenfold und den Foo Fighters an, im Februar und März kamen Weezer, Tenacious D und Frank Turner hinzu. Und dann wurde es angekündigt: Die Rückkehr. Das Comeback. Der vierte, offizielle Teil nach fünf Jahren.

“Rock Band 4”. Auf den aktuellen Konsolen, also Xbox One und PlayStation 4. Und auch Activision kündigte ein neues Spiel an: “Guitar Hero Live”, entwickelt von FreeStyleGames, die auch hinter “DJ Hero” steckten.

Doch wie soll das funktionieren? Die alten Controller von der Xbox 360 funktionieren nicht auf der Xbox One. Wie soll man seine Instrumente weiterhin benutzen? Was ist mit dem bereits gekauften DLC? Ob und wie Harmonix und Activision diese Probleme lösten und warum ich mir “Rock Band 4” nun letztendlich doch nicht hole, könnt ihr im zweiten Teil lesen.

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