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Review: Karate Kid

Wenn mehr Leute wüssten – und dieser Blog irgendeine Relevanz hätte – wieviele “Klassiker” ich bis dato nicht gesehen habe, würden diese Leute mir definitiv die Kompetenz absprechen, auch nur ein weiteres Wort zu schreiben. Ja, ich war 35 Jahre alt, als ich das erste Mal den originalen “Karate Kid” gesehen habe. Aber ist das nicht auch ein interessanter Standpunkt? Können die Klassiker noch heute mithalten? Lasst uns gemeinsam auf die Zeitreise gehen – und auf die Suche nach meiner Glaubwürdigkeit.

Karate Kid
The Karate Kid

Trailer
Regie: John G. Avildsen
Erscheinungsjahr: 1984
Laufzeit: 126 Minuten

FML – Daniel LaRusso (Ralph Macchio) könnte so ein schönes Leben haben, doch seine Mutter Lucille (Randee Heller) besteht auf den Umzug von New Jersey nach Los Angeles, Kalifornien. Und wie es so oft ist, wenn man “der Neue” in einer anderen Stadt ist, so gerät Daniel natürlich mit den falschen Leuten aneinander. Unter anderem mit Johnny Lawrence (William Zabka), der Daniel bei jeder Gelegenheit verprügelt. Wirklich – bei JEDER! Dies passiert so oft, dass irgendwann sogar der schrullige Hausmeister Mr. Miyagi (Pat Morita) eingreift und Daniel vor den anderen Jungs rettet. Johnny und seine Freunde trainieren im gefürchteten Cobra Kai-Dojo unter Sensei John Kreese (Martin Kove) – was für ein Zufall, dass bald ein Karate-Turnier ansteht. Und Mr. Miyagi verspricht, Daniel für das Turnier kampfbereit zu machen, damit er seinen Rivalen endgültig den Respekt einprügeln kann.

You must defeat my Dragon Punch to stand a chance.

Ich hatte, bevor ich “Karate Kid” gesehen habe, keinerlei Ahnung über den Regisseur, über den Drehbuchautor, Komponisten, nicht einmal wirklich die Story. Klar kannte ich das berüchtigte “Wax on, Wax off”, den Kranich-Kick am Ende und sowas – aber eigentlich wusste ich sehr, sehr wenig über den Film und warum es eigentlich so einen Kult um ihn gibt.

Und mein erster Gedanke nach dem Anschauen war: Dies ist der “Rocky” der 80er. Natürlich gab es auch in den 80er Jahren ein paar “Rocky”-Filme, aber der klassische Aufstieg von Rocky Balboa, der als Niemand gegen den Champ antreten muss und auf seinem Weg dahin so viel Drama erfährt, stammt aus den 70ern. Und “Karate Kid” ist einfach ein sehr ähnliches Konzept. Umso lustiger, dass der Regisseur John G. Avildsen tatsächlich BEIDE Filme gedreht hat. Und Bill Conti hat sogar für beide Filme die Scores komponiert! Auch von der Musik her ist da einfach ein ähnlicher Vibe (wobei der Soundtrack sich dann doch eher an “Rocky III” orientiert, viel Hype, viel Motivation, viel Muricah!). Wahnsinn!

Auftragen, Polieren. Auftragen, Polieren.

“Karate Kid” ist ein unfassbar guter Film, der auch sehr, sehr gut gealtert ist. Gut, heutzutage würde Daniel bei all dem Mobbing wahrscheinlich eher den Waffenschrank seines Onkels ausräumen, anstatt seinem Erzfeind mit Wasser nass zu machen, aber ansonsten ist ziemlich viel immer noch nachvollziehbar – und wirkungsvoll.

Die Botschaft, sich den Respekt mit ein paar Schnauzschlägen zu verdienen, ist vielleicht nicht das, womit man hausieren sollte, aber es ist unterhaltsam. Und Karate ist wie das Boxen in “Rocky” nur der rote Faden, dieser Film ist kein Actionfilm, bei dem permanent irgendwelche Ninjas zerlegt werden. Stattdessen ist das Hauptaugenmerk die Geschichte – die Probleme, die Daniel mit seiner Mutter aufgrund des Umzuges hat. Die Probleme, die Daniel mit seiner Flamme Ali (Elisabeth Shue) hat, die eigentlich mal etwas mit Johnny laufen hatte. Der widerwärtige Sensei John Kreese, der seine Schüler wie Dreck behandelt und ihnen die falschen Werte vermittelt. Das alles ist so interessant, dass die knapp zwei Stunden niemals langweilig werden.

Warum nennt man sein Dojo “Cobra Kai”, hat aber dann ein Tattoo, bei dem eine Kobra erwürgt wird?

Der einzige Kritikpunkt, den ich am Ende habe, ist das viel, viel, viel zu schnelle Ende. Das Duell im Finale kommt, ist nach drei Minuten vorbei, Mr. Miyagi guckt kurz so semi-stolz und das Bild wird schwarz. Bitte was?

Ich habe inzwischen nachgelesen, dass Teil 2 direkt anschließt – aber das wusste man doch damals noch nicht, oder? Dementsprechend ist das Ende so dermaßen gehetzt, dass da kaum zum Atmen bleibt. Und wenn ich ehrlich bin, möchte ich Teil 2 und Teil 3 und alles, was danach kam, gar nicht schauen. Ich möchte, dass die Geschichte so bestehen bleibt, wie sie ist – denn sie ist wirklich gut. Allerdings werde ich dazu genötigt, mir die Serie “Cobra Kai” anzuschauen. Wehe, dass die nicht hält, was sie verspricht.

Wertung: 9/10 Punkte

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