Reviews, viddymovies

Review: Karate Kid II – Entscheidung in Okinawa

Daniel-san ist wieder da und verteilt ein paar ordentliche Roundhouse Kicks. Direkt nach dem Finale im ersten Teil, bei dem sich Ralph Macchio die Herzen der Fans und den Respekt des Cobra Kai-Dojos erkämpft hat, geht es weiter mit der Karate-Saga.

Karate Kid II – Entscheidung in Okinawa
The Karate Kid Part II

Trailer
Regie: John G. Avildsen
Erscheinungsjahr: 1986
Laufzeit: 113 Minuten

Es war ein vernichtender Kranich-Kick, mit dem der eigentlich schon fast querschnittsgelähmte Daniel LaRusso (Ralph Macchio) unter der Leitung seines Senseis Mr. Miyagi (Pat Morita) den blonden Schönling Johnny Lawrence (William Zabka) besiegen und das All-Valley Karate Championship-Turnier gewinnen konnte. Und direkt am Ende des ersten Teils steigen wir in diesem Film ein und sehen, wie Cobra Kai-Dojoleiter John Kreese (Martin Kove) wütend auf seine ganzen Schüler aufgrund der Niederlage ist.

Nur das Einschreiten von Mr. Miyagi kann Schlimmeres verhindern und auch Daniels Leben dreht sich weniger um Karate, schließlich wurde er von seiner Freundin aus dem ersten Teil nach knapp einem halben Jahr verlassen. Da bekommt Mr. Miyagi eine Nachricht aus der Heimat, dass sein Vater erkrankt ist und so entschließt er sich, gemeinsam mit Daniel nach Okinawa in Japan zu reisen um sich seiner eigenen Vergangenheit zu stellen.

There’s No Easy Way Out.

Nach der tragischen Geschichte im ersten Teil, bei welcher Miyagi im zweiten Weltkrieg (also gut VIERZIG Jahre vor diesem Film) für die US Army gedient hat und dabei seine Frau und sein Kind verloren hat, war hier Miyagi als Jugendlicher zusätzlich unsterblich verliebt in ein junges Mädchen, was aber seinem reichen Rivalen/besten Freund versprochen war. Sie sagen im Film selbst, dass diese Liebe zwischen Miyagi und Yukie (Nobu McCarthy) und der Kampf gegen Sato, der nicht stattfand, 45 Jahre her war. Dementsprechend verließ Miyagi also Japan, zog in die USA, heiratete dort geschwind irgendeine andere Frau (trotz unsterblicher Liebe) und wurde in die Armee eingezogen. Okay?

Und auch wenn Pat Morita bei den Dreharbeiten um die 50 Jahre alt war (und dementsprechend während des Weltkrieges um die 10-12 Jahre alt war und nicht gedient hat – tatsächlich ist Moritas echter Leidensweg in seiner Kindheit mindestens genauso dramatisch), wird er hier doch mindestens zehn, fünfzehn, vielleicht zwanzig Jahre älter darstellt und dass der alte Großvater-Ninja nun einen kränkelnden Vater hat, kommt genauso aus dem Nichts wie die neu erzählte Liebesgeschichte, die nur von den dreitausend Geschichten aus “King of Queens” getoppt wird, bei der sich Doug und Carrie immer wieder neu kennengelernt haben ohne irgendeine Konsistenz. Nicht unmöglich, aber irgendwie nicht konsequent.

Komm gib mir deine Hand.

Blendet man diese ganze verquere Zeitschiene und das erzwungene Doppeldrama aus, welches man in zwei Teilen erschaffen hat, liefert “Karate Kid II” einen durchaus interessanten Hintergrund auf die Geschichte des Senseis, während der Film auf die Chemie zwischen Ralph Macchio und Pat Morita reduziert wird, die natürlich auch hier wieder ausgesprochen gut funktioniert. Besonders in den Szenen, in denen Daniel seinen Mentor trösten will.

Während der Cobra Kai-Dojo, der charismatische John Kreese und der gewalthungrige Johnny Lawrence aber im ersten Teil noch gute Widersacher waren, sind die japanischen Wettstreiter von Miyago und Daniel-san, also Sato und sein Schüler/Neffe Chozen (Yuji Okumoto – und mir kann keiner erzählen, dass CHOZEN wirklich ein japanischer Vorname ist) absolut eindimensional und geben absolut kein Futter, sie so ausgiebig zu hassen, wie die Antagonisten aus dem ersten Teil. Okay, sie bestehlen die Dorfbewohner und ruinieren deren Leben, aber das bestätigt nur den Eindruck der eindimensionalen Charakterisierung, dass die bösen Reichen die Armen unterdrücken und nun der gute Miyagi und sein Schüler kommen, um das Dorf zu befreien.

Die anbahnende Romanze zwischen Daniel und Yukies Nichte Kumiko (Tamlyn Tomita) ist zwar nett, aber ich gehe jetzt schon stark davon aus, dass sie im dritten Teil absolut keine Rolle mehr spielen wird, also interessiert mich das gar nicht. Hätte man die weggelassen und damit ein paar Minuten eingespart, wäre das auch vollkommen okay gewesen und hätte mir erspart darüber nachzudenken, wie realistisch eine Rock ‘n Roll-Party im Stile der 50er Jahre in einem kleinen japanischen Dorf ist, bei der alle PERFEKT den Elvis machen.

Knock Knock. Who’s There? Knuck…les.

Tatsächlich gefällt mir die Verlagerung der Geschichte in das kleine Dorf auf der japanischen Insel sehr gut, allerdings lassen mich die ganzen Palmen eher an eine tropische Insel wie Hawaii denken, als an Japan (Edit: Tatsächlich wurde auf Hawaii gedreht), allerdings gefallen mir die Elemente wie der Familiendojo, das kleine Dorf, die traditionelle Trauerfeier zur Beerdigung von Mr. Miyagis Vater sehr und bieten einen interessanten Einblick in eine andere Kultur.

Allerdings hat der Film auch einige Längen und konstruiert sich zum Ende noch einen heftigen Konflikt zwischen Daniel und Chozen, nur um das Karate Kid am Ende noch in Aktion zu erleben. Einen Grund für den abgrundtiefen Hass von Chozen gegenüber Daniel gibt es nicht und deswegen kann man auf den Streifen die gleiche Regel anwenden, wie auf andere Geschichten in Filmen, Büchern oder sogar beim Wrestling. Das, was man sieht, steht und fällt mit einem starken Bösewicht. Der ist hier nicht vorhanden und alleine deswegen und aufgrund heftiger Längen im Mittelteil erreicht “Karate Kid II: Entscheidung in Okinawa” nicht die Qualität des Vorgängers.

Wertung: 6/10 Punkte

Previous Post Next Post

You Might Also Like