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Review: Petting statt Pershing

Ich bin kein Fan vom deutschen Film. Damit ist der Sachverhalt sofort auf dem Tisch, denn in meinen Augen kommt auf jeden Film wie “Nur eine Frau” oder “Soul Kitchen” mindestens zwanzig Filme, bei denen man sich wundert, dass da wirklich irgendjemand gesagt hat: “Klar, gute Idee. Machen wir so. Hier ist mein Portemonnaie, nehmt euch was ihr wollt!” – und die Prämisse von diesem Werk hier, war doch gar nicht mal so schlecht.

Petting statt Pershing

Trailer
Regie: Petra Lüschow
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 97 Minuten

Wir befinden uns im Jahre 1983 nach Christus. Ganz Deutschland ist von den Spießern besetzt… Ganz Deutschland? Nein! Denn in einem kleinen Dorf in Hessen startet die sexuelle Revolution, als der neue Lehrer Siegfried (Florian Stetter) auftaucht, der nicht nur der 17-Jährigen Ursula (Anna Florkowski) den Kopf verdreht, sondern auch ihrer Lehrerin Frau Teichert (Barbara Philipp), ihrer Mutter Inge (Christina Große) und eigentlich jeder Dame, der er nur einen flüchtigen Blick zuwirft. Doch das Dörfchen ist zugeknöpft, obwohl selbst der stets korrekte Papa Helmut (Thorsten Merten) nicht nur zum Arbeiten länger in der Praxis bleibt.

Eine Liebe voller Freiheit, Polygamie und das Auflehnen gegen den Staat, die Verbesserung der Welt, das alles verspricht der charismatische Lehrer. Doch letztlich geht es nur darum, wo er sein bestes Stück platzieren darf. Und als er sich Ursula verweigert, die sich nichts sehnlicher wünscht, als vom Revoluzzer entjungfert zu werden, schmiedet diese einen tödlichen Racheplan.

Auf der Suche nach der Lust: Ursula

Keine Sorge, Spannung kommt bei diesem Film eigentlich nie auf. Und ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir schon beim Anschauen des Filmes überlegt habe, ob ich überhaupt eine Review schreibe, schließlich wäre das wahrscheinlich nicht sonderlich fair. Ein “Independence Day: Wiederkehr”, den ich gerne als eine meiner Referenzen für einen wirklich schlechten Film heranziehe, hat immerhin ein Millionen Budget, namhafte Schauspieler und zwanzig Jahre Zeit gehabt, sich eine gute Geschichte zu überlegen. Regisseurin und Autorin Petra Lüschow hat im Gegensatz dazu zum ersten Mal auf dem Regiestuhl für einen abendfüllenden Film Platz genommen und wie eingangs erwähnt: Ich bin kein Fan des deutschen Filmes. Ich brauche zwei Hände um die deutschen Filme, die ich wirklich, wirklich gut finde, abzuzählen. “Chiko”, “Das Experiment”, “Das Leben der Anderen” beispielsweise. Im Gegenzug dazu gibt es “Ossi’s Eleven”, “Sex Up” oder anderen Schund, der an Peinlichkeit nicht zu überbieten ist. Und im Endeffekt habe ich mir gedacht, dass “Petting statt Pershing” wirklich so schlecht ist, dass ich darüber reden muss.

Ich habe keinen der Schauspieler jemals irgendwo anders gesehen und bei der erbrachten “Leistung” hätte es mich auch nicht gewundert, wenn alle zum ersten Mal vor der Kamera gestanden hätten. Umso erstaunlicher, dass Christina Große, Thorsten Merten und Barbara Philipp allesamt mehrfach (!) bei renommierten Produktionen wie beispielsweise dem “Tatort” mitgewirkt haben. Ich habe noch nie eine Episode der traditionsreichen Vorzeige-Fernsehfilm-Reihe gesehen – aber Lust da mal reinzuschauen, haben mir die Drei hier auch nicht gemacht. Das Problem ist aber nicht einmal, dass man auf der Leinwand potentiell Laien-Darsteller sieht, sondern dass besonders die Hauptfigur so dermaßen unsympathisch rüberkommt, dass man weder mit ihr mitfiebert, noch ihr sonst irgendein Glück wünscht. Anna Florkowski legt in absolut jeder Szene den gleichen emotionslosen Blick auf – egal, ob in sexueller Extase oder Rachelust. Zu den schlechten Leistungen kommen auch langweilige Dialoge voller konstruiertem Blahblah, ohne Witz, ohne Charme. Aber dafür mit dem Beweis, dass selbst 97 Minuten im Kino sehr, sehr lang sein können.

Ein bisschen Voyeurismus hat noch Niemandem geschadet

Es gibt so viele störende Faktoren an diesem Film, dass ich aufpassen muss, nicht den Überblick zu verlieren: Ursula bezeichnet sich selbst beispielsweise als Person die aneckt, weil sie ihren Mund in falschen Augenblicken aufmacht. Als sie im Verlauf der Geschichte aber mehrere Möglichkeiten hat, einen Standpunkt zu beziehen, dann hält sie den Mund und blickt dümmlich ins Leere. Ihr Opa stirbt beim Pralinenessen und verfällt in seiner Uniform aus dem zweiten Weltkrieg natürlich mit dem erhobenen rechten Arm in die Leichenstarre. Was für ein Brüller. Jegliche Nebencharaktere sind absolut eindimensional gezeichnet und führen keinen Handlungsstrang weiter – weder Ursulas beste Freundin, noch die Leiterin des sexuellen Selbstfindungs-Workshops, noch sonst irgendjemand. Die kleine Geschichte wird dermaßen langweilig erzählt, dass ich mehrfach auf die Uhr geschaut und gehofft habe, dass das Elend endlich ein Ende hat. Kein Charakter macht irgendeine Entwicklung durch. Selbst als Ursulas Mutter sich künstlerisch von ihrem Mann trennen will, schmiert sie ihm dennoch ein Wurstbrot. Gesehen und vergessen. Zumindest, nachdem man sich über die verschwendete Lebenszeit geärgert hat.

“Petting statt Pershing” ist nicht einfach nur ein schlechter, deutscher Film ohne Sinn für Dramaturgie, für einen roten Faden, für Tempo, für eine sinnvolle Geschichte. “Petting statt Pershing” ist einer der schlechtesten Filme, die ich jemals in meinem Leben gesehen habe.

Wertung: 1/10

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