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Review: Knives Out – Mord ist Familiensache

Eine skurille Familie und ein Todesfall. Anstatt Tränen der Trauer zu vergießen, sorgt sich Familie Thrombey eher um den Nachlass des Patriarchen Harlan – doch Daniel Craig ist auf der Spur, denn schließlich haben so ziemlich alle ein Motiv. Was für ein Klassiker!

Knives Out – Mord ist Familiensache
Knives Out

Trailer
Regie: Rian Johnson
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 132 Minuten

Dies ist ein Fall für den Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig): Der reiche Krimi-Autor Harlan Thrombey (Christopher Plummer) feiert an einem Abend mit seiner ganzen Familie seinen 85. Geburtstag – und am nächsten Morgen ist er tot. Was für alle Beteiligten wie ein besonders grauenvoller Selbstmord aussieht, scheint allerdings keiner zu sein, denn eigentlich haben sie alle ein Motiv – Harlan plante nämlich, so ziemlich allen den Geldhahn zuzudrehen. Da ist beispielsweise die Schwiegertochter Joni (Grandios: Toni Collette), die eine Kosmetikfirma mit dem Geld von Harlan gegründet und ihre Tochter auf eine teure Schule schickt. Oder sein Sohn Walt (Michael Shannon), der den lyrischen Nachlass seines Vaters verwalten darf, ohne wirklich Mitspracherecht zu haben und als Geschäftsführer entlassen wird. Oder seine Tochter Linda (Jamie Lee Curtis), die von ihrem Ehemann Richard (Don Johnson) betrogen wird – was Harlan mitbekommen hat und seinen Schwiegersohn unter Druck setzt. Oder aber die Pflegerin Marta (Ana de Armas), die den Patriarchen zuletzt lebend gesehen hat – und die ihre Mutter schützen will, eine illegale Einwanderin. Ist Harlan ihr auf die Schlichte gekommen? Sie alle könnten der Mörder sein. Besonders brisant: Blanc ist nicht nur auf der Suche nach dem Geheimnis hinter den Todesumständen, sondern auch nach seinem eigentlichen Auftraggeber.

Mein Name ist Blanc. Benoit Blanc.

Rian Johnson, dessen Reputation mit der achten Episode “Star Wars: Die letzten Jedi” ordentlich gelitten hat und zuvor mit Filmen wie “Brick” oder “Looper” auf sich aufmerksam machen konnte, hat ein unfassbar talentiertes Ensemble um sich gesammelt. Neben Toni Collette (“Hereditary”, “The Sixth Sense”, “Little Miss Sunshine”) und Michael Shannon (“Man of Steel”, “Nocturnal Animals”), Daniel Craig und den anderen bisher genannten Schauspielern darf man auch “Captain America” Chris Evans (hat eigentlich nach “Nicht noch ein Teenie-Film” irgendjemand mit DER Karriere gerechnet?), LaKeith Stanfield (“Get Out”), Riki Lindhome (Teil des Musik-Comedy-Duos “Garfunkel and Oates”) und Jaeden Martell (“Es” und “Es Kapitel 2”) bestaunen, die allesamt eine gute bis grandiose Leistung abliefern. Auch Ana de Armas spielt hier bedeutend besser, als in “Knock Knock” oder “Blade Runner 2049” – ich war positiv sehr überrascht! Und bei dem Aufgebot ist es für mich ebenso überraschend, wie der Film “nur” ein Budget von 40 Millionen US-Dollar haben kann.

Fans von klassischen Krimigeschichten wie von Agatha Christie werden bei dem Katz- und Maus-Spiel voll auf ihre Kosten kommen und ich selbst habe mich als Erstes nach dem Anschauen im Kino gefragt: Wieso gibt es eigentlich nicht mehr solcher Filme? Na klar, der Wiedersehwert ist nicht sonderlich hoch, wenn man schlussendlich erfahren hat, wer warum was eigentlich getan hat – und es gibt doch einige Kniffe und Wendungen, die ich nicht habe kommen sehen. Aber wenn man sich auf die Geschichte einlässt, die durchaus mit Spannung und einigem Tempo erzählt wird, wird man sehr, sehr unterhalten.

Game of Knives.

Einzig absolut gar nicht gefallen hat mir der Soundtrack von Nathan Johnson. Mit seinem Cousin hat Regisseur Rian bereits bei “Brick” und “Looper” zusammengearbeitet und während ich “Looper” gesehen habe, ist mir bei dem Sci-Fi-Thriller genauso wie bei “Knives Out” absolut nichts von der Musik im Gedächtnis geblieben, was in meinen Augen eine riesig vertanene Chance ist. Gerade bei solch einem Film muss es auch musikalisch stimmen und das war hier leider in keinster Weise gegeben.

Schlussendlich kann man über den Inhalt des Filmes natürlich nicht viel erzählen – besonders die Geburtstagsfeier von Harlan wird in diversen Rückblenden gezeigt, welches als Stilmittel hervorragend funktioniert und natürlich stehts aus einer anderen Sichtweise zum Tragen kommt. Alle wollen schließlich der Liebling von Harlan gewesen sein. Die Kulissen, die Schauspieler, die Schauplätze und alles sind ausgesprochen gut gewählt und lassen kaum Raum zur Kritik. Allerdings ein sehr gut gemeinter Hinweis: Ich habe den Film auf Englisch gesehen und in meinen Augen ist es schwer vorstellbar, wie einer der Twists auf Deutsch funktionieren soll. Demnach meine Empfehlung – schaut den Film auf Englisch oder mit deutschen Untertiteln. Und ich kann es nur noch einmal sagen: Es sollte heutzutage viel mehr solcher Filme geben.

Wertung: 8/10 Punkte

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