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Review: The Gentlemen

Das Kino ist zurück. Was der Berliner Zoo Palast jahrelang als Slogan benutzte, ist nun wahr, denn am 02. Juli haben die Kinos in Berlin wieder aufgemacht. Zum ersten Mal seit dem 22. Februar saß ich endlich wieder mit Popcorn in der Hand auf einem weichen Sessel, sah zu, wie sich der Vorhang zur Seite schob und schaute das neueste Werk des Regisseurs, der teilweise verdammt gute Filme gemacht hat… und mit Madonna verheiratet war.

The Gentlemen

Trailer
Regie: Guy Ritchie
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 113 Minuten

Er hat es geschafft. Mag sein, dass Michael “Mickey” Pearson (Matthew McConaughey) aus ärmlichen Verhältnissen kommt, doch dank eines Stupendiums in England hat der Amerikaner den Sprung gewagt und sich nach und nach ein kleines Marihuana-Imperium aufgebaut. Nach all den Jahren will er sich aber mit seiner Frau Rosalind (Michelle Dockery, “Downton Abbey”) zur Ruhe setzen und aus dem kriminellen Geschäft aussteigen und bietet seine gesamte Infrastruktur dem aufgesetzten Geschäftsmann Matthew Berger (Jeremy Strong, “The Big Short”) an, allerdings bekommen noch ein paar andere Gestalten Wind davon, dass sich Mickey zurückziehen will und so steht er plötzlich ungewollt im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Da wäre zum Beispiel der investigative Schnüffler und Drehbuchautor Fletcher (Hugh Grant), der mit jungenhaften Charme gerne an ein paar Millönchen kommen würde. Oder Dry Eye (Henry Golding, “Crazy Rich Asians”), der sich über seinen Onkel Lord George (Tom Wu, “King Arthur”) hinwegsetzt und Mickey ein eigenes Angebot macht. Oder der merkwürdige Coach (Colin Farrell), der durch Zufall in die ganze Sache mit hineingezogen wird, ganz im Gegenteil zu Raymond (Charlie Hunnam), die rechte Hand von Mickey. Viele Personen, die alle ihre eigenen Ziele verfolgen – und so ist es nicht verwunderlich, dass Mickey bereits in den ersten Minuten des Filmes eine Pistole am Kopf hat.

Er hat eine Geschichte zu erzählen: Drehbuchautor Fletcher

Wenn ein Regisseur eine turbulente Vita hat, dann ist es Guy Ritchie. Vor gut zwanzig Jahren hat er sich einen exzellenten Ruf mit Kult-Filmen wie “Bube, Dame, König, grAs” und “Snatch – Schweine und Diamanten” gemacht. Er heiratete Madonna und über die nächsten acht Jahre legt man lieber den Mantel des Schweigens, bis sich Ritchie mit den beiden Sherlock Holmes-Filmen mit Robert Downey Jr. zurückmeldete. Es folgten “Codename U.N.C.L.E.” und “King Arthur: Legend of the Sword” die so dermaßen gefloppt sind, dass es ein Wunder war, dass überhaupt Jemand nochmal Ritchie die Chance gegeben hat, auf dem Regiestuhl sitzen zu dürfen. Dann kam “Aladdin” und ich hatte bis eben wahrhaftig vergessen, dass Ritchie das Disney-Remake verbrochen hat.

Tatsächlich besinnt er sich in “The Gentlemen” an seinen Klassikern und macht das weitaus besser, als in “RocknRolla” mit Gerard Butler. Es gibt viele skurille Charaktere, es gibt eine Geschichte, die sich nur langsam entfaltet und am Ende ganz anders aussieht, als man gedacht hat. Während Charlie Hunnam in den meisten Szenen einfach nur verboten gut aussieht, glänzt besonders Hugh Grant in seiner für ihn doch untypischen Rolle. Er ist absolut der Klebstoff, der diesen Film zusammen hält und sorgt immer wieder für durchaus angebrachte Lacher.

Das Imperium schlägt zurück: Die Pearsons

Aber insgesamt machen wirklich alle Schauspieler ihren Job sehr gut. Matthew McConaughey nuschelt sich zur Abwechslung mal nicht durch das Skript, Michelle Dockery spielt die Ehefrau, die genauso tough ist, wie ihr Ehemann ebenfalls gut und Jeremy Strong versucht bis zum Ende ambivalent und undurchsichtig zu bleiben und genau da ist die kleine Krux des Streifens.

Genau wie in “Bube, Dame, König, grAs” oder “Snatch” liefert Guy Ritchie wieder eine verworrene Geschichte, die sich nach und nach entfaltet. Im Gegensatz der zuvor genannten Filme, die mich damals tatsächlich überrascht haben, war so einiges in “The Gentlemen” schon vorhersehbar, aber deswegen nicht weniger unterhaltsam. Wenn ich übrigens – ja, ich weiß, schlechte Angewohnheit – bei einem Film zweimal mein Handy heraushole, um beim Soundtrack Shazam zu verwenden, dann hat man bei der Songauswahl Einiges richtig gemacht und ich habe mich ein bisschen in den Intro-Song “Cumberland Gap” verguckt.

Der typische Tarantino: Blick aus dem Kofferraum

Insgesamt hat mich “The Gentleman” durchaus unterhalten, auch wenn ich die ein oder andere Szene etwas gestreckt empfand. Allerdings hat der Film leider in keinem Moment die gleiche Begeisterung ausgelöst, wie es “Snatch” damals getan hat und was ich mir durchaus erhofft habe. Und mein erster Eindruck nach dem Kinogang war schon eine kleine Enttäuschung, die sich am nächsten Tag aber aufgelöst hat. Dabei ist besonders der Aspekt, dass Fletcher ein Drehbuchautor ist und Raymond ein Drehbuch präsentiert, was in der Fantheorie durchaus das Drehbuch dieses Films sein könnte und Fletcher später noch bei Miramax vorstellig wird. Miramax hat “The Gentlemen” tatsächlich produziert. Alles nette Spielereien, die dem Plot durchaus noch etwas mehr Würze geben.

Hat Guy Ritchie zu alter Form zurück gefunden? Fraglich, da es wahrscheinlich davon abhängig ist, welches Projekt er als nächstes realisiert. Aber wer auf komplexe Gangster-Geschichten steht, bei der es toughe Typen, lockere Sprüche und ein bisschen Blut gibt, wird mit “The Gentlemen” absolut nichts falsch machen.

Wertung: 7/10 Punkte

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