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Review: Es

Er gilt nicht nur als einer der kommerziell erfolgreichsten Autoren unserer Zeit, mir fällt kaum ein Schriftsteller ein, dessen Werke so oft für Film und Fernsehen adaptiert worden sind, wie Stephen King. Während es hier einige sehr gute Verfilmungen gibt, wie etwa “The Green Mile” oder “Die Verurteilten”, ist darunter natürlich auch viel, was man sich hätte sparen können. Und wie Hollywood schon immer ist, gehen irgendwann die Ideen aus und so macht man halt etwas, was man schon einmal gemacht hat, noch einmal. Vielleicht ja sogar besser, als beim ersten Mal?

Es
It

Trailer
Regie: Andy Muschietti
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 135 Minuten

Es aus dem Jahre 1990 ist bis heute ein Kult-Film. Obwohl das Ganze eigentlich kein Film im herkömmlichen Sinn war, sondern eine für ABC produzierte Mini-Serie aus zwei Teilen. Tim Curry (“Rocky Horror Picture Show”, “Legende”, “Kevin Allein In New York”) schlüpfte hier in die Rolle von Pennywise, dem tanzenden Clown und jagte den Kindern Angst ein – und machte aus einem Zweiteiler einen Kultfilm, der auch 30 Jahre später noch so viel Begeisterung auslöst, dass eine Dokumentation über den Entstehungsprozess produziert worden ist.

Große Schuhe, in welche die Neuverfilmung also treten musste. Nicht nur im Sinne des Kultes, den es um die Mini-Serie gibt, sondern auch im Hinblick des eigentlichen Werkes (welches immerhin über 1.000 Seiten lang ist, was eine Verfilmung nicht einfacher macht) und der Tatsache, dass man einen Tim Curry nur schwer ersetzen kann. Und vor allem im Hinblick darauf, dass sich das Horror-Genre in den letzten 30 Jahren so sehr gewandelt hat, dass jeder Gruselstreifen aus den 70ern und 80ern heute nur müde belächelt wird und sich jeder andere Film aus dem Genre entweder auf besonders blutrünstige Szenen oder Jump Scares verlässt. Und ja, Letzteres gibt es auch in Es aus dem Jahr 2017, den ich übrigens nachträglich unter die Lupe nehme um einen Kontext zum frisch veröffentlichten zweiten Teil herstellen zu können.

Willkommen in Derry

Bill Denbrough (Jaeden Martell) fühlt sich verantwortlich für das Verschwinden seines kleinen Bruders Georgie. Schließlich hat er ihm an einem regnerischen Tag ein Papierboot gebastelt und Georgie ist nie wieder nach Hause zurückgekehrt. Während seine Eltern vom Tod ihres Sohnes überzeugt sind, kann Bill einfach nicht loslassen und macht sich mit seinen Freunden Richie (Finn Wolfhard, “Stranger Things”), Ben (Jeremy Ray Taylor), Stanley (Wyatt Oleff), Mike (Chosen Jacobs), Eddie (Jack Dylan Grazer, “Shazam!”) und Bev (Sophia Lillis) auf die Suche nach Georgie und anderen verschwundenen Kindern. Die Truppe, die aus Außenseitern besteht und sich selbst “Klub der Verlierer” nennt, entdeckt, dass ihre Heimatstadt rund alle 27 Jahre den Tod mehrerer Kinder zu beklagen hat. Dahinter steckt Pennywise (Bill Skarsgård), ein fürchterlich aussehender Clown, der nicht nur andere Formen und Gesichter annehmen, sondern offensichtlich auch die Umwelt und Gedanken der Kinder manipulieren kann. Beverly beispielsweise erfährt dies am eigenen Leib, als sich ein Schwall von Blut über sie und das ganze Badezimmer ergießt, aber ihr Vater das nicht sieht. Bildet sie sich alles also nur ein?

Als wäre das noch nicht genug, wird der Klub auch noch von Henry Bowers (Nicholas Hamilton) und seinen Freunden tyrannisiert, was das Sextett aber nur noch mehr zusammenschweißt. Und das ist auch bitter nötig, als sie in einem alten, verlassenen Haus auf Pennywise treffen. Und der Clown ist hungrig.

