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Review: Sonic the Hedgehog

Die Industrie lernt einfach nicht und ballert alle paar Jahre wieder einen Film basierend auf einem Videospiel heraus, auch wenn man die Anzahl der Streifen, die ein Spiel als Vorlage haben und wirklich Geld verdient haben, noch immer an einer Hand abzählen kann. Nach Sherlock Pikachu ist es nun also das Maskottchen von SEGA, welches durch die Welt rennen und mit Menschen interagieren darf.

Sonic the Hedgehog

Trailer
Regie: Jeff Fowler
Erscheinungsjahr: 2020
Laufzeit: 100 Minuten

Wir beginnen mit einem Intro, bei welchem Baby Sonic (im Original gesprochen von Ben Schwartz (“Parks & Recreation”, “Duck Tales” – im Deutschen gesprochen von YouTube-Ikone Julien Bam, von dem ich bewusst noch nie ein Video gesehen habe) vor ein paar bösen Wichten wegflitzt und dank eines riesigen Goldringes und seinem besten Freund, einer Eule, durch die Dimensionen hüpfen kann. Keine Sorge, muss man sich nicht merken. Nichts davon spielt je wieder eine Rolle.

Auf der Erde wächst und gedeiht der pfeilschnelle Igel und mausert sich zum Stalker, der besonders am Leben von Green Hills-Sheriff Tom (James Marsden) und seiner Frau Maddie (Tika Sumpter) interessiert ist. Der besonders einsame, außerirdische Igel verliert nebenbei ein paar Stacheln, was das US-Militär auf ihn aufmerksam macht, die in einer absolut abstrusen Entscheidung den verrückten Wissenschaftler Dr. Robotnik (Jim Carrey) auf ihn hetzeln. Lasset die Spiele beginnen!

Karate Sonic

Die Story kann man auch so zusammenfassen: Außerirdischer wird vom Militär gejagt, seine Menschenfreunde helfen ihm dabei, nicht geschnappt zu werden. Gut, das hat man ja tatsächlich noch nie irgendwo anders gesehen (hust ALF hust) – aber das ist ja auch gar nicht der springende Punkt. Die tatsächlich wichtige Frage ist: Kann “Sonic the Hedgehog” unterhalten? Und wenn sich nicht gerade ein paar Kinder in normaler Lautstärke eine Reihe weiter hinten im Kino darüber unterhalten, was sie glauben, was als Nächstes passiert, geht das sogar ganz gut.

Abstrus wird es, wenn die Kräfte von Sonic (besonders wie schnell er eigentlich ist) in so ziemlich jeder Szene auf den Kopf gestellt werden. Mal schafft er es in einem Bruchteil einer Sekunde sich irgendeine irrelevante Sehenswürdigkeit anzusehen und ein paar Souvenirs zu klauen oder spielt mit sich selbst Baseball, im anderen Moment ist er dann – natürlich – viel zu langsam und bringt sich und Andere in Schwierigkeiten. Besonders die tatsächlichen Kräfte und die Origin-Story am Anfang haben bei mir oft Kopfschütteln ausgelöst, weil es einfach keinen Sinn ergibt und man sich das alles einfach zurecht gelegt hat, wie man es in der Szene gebraucht hat. Ich meine – wenn Sonic so dermaßen blitzschnell ist, dass er sich irgendeinen riesigen Gummiball in Sekundenbruchteilen anschauen kann… wieso flitzt er dann nicht mal eben selbst nach San Francisco und holt sich seine Ringe in wenigen Augenblicken? Nur so als… Beispiel?

Haben Sie einen kleinen, blauen Igel gesehen?

Wir müssen über das Casting von Jim Carrey sprechen. Ich habe mir erst kürzlich die Dokumentation “Jim & Andy: The Great Beyond” auf Netflix angesehen, da ich mir auch noch einmal “Der Mondmann” angesehen habe, in welchem Jim Carrey den exzentrischen Komiker Andy Kaufman spielt, Carrey blieb während der gesamten Dreharbeiten “in character” und brachte damit seine Kollegen fast bis zur Weißglut. Der Eindruck, den Carrey in der Dokumentation hinterlässt, ist so melancholisch, dass man sich schon fragt, wie dieser Mann in diese übertrieben lustigen Rollen wie etwa in “Die Maske”, “Der Dummschwätzer” oder “Ace Ventura” schlüpfen kann. Carrey selbst ist mir unheimlich sympathisch und “Der Mondmann”, “Die Truman Show” und “Vergiss mein nicht” sind definitiv Filme, die man gesehen haben sollte.

In “Sonic the Hedhehog” erhält man fast den klassischen Jim Carrey. Es gibt Geräusche, es gibt Gesichtskirmes und relativ wenig “Dr. Robotnik”, wie man ihn aus den Spielen kennt. Da ich ohnehin sehr wenig der Sonic-Spiele wirklich durchgezockt habe, fand ich das gar nicht schlimm und habe mich sogar eher darüber gefreut, Carrey in seiner Paraderolle als Klamauk-Mann zu sehen.

Wieso fahren wir eigentlich in diesem langsamen Auto?

Paramount Pictures hat zu Beginn der Produktion eine ganze Menge falsch gemacht – und ich halte es noch immer für kühn, einen Jeff Fowler auf den Regiestuhl zu setzen, der bis auf zwei Kurzfilme VOR FAST 15 JAHREN eigentlich noch nichts aufzuweisen hat. Aber vielleicht wollte es einfach sonst Niemand tun?

Jedenfalls hat Paramount Pictures aber auch eine ganze Menge richtig gemacht – in erster Linie natürlich das Redesign. Wobei es für mich einfach schwer vorstellbar ist, dass das Design von Sonic aus dem ersten Trailer wirklich fix war – mit dem Widerstand musste man doch einfach rechnen. Aber es gebührt Respekt, wenn man den Fehler anerkennt, mehr Arbeitsstunden reinsteckt (die hoffentlich bezahlt wurden) und den Fans, für die der Film gemacht wird, auch das gibt, was sie wollen. Gut, die wollten vielleicht keine merkwürdige, komplett irrelevante Origin Story, aber einen seichten, unterhaltsamen, actionreichen Film über einen blauen Igel, der sich blitzschnell durch die Welt bewegt. Und den haben sie bekommen.

Wertung: 5/10 Punkte

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