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Review: Es Kapitel 2

Da ist er wieder: Der tanzende Clown aus Derry, der Kindern lieber Angst macht, anstatt sie zu fressen. Die Rede ist natürlich von Pennywise, dem wandlungsfähigen Monster, der es in “Es Kapitel 2” diesmal nicht mit Kindern, sondern mit Erwachsenen zu tun bekommt. Wie gut, dass die auch ganz okay schmecken.

Es Kapitel 2
It Chapter 2

Trailer
Regie: Andy Muschietti
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 169 Minuten

27 Jahre sind vergangen, seitdem der Klub der Verlierer sich gegenseitig ein Versprechen gegeben hat: Sollte “Es” je zurückkehren, dann werden sie erneut dagegen kämpfen. Doch seit jedem Blutschwur ist viel passiert, so lebt das Sextett nun vollkommen verstreut voneinander. Richie (Bill Hader) ist ein erfolgreicher Stand Up-Comedian in Los Angeles, Bev (Jessica Chastain) lebt als Modedesignerin in Chicago, Eddie (James Ransome) übt sich in Risikoeinschätzungen in New York City, Stanley (Andy Bean) ist Buchhalter in Atlanta, Ben (Jay Ryan) ist kaum wiederzuerkennen und lebt als Architekt in Nebraska, Bill (James McAvoy) hingegen ist Schriftsteller und einzig Mike (Isaiah Mustafa, “The Man Your Man Could Smell Like” aus der Old Spice-Werbung) ist in Derry verblieben und leitet dort die Bibliothek.

Warum sind wir eigentlich hier?

Und deswegen erfährt Mike auch aus erster Hand, dass Pennywise zurück ist und informiert die Anderen, die sich allerdings kaum noch an ihre Kindheit erinnern können. Dennoch folgen fast alle dem Ruf und kehren in die Heimat zurück, um sich erneut dem Clown zu stellen.

Es folgt ein surrealer Trip aus einer Schnitzeljagd, Alptraumsequenzen und Erinnerungen, der am Ende allerdings nur ein Ziel hat: Der Klub der Verlierer trifft noch einmal auf Pennywise und hat laut Bücherwurm Mike DAS Mittel zum Sieg zur Verfügung. Aber natürlich geht nicht alles so einfach, wie gedacht – und irgendwie muss man drei Stunden ja auch füllen.

Lache, und die ganze Welt lacht mit dir…

Wie man diese drei Stunden letztlich gefüllt hat, verwirrt mich auch mehrere Tage nach dem Anschauen. Tatsächlich fühlt sich “Es Kapitel 2” sehr viel weniger wie ein Horrorfilm an, als der erste Teil. Ich erinnere mich an keine einzige, gruselige Sequenz. Und die einzigen Male, bei denen Pennywise wie eine wirkliche Bedrohung wirkt, haben nichts mit dem Klub der Verlierer zu tun – abgesehen von einer Szene, die in einem der Trailer zu sehen war, bei welchem Beverly in ihrer alten Wohnung auf eine alte Dame trifft, die sich immer Merkwürdiger verhält. Eine ausgezeichnete Szene, die leider im Trailer bereits verbraten wurde und in meinen Augen das Highlight des Filmes ist.

Tatsächlich hat der Film viele Momente, die beim Kinopublikum zu Lachern geführt haben. Nicht ungewollt, sondern tatsächlich Comedy-Elemente. Und die haben nicht einmal immer etwas mit Saturday Night Live-Alumni Bill Hader zu tun, der als einer der wenigen Erwachsenen tatsächlich sehr sympathisch rüberkommt. Für mich war die Comedy in diesem Film allerdings komplett deplatziert, besonders da ich mich auf einen ordentlichen Horror-Trip gefreut habe. Ebenfalls negativ aufgefallen ist mir die Chemie der Hauptdarsteller miteinander. Diese sind zum Großteil wirklich sehr gut gecastet, besonders Jessica Chastain als erwachsene Version von Sophia Lillis, Bill Hader, der wie die Faust aufs Auge passt oder auch Jay Ryan als erwachsene (und schlanke) Version von Jeremy Ray Taylor, die sich im reinen Gesicht tatsächlich etwas ähnlich sehen. Isaiah Mustafa, der als eine Art Kleber zwischen den anderen Grown Ups wirken soll, fehlt hier merkwürdigerweise jegliches Charisma und auch James McAvoy hatte scheinbar kein Interesse, mal richtig zu schauspielern. Sehr schade, denn besonders im Kontrast zu den Kindern, die im ersten Teil wirklich wie ein Klub wirkten, erreicht der zweite Teil niemals diese Qualitäten.

Ihr müsst daran glauben

Stephen King-Fanatiker werden sich wahrscheinlich auch hier wieder ärgern, dass viele Dinge aus dem Buch nicht übernommen worden sind. Leute, die keine Ahnung von dem Buch haben, werden sich über merkwürdige Rituale, Drogentrips und eine riesige Spinne wohl wundern, allerdings ist das nicht alles weit hergeholt, wenn man sich überlegt, dass dieses Ritual tatsächlich auch im Buch vorkommt – und dort es von einer verdammten Schildkröte erklärt wurde, welches das eigentliche Universum kreiert hatte… indem die Schildkröte es ausgekotzt hat. Auf welchen Drogen war Stephen King eigentlich?

Letztlich ist es spannend, dass die beiden Filme zusammen sogar länger sind, als die Mini-Serie und man hat viele Dinge aus dem Buch übernommen, die es damals nicht in die Mini-Serie geschafft haben. Doch am Ende ist das zweite Kapitel von Es eine von visuellen Effekten überladene und letztlich doch auch künstlich aufgeblähte Adaption, die mit weniger erzwungenem Witz und stattdessen wirklich stark aufgebauter Spannung und Horror-Elementen zumindest in meinen Augen sehr viel besser hätte punkten können. Sehr, sehr schade.

Wertung: 3/10

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