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Review: Tomb Raider

Das weibliche Pendant zu Indiana Jones schafft es schon zum dritten Mal auf die Kinoleinwand. Gesehen habe ich keinen der Filme um Lara Croft bisher, aber das Volk hat gesprochen und so durfte ich den Abend mit der Schatzjägerin verbringen. Danke…

Tomb Raider

Trailer
Regie: Roar Uthaug
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 118 Minuten

Nach einer endlos wirkenden und komplett uninteressanten Geschichte über irgendeine japanische Mumie, darf sich Lara Croft (Alicia Vikander – die in absoluter TOP-FORM ist!) beim Kampfsport vermöbeln lassen. Anschließend erfahren wir von ihren Geldsorgen und ihrem Elektrakomplex, denn sie weigert sich anzuerkennen, dass ihr verschollener Vater nicht mehr am Leben ist. Dank der Überredungskünste der Geschäftspartnerin Ana Miller (Kristin Scott Thomas) tritt sie schließlich dann doch das Erbe an und entdeckt, wieso ihr Vater überhaupt verschwunden ist.

Anstatt, wie es ihr Vater in seiner letzten Videobotschaft verlangt hat, seine ganzen Unterlagen zu verbrennen, reist Lara Croft lieber durch die Welt – entweder um ihren Vater zu finden oder aber das Geheimnis der japanischen Königin Humiko, die über Leben und Tod… yadda, yadda. Gemeinsam mit Lu Ren (Daniel Wu) macht sie sich also auf die Suche und erlebt spannende Abenteuer.

Wo bin ich hier schon wieder reingeraten?

Eigentlich ist es unfassbar, wie unspannend der Film erzählt wird. Man beginnt mit einer Geschichtsstunde, sieht Lara Croft beim Fahrradfahren und dann erlebt sie das Glück der filmischen Zufälle und ist immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort und lernt die richtigen Leute kennen.

Abgesehen von der sehr charismatischen und sympathischen Alicia Vikander hat man deutlich daran gespart, irgendwelche High-Profile-Schauspieler zu verpflichten. Ihr Vater wird von Dominic West gespielt, der in “300”, “The Affair” oder “Johnny English” zu sehen war – und auch dort eine uncharismatische Mischung zwischen Mark Wahlberg und Sean Bean war. Bösewicht Mathias Vogel wird von Walton Goggins gespielt, der zuvor in “Django Unchained”, “The Shield”, “Justified” und danach noch in “Ant-Man and the Wasp” zu sehen war. Er erinnert streckenweise an Steven Ogg und Joe Pantoliano und ist tatsächlich nicht die schlechteste Wahl, aber eben auch Niemand, der einen Film so tragen kann. Auch interessant: Mehrfach erwähnt Mathias Vogel, dass er seit sieben Jahren in Isolation auf der Insel ist und sich wünscht, mal Jemanden zum Reden zu haben… eh, Junge. Du hast eine GANZE ARMEE und unzählige ZWANGSARBEITER am Start. Rede mit denen?

Und auch sonst finde ich den Film nicht sonderlich gut gemacht. Sämtliche Szenen bei der Überfahrt auf dem Boot von Lu Ren sehen billig aus, es gibt so viele Erzählungen, bei dem Tagebucheinträge vorgelesen werden, bei den eigentlich auch wichtige Informationen erzählt werden, aber wie sie dem Zuschauer nähergebracht werden, ist einfach nur langweilig.

Kein Weltrekordsversuch im Stabhochsprung.

Wie gut, dass Laras Vater sein gesamtes Abenteuerleben in Buch- und Hörbuchform hinterlassen hat, bevor er verschwunden ist, denn so erfährt Lara Croft von der Trinity-Organisation, die hinter dem Geheimnis der Mumie her ist, welches die Kraft von Leben und Tod oder sowas hat. Während das erzählt wird, werden alte Bücher einbelendet oder das Boot im Hintergrund vom Horizont. Und neben diesen langweiligen Erzählungen sind auch die Dialoge einfach nicht gut, sondern nur Füller.

Am Schlimmsten war es für mich, wie Lara im Film wirklich immer wieder auf die Schlüsselfiguren durch puren Zufall trifft. Sie erwischt Lu Ren und sein Boot direkt, als sie in Hong Kong ankommt, als dieser ihr zufällig gegen ein paar finstere Gestalten hilft. Sie findet Bösewicht Vogel, als sie mit dem Boot kentert und er sie zufällig am Strand mittem im Sturm findet und ausknockt. Klar. Wie sie ihren Vater trifft, verrate ich an dieser Stelle nicht – das MUSS man erleben. Und warum verschwendet man gute zehn Minuten auf eine vollkommen irrelevante – und mit Verlaub auch super unrealistische – Fahrradtour durch London? Um zu zeigen, wie sportlich und adrenalinlustig Lara Croft ist, nachdem man sie bereits in einem Mixed Martial Arts-Sparring gesehen hat?

Die Mumie? Indiana Jones? Daktari?

Alicia Vikander macht ihren Job mit dem Material, das sie hat, wirklich sehr, sehr gut (beispielsweise ist die Szene mit dem ersten Kill im Schlammloch und wie sie das in der Mimik verarbeitet, verdammt gut) und hätte einen cleveren, spannenden Abenteuerfilm mehr als verdient gehabt. Stattdessen gibt es hier einen mäßig spannenden Actionstreifen, der streckenweise nicht nur besonders offensichtliche Greenscreens verwendet hat, sondern auch einfach gähnend langweilig und mit zwei Stunden Laufzeit deutlich zu lang geraten ist. Kann es eigentlich sein, dass nach den Szenen in London, also nach gut zwanzig Minuten, keine einzige Frau mehr im Film zu sehen ist? Wie realistisch ist es eigentlich, dass ein hochgradig ansteckender Zombie-Virus gut 1800 Jahre in einem Sarg überlebt? Und wie schnell wird Plastik von Magensäure zersetzt? Asking for a friend.

Um ein wenig auf die Geschichte beim Abschluss zu kommen – tatsächlich bin ich nicht DER Tomb Raider-Experte. Ich habe anno dazumal Teil 1 und 2 durchgespielt und dann das Interesse verloren. Aber natürlich war Lara Croft damals Jedem ein Begriff. Ob angebliche Nacktcheats, Poster, oder sogar ein Musikvideo mit Die Ärzte – der Hype um Lara war eigentlich unfassbar, genauso wie die Tatsache, wie sehr sie als Sexsymbol präsentiert wurde.

Umso besser, dass das in den aktuellen Spielen und eben auch in dieser Verfilmung nicht der Fall ist. Alicia Vikander spielt Lara Croft realistisch, als greifbare Heldin, die überaus sportlich ist und einen unbändigen Willen hat. Und da aufgrund des moderaten Erfolgs an den Kinokassen an einem zweiten Teil gearbeitet wird, würde es mich freuen, wenn man einfach einen besseren Film macht.

Wertung: 5/10 Punkte

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