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Review: Rambo – Last Blood

Was haben John Rambo und ich gemeinsam? Nach einer Auszeit stürzen wir uns wieder ins Getümmel und tun das, was wir am Besten können. Ich setze mich ein paar Minuten auf die Couch und bilde mir eine Meinung über monatelange Arbeit und John Rambo durchlöchert ein paar Bösewichte. Welcome back, Sly!

Rambo: Last Blood

Trailer
Regie: Adrian Grünberg
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 101 Minuten

Noch immer geplagt von seinen alten Kriegserinnerungen lebt John Rambo (Sylvester Stallone) knapp zehn Jahre nach dem letzten Film auf der alten Farm seiner Eltern, züchtet Pferde und versucht die Polizei zu unterstützen. Mit ihm lebt eine alte Freundin, die Haushälterin Maria und ihre Enkelin Gabrielle. Diese reist nach Mexiko, um ihren leiblichen Vater zu finden und gerät dabei in die Fänge des Kartells. Grund genug für Rambo, Hammer und Nagel gegen Maschinenpistole und Granatenwerfer einzutauschen und trotz angeknackster Psyche den Kampf gegen die Entführer aufzunehmen.

So ein normales Leben ist nicht leicht.

Die ursprüngliche Rambo-Trilogie habe ich – wie so oft – nicht gesehen, allerdings “Rambo”, beziehungsweise “John Rambo” wie der vierte Teil aus dem Jahr 2008 heißt, damals tatsächlich im Kino gesehen. War schon ein unterhaltsamer Actionfilm, bei dem ein Mann im Vordergrund steht, der insgeheim vielschichtiger ist, als man es vermuten würde.

John Rambo leidet weiterhin an PTBS (Posttraumatischer Belastungsstörung), was Stallone, der den Charakter so kühl und distanziert wie möglich darstellt, auch recht ordentlich rüberbringt. Natürlich erfindet der Film die ewige “ehemaliger Supersoldat/-agent rettet junge Entführte aus den Händen einer Gang”-Formel nicht neu, aber schafft zumindest nachvollziehbare Handlungen. Beispielsweise warum Rambo nach dem ersten Aufeinandertreffen überhaupt am Leben bleibt und die Chance bekommt, das gesamte Kartell auseinanderzunehmen. Ich kann im Übrigen nicht die einzige Person sein, die bei Sergio Peris-Mencheta (er spielt Kartell-Chef Hugo Martinez) an Pedro Pascal oder Tom Hardy denkt?

War. War never ends.

Es dauert gute 40 Minuten, bis tatsächlich etwas in dem Film passiert, was man mit Action assoziiert. Aber dann geht es wenigstens richtig los und so darf man einen einfachen Knochenbruch ganz nah miterleben. Nom nom. Wobei man sich selbst dann mit der großen Balleraction zurückhält, stattdessen werden einzelne Knochen gebrochen, das Gesicht so matschig geschlagen, dass man unfreiwillig an “Yo Adrian, I did it!” denkt und tiefe Einschnitte ins Gesicht fabriziert.

Besonders gefallen hat mir, dass der Moment, der in anderen Filmen der ultimative Happyness-Augenblick ist, kurz nach der Hälfte bereits passiert und der Streifen dadurch eigentlich erst richtig beginnt. Mich hat die Länge gar nicht gestört, weil im Gegensatz zu The Expendables eben mehr in John Rambo steckt und es für mich durchaus interessant war zu sehen, wer diese neuen Charaktere eigentlich sind und warum der gefühlskalte Mann sich für sie so sehr interessiert.

Einer gegen Alle.

Ich bin ein wenig geteilter Meinung, was die Actionszenen angeht. Während ich die Hammerszene in dem Bordell sehr gelungen fand – natürlich nicht auf einem Niveau mit “Oldboy”, aber immer noch gut – hat mir die Szene, bei der Rambo vom Kartell verprügelt wird, überhaupt nicht gefallen. Unfassbar schlechte Schnitte, keine Übersicht und am Ende das komplett verquollene Gesicht. Das hätte man besser machen können. Besonders im Finale wirken manche Szenen auch wie vorgespult (erinnert sich noch Jemand an das Hobbit-Phänomen?), sehr merkwürdig. Auch von Brian Tyler hatte ich aus dem letzten Film einen gefühlvolleren Score in Erinnerung, selbst in der hochdramatischen Szene in der Mitte ist der Soundtrack nur beiläufiges Gedudel.

Auf die brutalen Szenen, die am Ende des Filmes kommen, muss man natürlich stehen, schließlich ist das nichts als zelebrierter Revenge Porn. Bis dahin erwartet einen eigentlich eher ein Drama, als ein Actionfilm – dementsprechend also ein Film, bei dem man die Charaktere ein wenig an sich heranlassen muss. Wer 100 Minuten lang wildes Geballer und Explosionen erwartet hat, wird quantitativ sicherlich enttäuscht sein, aber das Ende hat es wirklich in sich – MacGyver wäre stolz!

Wertung: 6/10 Punkte

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