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Review: Green Book

Green Book – Eine besondere Freundschaft
Green Book


Trailer

Regie: Peter Farrelly
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 130 Minuten

Das ist er also, der Gewinner des Academy Awards für den besten Film in diesem Jahr. Das eine Werk, das sich gegen “Bohemian Rhapsody”, “Roma”, “Black Panther” und so weiter durchsetzen konnte und für mich selbst überraschenderweise habe ich den Großteil der Nominierten in diesem Jahr gesehen. Ansonsten habe ich eine sehr schreckliche “Best Picture”-Quote und aus den letzten zehn Jahren vielleicht vier Gewinner gesehen. Shame on me. Tatsächlich darf ich mich bei den Yorck-Kinos bedanken, die “Green Book” noch immer zeigen – und bei meiner wundervollen Jahreskarte. Der Film von Peter Farrelly ist der erste Film, den ich mit meiner goldenen Karte gesehen habe und ich verspreche zu versuchen, jeden der Filme zu rezensieren, die ich damit schaue! Egal wie künstlerisch anspruchsvoll sie sind.

Nachdem mich der Trailer eigentlich nicht angesprochen hat und die sonstige Filmography des Regisseurs auch eher Hit & Miss ist. Gemeinsam mit seinem Bruder Bobby kreierte er Komödien wie “Verrückt nach Mary”, der komplett unter Wert verkaufte “Ich Beide & Sie” und “Kingpin”, aber auch Graupen wie “Nach 7 Tagen ausgeflittert” oder “Schwer verliebt”. Und dann kam Green Book.

Tony Lip (Viggo Mortensen), der eigentlich Frank Vallelonga heißt, ist Rausschmeißer im Nachtclub, der Probleme mit seinen Fäusten klärt, wenn sein Mund nicht mehr ausreicht. Da der Club allerdings aufgrund Renovierungen geschlossen wird, sucht er einen neuen Arbeitsplatz um seine Frau Dolores (Linda Cardellini) und seine Kinder durchzubringen. So gerät er an den afro-amerikanischen Pianisten Doctor Don Shirley (Mahershala Ali), der für eine Konzertreihe durch die amerikanischen Südstaaten auf der Suche nach einem Fahrer und Beschützer ist – schließlich spielt die wahre Geschichte im Jahr 1962 und die Rassentrennung herrschte im Süden Amerikas noch deutlich vor. Spezielle Gesetze gegen die schwarze Bevölkerung, Diskriminierung bei vorgespielter Höflichkeit – und nicht nur Doc Shirley, sondern auch Tony Lip erfahren diese benachteiligte Behandlung deutlich zu spüren.

Tony selbst ist ein Mann voller Vorurteile und Widersprüche. Der italienischstämmige Mann wirft beispielsweise zwei Gläser zu Beginn des Filmes in den Müll, aus dem zwei farbige Arbeiter getrunken haben, die etwas in seiner Wohnung repariert haben. Gleichzeitig hört er aber gerne die “schwarze Musik”, wie etwa von Little Richard oder Aretha Franklin. In seinen Augen ist Doc Shirley auch nur ein gewöhnlicher Schwarzer, der diese Musik selbst lieben muss, wie er auch ein großer Fan von Fried Chicken sein sollte, weil “dies ja alle Schwarzen tun”. Aber so wie Tony lernt, dass Doc Shirley fast schon zwanghaft versucht mit Stereotypen aufzuräumen, hat sich der für die reiche, weiße Bevölkerung spielende Shirley komplett von seinem eigenen Volk entfremdet und so steht er zwischen den Welten verloren und alleine da.

In den Kritiken kam immer wieder auf, dass der Film symbolisch für die sogenannte “White Savior Narrative” steht, also bei der der Schwarze von dem Weißen aus seinem Tief geholt und gerettet wird. Ich habe den Film anders wahrgenommen und während Tony selbstverständlich Shirley aus der ein oder anderen Situation holt, ist es genauso Shirley, der aus Tony einen besseren Menschen mit größerem Herzen macht, der seine Beziehung zu seiner Frau am Leben hält und Tony aus dem Schlamassel holt, in den er, der schneller zuschlägt, als er nachdenkt, das Duo bringt.

Die Chemie zwischen Mortensen und Ali ist herausragend. Nicht gut, nicht in Ordnung, sie ist wirklich herausragend. Während sich Beide zu Beginn absolut nicht ausstehen können, merkt man von Szene zu Szene, wie sie zusammenwachsen und gegenseitigen Respekt füreinander entwickeln. Dazu lockert Regisseur Peter Farrelly den ernsten Hintergrund durch Humor aufzulockern, der nie unter die Gürtellinie geht.

In Zeiten, in der leider aufkeimender Rassismus noch immer ein Problem darstellt, ist “Green Book” nicht nur ein sehr gut gemachter und unterhaltsamer, sondern auch wichtiger Film. Auch wenn es die Jim Crow-Gesetze nicht mehr gibt, ist die Rassendiskriminierung noch immer ein großes Problem. Polizeiliche Willkür gibt es auch heute noch, genau wie Vorurteile. Wer also eine tolle Geschichte umgesetzt werden will, herzhaft Lachen, aber auch bitterlich Schlucken möchte, dazu einen tollen Soundtrack genießen will, der sollte sich “Green Book” ansehen. In meinen Augen ein absolutes Meisterwerk – und verdienter Academy Award-Gewinner.

Wertung: 10/10 Punkte

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