Reviews, viddymovies

Rewiew: Marie Curie – Elemente des Lebens

Es boomen die Wissenschaftsfilme. Nach “Edison” mit Benedict Cumberbatch (der eigentlich 2017 rauskam und Corona-bedingt noch immer/wieder in einigen Kinos läuft) und vor “Tesla” mit Ethan Hawke, darf Rosamund Pike in die Rolle der sonderbaren Marie Curie schlüpfen.

Marie Curie – Elemente des Lebens
Radioactive

Trailer
Regie: Marjane Satrapi
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 109 Minuten

Ende der 1890er Jahre versucht die sonderbare, aber augenscheinlich geniale Maria Sklodowska (Rosamund Pike) in Paris Fuß zu fassen, wo sie aus ihrer Heimat in Polen hingezogen ist. Hier trifft sie zufällig auf den ebenso genialen Pierre Curie (Sam Riley), der ihr einen Platz zum Forschen anbietet, nachdem sie ihre Räume in der Pariser Fakultät aufgeben musste. Zwischen den Beiden entwickelt sich nicht nur eine brennende Liebe, sondern sie entdeckten und erforschten gemeinsam auch die Radioaktivität, als die Beiden in zerstoßener, Uran-haltiger Pechblende die neuen Elemente Radium und Polonium feststellten.

Doch als Frau zur Jahrtausendwende kämpfte Marie Curie stets um ihre eigene Anerkennung in der Wissenschaft und während ihr Mann für die gemeinsamen Entdeckungen den Nobelpreis für Physik zugesprochen bekam, wurde Marie zunächst ignoriert. Am Ende wurden dennoch beide ausgezeichnet, Marie konnte der Zeremonie allerdings aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht beiwohnen. Während die Welt Radium als neues Wundermittel feierte und es in schön leuchtenden Gegenständen, Kosmetik und sogar Genussmitteln verarbeitete, verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Curies zunehmend. Beide waren sich nicht bewusst, welche Auswirkungen Radium eigentlich hat. Doch die Schicksalsschläge sollten erst beginnen.

Sheldon Cooper und Amy Farrah Fowler im Jahr 1910

Während Marie Curie durchaus Teil des Schulunterrichts ist, wird dabei eigentlich nur auf ihre Entdeckungen und Errungenschaften in den Geisteswissenschaften eingegangen, weniger auf ihre Biographie. Von daher ist es durchaus interessant, einen Einblick in das Leben der gebürtigen Polin zu bekommen, die ihren Platz in der Welt und Wissenschaft gesucht hat. Als Stilmittel benutzt die iranisch-französische Regisseurin Marjane Satrapi mehrere Szenen- und Zeitenwechsel, als beispielsweise die noch heute in Frankreich als “Curiethérapie” bekannte Radiumtherapie eingeführt wurde – natürlich nicht ohne Skepsis. Doch während die Entdeckungen der Curies durchaus nicht nur Euphorie, sondern auch gute medizinische Möglichkeiten brachte, gibt es auch Einblendungen vom Abwurf der ersten Atombombe auf Hiroshima, sowie der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Damit wollte die Regisseurin den Curies keine Verantwortlichkeit zuspielen, schließlich war sich auch Pierre Curie der Gefahr der Radioaktivität bewusst, wenn sie in den falschen Händen genutzt wurde.

Diese stetigen Szenenwechsel werden durch Zeitstempel in einen Kontext gesetzt, dieser fehlt allerdings durchweg, wenn man wieder ins Paris der 1910er Jahre wechselt – und das aus gutem Grund, denn wenn man tatsächlich den Blick in die Biographie von Marie und Pierre Curie wagt, dann stimmen einige Zeitabfolgen genauso wenig, wie einige Geschehnisse. Die Curies tragen ihre Erkenntnisse beispielsweise vor der von Gabriel Lippmann (Simon Russell Beale) angeführten Académie des sciences in Paris vor – wenngleich das so nie passiert ist, da Marie kein Mitglied der Akademie war und dementsprechend ihr auch nichts vorstellen konnte. Im Film reist Marie auch nicht zur Verleihung des Nobelpreises für Physik, in Wahrheit traten Marie und Pierre allerdings im Jahr 1905 gemeinsam die Reise nach Schweden an. Auch ist die zweite Tochter, Ève, im Film bereits vor der Bekanntgabe der Nominierung geboren, während sie in Wahrheit 1904 geboren wurde, die Curies den Nobelpreis aber bereits 1903 zugesprochen bekamen. Warum man sich diese Freiheiten in der Geschichte genommen hat, ist wahrscheinlich um eine interessante Geschichte zu erzählen – aber ob diese Änderungen wirklich notwendig waren, bleibt fraglich.

Pi mal Daumen – wird schon passen

Während die erste Hälfte des Filmes durchaus unterhaltsam ist, auch wenn vielleicht eine Spur zuviel auf die durchaus unkonventionell wirkende Romanze zwischen Marie und Pierre gelegt wird, flacht die zweite Hälfte zunehmend ab. Hier geht es vornehmlich um Maries Verlust von Pierre, der von einer Pferdekutsche in einem unachtsamen Moment überrollt wurde, sowie ihre Affäre mit ihrem verheirateten Kollegen Paul Langevin (Aneurin Barnard). Trotz der öffentlichen Wahrnehmung, die Pariser versammelten sich regelmäßig vor ihrem Haus und skandierten, sie solle Frankreich verlassen, forscht Marie eifrig weiter und lässt sich auch von ihrer Tochter Irène (Anya Taylor-Joy) überreden, ihr Wissen in der Radiologie an der Kriegsfront einzusetzen. Dann springt der Film plötzlich ins Jahr 1934 und Marie Curie liegt im Sterben. Kein Wort über ihre Aufenthalte in Amerika oder von der Internationalen Kommission für geistige Zusammenarbeit, von ihrem Treffen mit Albert Einstein erfährt man nur im Abspann per Photographie. Es ist absolut in Ordnung, Teile einer Biographie in einem Spielfilm auszulassen, aber vielleicht wäre ein etwas weniger großer Fokus auf die Liebe und mehr Fokus auf die Wissenschaft interessanter gewesen?

Rosamund Pike spielt ihre Rolle tatsächlich sehr gut und lässt alle anderen Schauspieler zu Nebenrollen werden, besonders als die den Tod von Pierre zu betrauern hat, fühlt man mit ihr. Allerdings ist der Einsatz des Filmes im Schulunterricht, wie von kinofenster.de empfohlen, in meinen Augen kompletter Schwachsinn. Die gesamte Wissenschaft ist im Film ein Plotmittel und wird nicht interessant genug dargestellt, als dass man daraus irgendeine Basis für wissenschaftlichen Unterricht ziehen könnte. Marie Curie hackt in Pechblende herum, schüttet irgendwelche Flüssigkeiten zusammen – wie man daraus irgendwelche gehaltvollen Informationen für den Unterricht ziehen kann, ist mir schleierhaft. Für eine Biographie ist faktisch einfach zu viel falsch, für eine Romanze wirken Marie und Pierre in ihrer Zweisamkeit eigentlich nie, wie füreinander geschaffen oder besonders liebevoll. Und so bleibt ein Film zurück, der zur Hälfte durchaus unterhaltsam war, aber im Endeffekt auch eigentlich nicht gesehen werden muss.

Wertung: 5/10 Punkte

Previous Post Next Post

You Might Also Like