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Review: Queen & Slim

Ein erstes Date kann in viele Richtungen gehen – doch selten endet es mit solch einer dramatischen Flucht wie im Fall von “Queen & Slim”, denn plötzlich werden die beiden Turteltauben als Polizeimörder gejagt. Eine Mischung aus Krimi und Romanze mit Daniel Kaluuya und Jodie Turner-Smith in den Hauptrollen.

Queen & Slim

Trailer
Regie: Melina Matsoukas
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 133 Minuten

Ganz klassisch sitzen sie sich in einem Restaurant gegenüber, wie es oft bei einem ersten Date üblich ist. Eigentlich versteht “Slim” (Daniel Kaluuya) nicht, wieso “Queen” (Jodie Turner-Smith) ihm nach drei Wochen Funkstille überhaupt geantwortet hat und genauso holprig wie das digitale Kennenlernen, verläuft auch das reale Gespräch. Auf der Heimfahrt werden die beiden charakterlich sehr unterschiedlichen Menschen von einem weißen Polizisten (Sturgill Simpson) angehalten, aus einer Routinekontrolle entstehen Vorurteile, Frust und laute Worte. Der Polizist zieht seine Waffe, Minuten später ist er tot.

Queen überredet Slim, den Tatort zu verlassen, vor der Polizei zu fliehen und so befinden sich die Beiden auf einem Roadtrip, auf der Flucht, während sie von farbigen Mitmenschen als Helden gefeiert werden.

Passen eigentlich überhaupt nicht zueinander: Queen & Slim

Auf der gemeinsamen Reise lernen sich die Beiden eigentlich erst richtig kennen und wachsen auf vielen Ebenen zusammen. Stets mit der Polizei im Nacken entsteht der Plan, die Vereinigten Staaten zu verlassen, wobei sie auf die Hilfe ihrer Mitmenschen angewiesen sind.

Im Gegensatz zu engmaschigeren Thrillern nimmt sich “Queen & Slim” von Regisseurin Melina Matsoukas – die erstmals überhaupt Regie in einem vollwertigen Film geführt hat – ordentlich Zeit und gibt den beiden Hauptdarstellern viel Zeit, die eigentliche Freiheit zu entdecken. Es gibt unzählige Landschaftsaufnahmen, bei denen die Beiden auch viel Ungerechtigkeit entdecken. Besonders eindrucksvoll ist eine Szene, als die Beiden an einer Art Plantage vorbeifahren, auf welcher ausschließlich schwarze Arbeiter den Ertrag pflücken und dabei der Kontast zwischen der durch die Flucht erzwungenermaßen entstandene Freiheit der Beiden und der weiteren Unterdrückung ihrer Mitmenschen sichtbar wird.

Beweismittel vernichten.

Auch wenn sich die Schlinge um die Hälse der Beiden immer weiter zuzieht, auch wenn die Gesichter auf allen Zeitungen und im Fernsehen zu sehen sind, kommt bei “Queen & Slim” eigentlich nie die wirkliche Gänsehaut-Spannung auf. Stattdessen steht die entstandende Romanze zwischen Queen & Slim, die bis auf die Fernsehberichte nie beim Namen genannt werden, absolut im Vordergrund. Während der eigentliche Schuhverkäufer Ernest Hines Probleme damit hat, seine Familie und Freunde hinter sich zu lassen und eigentlich tief religiös ist, ist Angela Johnson, wie Queen eigentlich heißt, eine knallharte Anwältin, durchweg durchkalkuliert und eigentlich alleine auf der Welt, nachdem sie eine wahre Familientragödie hinter sich hat.

So unterschiedlich die Beiden sind, umso näher kommen sie sich im Verlaufe des Films – und hierbei liefern Daniel Kaluuya (“Get Out”, “Black Panther”) und Jodie Turner-Smith (“Jett”, “Nightflyers”) glaubhafte Leistungen ab. Kaluuya ist ohnehin ein wahnsinnig guter Schauspieler. Allerdings ist der Film zeitweise sehr, sehr träge erzählt und achtet für meinen Geschmack zu viel auf die Ästhetik der Natur, als einen ordentlichen Spannungsbogen zu erzählen.

Am Ende der Welt.

Es macht auch absolut Sinn, schließlich hat Melina Matsoukas zuvor ausschließlich Regie bei Musik-Videos unter anderem für Beyoncé und Rihanna geführt. Das richtige Gespür für Ästhetik hat sie.

Persönlich habe ich mir allerdings ein wenig mehr Suspense erhofft, letztlich aber einen durchaus gut anzusehenden Film gesehen, der mit guten Schauspielern und Nebenrollen (unter anderem auch Flea, Bassist der Red Hot Chili Peppers) gespickt eine intensive, schicksalsbehaftete Liebesgeschichte erzählt, die sich nach einem Happy End sehnt und durchaus ein paar Längen zuviel hat.

Wertung: 7/10 Punkte

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