You’ll float too

Tatsächlich befand sich das Remake bereits seit 2009 in Produktion und hatte zwei Regisseure kommen und gehen sehen, bis man sich auf Andy Muschietti festlegte, der zuvor mit dem Horrorfilm “Mama” punkten konnte. Interessanterweise kam der Film damit also 27 Jahre nach der Mini-Serie raus und damit exakt im Intervall, bei welchem Es – wie Pennywise auch genannt wird – zurückkehrt. Und die ersten Augenblicke des Filmes sind tatsächlich sehr, sehr gut gemacht. Bill Skarsgård spielt Pennywise komplett anders als Tim Curry, der den Clown sehr charismatisch darstellte und in Momenten, in denen er nicht versuchte Kinder zu fressen, sogar liebenswürdig wirkte. Pennywise ist durch und durch böse und eigentlich ist es sogar ein Wunder, dass Jemand wie Georgie auf ihn reinfällt. Ich wäre als Kind um mein Leben gerannt.

Während des Verlaufes des sehr, sehr langen Filmes habe ich ein wenig an Pennywise gezweifelt, denn für Jemanden, der so Hunger hat, frisst er ganz schön wenig Kinder und hat oftmals die Möglichkeit, einen der Verlierer zu töten. Macht es aber nie. Natürlich kann man nun argumentieren, dass Pennywise die Angst der Kinder fast am Besten schmeckt und er ihnen also die größtmögliche Angst machen will, bevor er sie frisst – allerdings hat er das bei Georgie ja auch nicht getan. Den hat er angesprochen, mit Popcorn gelockt und ihm dann den Arm abgekaut. Und so folgt der Film nicht nur bei Pennywise, sondern auch bei der gesamten Story eigentlich keinen Regeln. Und so ändert Pennywise seine Form und manipuliert, wie es die Story gerade benötigt, was allerdings auch dazu führt, dass der Film selten eine wirkliche Spannung oder Unbehaglichkeit aufbaut, sondern sich oft auf die Horror-Tricks der letzten Jahre verlässt und mit billigen Schockmomenten um die Ecke kommt.

Sieht fast aus, wie das “Upside Down” – ist es aber nicht.

So gruselig Bill Skarsgård als Pennywise auch ist – warum man ihn in einer Szene vor einem Ofen tanzen lässt und damit für Lacher und Memes sorgt, ist mir ein absolutes Rätsel. Allerdings – und dass der Film das geschafft hat, kann ich nicht groß genug loben – ist der Cast insgesamt großartig. Die Kinder haben alle eine hervorragende Chemie miteinander und besonders Jaeden Martell, Finn Wolfhard, Jack Dylan Grazer und Sophia Lillis glänzen. Alle Charaktere sind gut ausgearbeitet, auf ihre eigene Art sympathisch und man fiebert mit, auch wenn man eigentlich weiß, was passiert, wenn man das Buch gelesen oder die 1990er-Fassung gesehen hat.

Auch die Tatsache, dass man sich im ersten Teil ausschließlich auf die Kinder konzentriert und nicht diesen merkwürdigen Zeit-Mix von vor knapp 30 Jahren übernommen hat, tut dem Film sehr gut. Der Fokus liefert damit eine ordentliche Coming-of-Age-Geschichte, bei der die Versager über sich hinaus- und immer weiter zusammenwachsen. So etwas habe ich bei so einer großen Kindertruppe seit den Goonies nicht mehr gesehen.

Punktabzüge gibt es dafür für die absolut generischen Formen, die Pennywise neben dem berühmten Clown annimmt, wie etwa Kreaturen, die einfach nur nach Walking Dead aussehen und keinerlei Angst einflößen und die Tatsache, dass sowohl die Kinder (“Kommt, wir müssen zusammenbleiben!” – nur um sich im nächsten Moment aufzuteilen) und Pennywise (doch nicht so hungrig – schließlich entführt er zwischendurch Beverly und lässt sie grundlos am Leben, obwohl er sie durchaus hätte töten können, die anderen wären dennoch in die Kanalisation gestiegen) sich mehrfach total dämlich verhalten. Generell fühlt sich Es am Ende für mich nach einem Film an, der alle Zutaten für einen großartigen Horrorfilm hatte und es dann letztlich nicht in die Ziellinie geschafft hat.

Er ist langatmig, zu wenig spannend, zu wenig gruselig – aber dafür ein netter Film, wenn man sehen will, wie aus sechs Fremden die besten Freunde werden, die sich 27 Jahre später komplett vergessen haben. Und darum kümmern wir uns in Teil 2 der Es-Reviews.

Wertung: 5/10 Punkte

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