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Review: Steig. Nicht. Aus!

Mit einer Mischung aus “Speed” und “Nicht auflegen” will das deutsche Kino zeigen, dass es auch Actionthriller kann. Und mit Wotan Wilke Möhring in der Hauptrolle wurde auch ein sympatischer Protagonist gefunden, der das Familiendrama tragen kann.

Steig. Nicht. Aus!

Trailer
Regie: Christian Alvart
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 109 Minuten

Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring) ist erfolgreicher Bauunternehmer, der sein Herz doch noch irgendwo an der richtigen Stelle hat. So will er seine Frau Simone (Christiane Paul) zum Hochzeitstag überraschen und seine beiden Kinder Josefine (Emily Kusche) und Marius (Carlo Thoma) zur Schule fahren, als er einen Anruf bekommt. Der Anrufer verlangt eine größere Geldsumme nicht nur aus dem Privatvermögen der Brendts, sondern auch von der Firma, für die Karl arbeitet. Sollte er die Summe nicht erhalten, würde er das Auto mitsamt den Kindern in die Luft sprengen.

Daraus entwickelt sich eine mit Spannung gefüllte Geschichte, denn auch Karls bester Freund und Kollege Omar (Fahri Yardim) sitzt mit seiner Frau im Auto auf einer Bombe. So versucht Karl alles von dem Fahrersitz auf, um sowohl seine Frau – die allerdings gerade bei ihrer Affäre ist – und auch seine Chefetage davon zu überzeugen, das Geld bereitzustellen, während sich nach und nach offenbart, warum Karl überhaupt im Kreuzfeuer sitzt. Und natürlich sitzt auch die Polizei dem Familienvater im Nacken, die hier einen Amoklauf nach einer gescheiterten Ehe vermuten.

Nicht auflegen.

Wie es der deutsche Film so oft tut (nicht wahr, “Das perfekte Geheimnis”?), bedient sich auch “Steig. Nicht. Aus!) bei einer Vorlage aus dem Ausland, in diesem Fall am spanischen “El desconocido”, zu Deutsch: “Anrufer unbekannt”. Regisseur Christian Alvart durfte zuvor einige Tatort-Episoden inszenieren und hat nach diesem Film unter anderem die Regie für die Serie “Dogs of Berlin” geführt, kennt sich also mit Action und Thriller aus.

Tatsächlich schafft es der Film, konstant über die Laufzeit eine grundsolide Spannung zu halten und mit der leichtfertigen Korruption der Baubranche, kommt sogar noch ein bisschen Gesellschaftskritik hinzu. Dass hinter Karl Brendt mehr steckt, als nur ein aufrichtiger Familienvater, ist relativ schnell klar, doch das Kartenhaus zerfällt relativ schnell.

Geteiltes Leid ist doppeltes Leid.

Natürlich steht und fällt der Film mit dem Hauptdarsteller und Wotan Wilke Möhring liefert eine ausgezeichnete Arbeit ab. Er schwankt zwischen auswegsloser Verzweiflung, dem Versuch seinen Kindern irgendwie Hoffnung zu machen und die Situation hinsichtlich seines Arbeitgebers zu kontrollieren hin und her, doch auch die anderen Darsteller, wie etwa die beiden Kinder, machen sich sehr gut.

Einzig den Antagonisten am Telefon fand ich nicht nur am Apparat, sondern auch im letzten Akt vor der Kamera relativ charismalos und hätte mir da eher einen Darsteller wie Kiefer Sutherland in “Nicht auflegen” oder Wesley Snipes in “Liberty Stands Still” gewünscht, die von der Art relativ ähnlich sind, aber eben auch diese Rolle mit viel Ausstrahlung und einem gewissen Leid trotz der Übeltat präsentiert haben.

Steigen sie sofort aus!

“Steig. Nicht. Aus!” offenbart ein wenig die Schwächen, dass wir für dieses Genre in Deutschland einfach nicht genug ausdrucksstarke Schauspieler haben und so kann man den Film schon auf eine etwas besser inszenierte Folge “Tatort” herunterbrechen. Dennoch ist der Film durchaus ein abendfüllender Thriller, bei dem man seine Zeit nicht verschwendet hat, wenn man ihn gesehen hat.

Kein absolutes Muss, aber durchaus ein sehr wohlgemeintes Kann, wenn man ihn denn in die Finger bekommt.

Wertung: 7/10 Punkte

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