Reviews, viddymovies

Review: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Vor zwei Jahren einer der absoluten Gewinner bei den Academy Awards – aber vor zwei Jahren hatte ich auch noch kein Yorck-Abo. Also habe ich den Streifen jetzt nachgeholt, bei der die ganze Welt nicht nur wegen Hauptdarstellerin Frances McDormand enorme Fargo-Vibes bekommen hat.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Trailer
Regie: Martin McDonagh
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 116 Minuten

Milred Hayes (Frances McDormand) lebt mit ihrem Sohn Robbie (Lucas Hedges, “Mid90s”) in Ebbing, Missouri und ist wütend. Wütend, weil vor einigen Monaten ihre Tochter Angela brutal ermordet wurde und weil die ansässige Polizei unter Sheriff Bill Willoughby (Woody Harrelson) nie einen Täter verhaftet und die Ermittlungen eingestellt hat. Sie kratzt ihre letzten Ersparnisse zusammen und mietet drei Plakatwände knapp außerhalb der Stadt und gibt auf diesen eine deutliche Botschaft an die Polizei. Dies bringt Unruhe in die ganze Stadt und während besonders der aggressive und alkoholsüchtige Officer Dixon (Sam Rockwell) versucht, dagegen vorzugehen, versucht der Sheriff mit Fakten die wütende Mutter zu besänftigen. Doch selbst die Tatsache, dass er unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist, ändert nichts an ihrer Einstellung.

Alles wird schlimmer, als sich Mildreds Ex-Mann Charlie (John Hawkes) und sogar der Gemeindepriester sich einmischen und Officer Dixon Mildreds scheinbar letzte Freundin Denise (Amanda Warren) verhaftet, um Mildred einzuschüchtern. Die tatsächliche Suche scheint immer mehr in den Hintergrund zu rücken, stattdessen steht die gesamte Kleinstadt unter Misstrauen und Wut.

Trautes Heim, Glück zu zweit?

“Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” ist erst der dritte abendfüllende Film von Regisseur Martin McDonagh nach “Brügge sehen… und sterben?” und “7 Psychos” und wie auch bei den beiden Werken hat er hier nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben. Herausgekommen ist ein stets bedrohlicher, leicht aggressiver Film zwischen Rachethriller und Dramedy mit unfassbar gut aufgelegten Schauspielern. Nicht umsonst hat Frances McDormand nach “Fargo” hier ihren zweiten Oscar als beste Hauptdarstellerin bekommen und auch Sam Rockwell, der zuvor bereits in “The Green Mile”, “Moon”, “Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind” und eben “7 Psychos” brillieren konnte, wurde mit dem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet und konnte sich dabei gegen Willem Dafoe, Richard Jenkins, Christopher Plummer und den ebenfalls für diesen Film nominierten Woody Harrelson durch. Absolut verdient!

Aber auch sämtliche Nebendarsteller, wie Lucas Hedges als Sohn zwischen den Stühlen, Peter Dinklage als zufällig in die Szenerie platzender Helfer, Sandy Martin als Mutter von Dixon, Caleb Landry Jones (“The Dead Don’t Die”, “Get Out”) als Werbungsverkäufer oder Clarke Peters als neuer Polizeichef machen ihre Arbeit allesamt wirklich sehr, sehr gut! Tolle Szenenbilder, ein toller Score vom Komponisten Carter Burwell und generell enorm beeindruckende Bilder, wie etwa die Szene, in der Mildred voller Hass und Wut das Büro der Polizei mit Molotowcocktails abfackeln, runden diesen Film ab.

Mama hat die besten Ideen.

Natürlich ist “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” keine leichte Kost und ist nicht alleine nur unterhaltend, sondern regt auch zum Nachdenken an. Eine Frau möchte einfach nur zum Denken anregen, zum Handeln, aber tut dies in so einer destruktiven und sturen Art und Weise, dass sie damit nicht nur die ganze Stadt gegen sich aufbringt, sondern eben auch das Leben der anderen Leute in Gefahr bringt.

So bringt sich Sheriff Willoughby nach einem schönen Tag mit seiner Familie um, doch da seine Krebserkrankung ein Geheimnis innerhalb der Kleinstadt war, denken alle Bewohner natürlich, dass dies eine Konsequenz aus den Werbetafeln war, die Willoughby sogar direkt angesprochen haben. Trotz eines deutlichen, roten Fadens schafft es der Film dennoch an zwei, drei Stellen gut zu überraschen und ist zwar ruhig erzählt, aber nie langatmig und schaltet an den richtigen Stellen noch einmal ein paar Gänge höher.

Bis aufs Blut.

Persönlich finde ich die FSK12 doch sehr mutig von der Freiwilligen Selbstkontrolle gewählt, denn abgesehen von den wirklich derben Ausbrüchen, bei denen mit Beleidigungen um sich geschmissen wird, ist der Film streckenweise auch ziemlich direkt und brutal. Viel Spaß bei der Szene beim Zahnarzt.

Allerdings lockert der Film diese Szenen durch besonders schwarzen Humor auch wieder auf und schafft in einigen Szenen, wie etwa als sich Sheriff Willoughby versucht mit Mildred auszusprechen oder als er seinen schönen, letzten Tag erlebt, auch warmherzige Momente – und bietet damit einen herausragenden Genremix an, der von Rache, von Schuld, von Willen und von Versöhnung erzählt und kaum hätte besser gemacht werden können. Interessant im Übrigen, dass die ungewöhnliche Plakatgestaltung auch zur Nachahmung aufgefordert hat. Das schnelle Fazit am Ende: Diesen Film sollte man definitiv gesehen haben!

Wertung: 9/10 Punkte

Previous Post Next Post

You Might Also Like