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Review: The Lobster

Wenn ein Film ohne irgendeine musikalische Untermalung damit beginnt, eine unbekannte Frau minutenlang dabei zu beobachten, wie sie durch eine Landschaft fährt, nur um dann anzuhalten, auszusteigen, einen von zwei Eseln zu erschießen und dann weiterzufahren, dann ist das Kunst.

The Lobster
The Lobster

Trailer
Regie: Yorgos Lanthimos
Erscheinungsjahr: 2015
Laufzeit: 109 Minuten

Die Welt, in der David (Colin Farrell) lebt, ist anders strukturiert, als unsere. In seiner Welt darf es keine Singles geben, stattdessen bekommen sie 45 Tage Zeit, einen Partner fürs Leben zu finden, ansonsten werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt. Nachdem dies seinem Bruder passiert ist, der fortan als Hund nicht von seiner Seite weicht, zieht David nun in ein Hotel in eine Gemeinschaft voller Männer und Frauen, die Gemeinsamkeiten entdecken und ein Leben beginnen sollen.

Geleitet wird das Projekt von der Hotelmanagerin (Olivia Colman) und unter den einsamen Mitmenschen befinden sich ein Mann mit einem Gehfehler (Ben Whishaw), der schon bald eine Geliebte (Jessica Barden) findet, indem er ihr vorspielt, dass er an dem gleichen Nasenbluten-Problem, wie sie, eine sehr gefühlskalte Frau (Angeliki Papoulia), die nur darauf zu warten scheint, dass ihre Zeit abläuft und ein lispelnder Mann (John C. Reilly), der kein passendes Gegenstück zu finden scheint. David versucht sich einzuleben, doch entdeckt, dass es noch eine Welt außerhalb des Hotels gibt, voller Geflüchteter, die ihre eigene Gemeinschaft gegründet haben, die ein kompletter Gegensatz zu sein scheint. Aber irgendwie doch nicht.

Der Countdown läuft.

Regisseur Yorgos Lanthimos, der drei Jahre später mit “The Favorite” nicht nur für zehn Oscars (unter anderem “Bester Film”) nominiert war, sondern Olivia Colman auch zum Academy Award für die beste Hauptdarstellerin verholfen hat, macht Kunst. Und das merkt man auch in jeder Minute von “The Lobster”, der die Geschichte durchaus mit einigen Längen erzählt, die offensichtlich aber einfach dazu gehören.

Es geht um eine andere Art von Zusammengehörigkeit, von Gemeinschaft, von Liebe und von Sexualität, die in irgendeiner Form durchaus vertraut ist, aber dann doch sich so dermaßen von allem, was wir kennen, unterscheidet. Deswegen ist es auch absolut legitim, dass die Geschichte eben nicht flott erzählt wird, da man sich an alle Eigenheiten gewöhnen muss. Beispielsweise die abstruse, sexuelle Stimulation durch die Krankenschwestern oder aber die Tatsache, dass die geflüchteten Singles Beziehungen komplett untersagen und mit bestialischen Foltern darauf antworten. “Der rote Kuss” ist nichts, was ich jemals erfahren möchte.

Verbotene Liebe.

Der gesamte Film ist in erdigen Grundtönen gehalten und liefert ein paar schöne Bilder – absolut nicht mithalten kann der katastrophale, nervtötende Score, bei dem ich nicht einmal mit Recherche herausfinden konnte, wer dafür verantwortlich ist, dass nahezu jede Szene gleich klingt. Ich hatte selten so sehr den Wunsch, einfach Stumm zu stellen, wie bei “The Lobster”. Immer wieder die gleiche Sequenz, die jede Emotion begleiten soll, egal, was gerade auf der Leinwand passiert. Es ist mir absolut unbegreiflich, wie man damit zufrieden sein konnte.

Den künstlerischen Wert, den “The Lobster” hat, kann ich durchaus erkennen. Es ist ein langatmiges Werk, in welchem durchaus gut geschauspielert wird. Colin Farrell spielt den unterdurchschnittlichen David so lethargisch, dass man gar nicht weiß, ob man für ihn ein gutes Ende wünscht oder nicht. Rachel Weisz darf erst als Erzählerin und letztlich als Frau ohne Augenlicht brillieren und tatsächlich kommt da ein bisschen der Charme durch, mit dem ich sie ursprünglich in “Die Mumie” kennengelernt habe – wobei man die Filme natürlich keinesfalls vergleichen kann. Aber gut unterhalten habe ich mich bei dem Weg zum Ziel eigentlich nie gefühlt und habe letztlich einen Film gesehen, der durchaus interessant war, aber nicht genug Interesse geweckt hat, dass ich ihn weiterempfehlen kann oder gar noch einmal anschauen würde.

Wertung: 5/10 Punkte

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