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Review: Edison – Ein Leben voller Licht

Drei Jahre nach eigentlicher Erscheinung läuft der Kampf um das amerikanische Stromnetz mit Benedict Cumberbatch, Michael Shannon und Nicholas Hoult noch immer in einigen Kinos. Grund genug für mich, den Film zu schauen, immerhin sind ja sehr fähige Schauspieler daran beteiligt.

Edison – Ein Leben voller Licht
The Current War

Trailer
Regie: Alfonso Gomez-Rejon
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 103 Minuten

Thomas Edison (Benedict Cumberbatch) ist ein eigenartiger, sturer, aber dennoch brillanter Kauz, der daran arbeitet, mit seinen durch Gleichstrom angetriebenen Glühlampen die ganzen Vereinigten Staaten zu erleuchten. Anstatt sich aber mit dem ebenso ehrgeizigen Geschäftsmann George Westinghouse (wie immer großartig: Michael Shannon) zu treffen, lässt Edison diesen an einem Bahnhof einfach stehen und entfacht damit ein Feuer in diesem. Während Gleichstrom vergleichsweise kostengünstig ist, kann diese Stromart aber im Gegensatz zum Wechselstrom nicht so große Entfernungen überbrücken und so arbeitet Westinghouse an einem Konzept, seinen Wechselstrom im ganzen Land zu verteilen. An Edisons Seite ist nicht nur dessen Protegé Samuel Insull (Tom Holland), sondern auch ein junger Nikola Tesla (Nicholas Hoult), der noch ambitionierter als Edison zu sein scheint und nach einem Streit über eine entsprechende Entlohnung Edisons Stall verlässt.

Gleichzeitig verbreiten sich Edisons und Westinghouses Stromnetze im ganzen Land, dabei weist Edison bei nahezu jeder Gelegenheit darauf hin, wie gefährlich Wechselstrom eigentlich sein kann. Während sich Edison stets dagegen sträubt, auch gegen hohe Geldsummen Waffen für die amerikanische Regierung zu entwickeln, glaubt er aber den finalen Schlag gegen Westinghouse durchbringen zu können, als er im Geheimen der Regierung Pläne für einen elektrischen Stuhl gibt, der mit Westinghouses Wechselstrom verurteilte Verbrecher auf “möglichst humane Art” töten wird. Zudem steht die Weltausstellung in Chicago im Jahr 1893 an, wo Beide den Zuschlag haben möchten – doch am Ende kann nur einer den Krieg der Stromnetze gewinnen.

Zwei Männer mit Geistesblitz

In erster Linie ist es mir ein Rätsel, warum der Filmtitel auf Deutsch den Fokus so sehr auf Thomas Edison legt und dazu noch eine träumerische Unterschrift verpasst bekam – denn “The Current War”, wie der Film im Original treffenderweise heißt, fokussiert sich eben nicht ausschließlich auf Edison und bietet darüber hinaus auch sehr wenig Emotionen. Ob die ganzen Geschehnisse tatsächlich so passiert sind, ist unklar, da besonders über die Zeit, als Tesla die Firma von Edison verließ, nur sehr wenig bekannt ist. Aber immerhin öffnete der Film mit einem “Inspired by true events”-Disclaimer, weswegen ich im Gegensatz zu “Marie Curie – Elemente des Lebens” nun nicht zwingend das Bedürfnis hatte, nach dem Film auf Faktensuche zu gehen.

Und während im Film vorwiegend sehr gute Schauspieler zumindest akzeptable Leistungen abliefern, bleibt eigentlich sehr wenig aus dem Film wirklich im Gedächtnis. Im Prinzip sieht man einem Charakter, der ohnehin nicht sonderlich liebenswert ist und dem bereits in den ersten Minuten der persönliche Erfolg – nicht einmal in finanzieller Hinsicht, sondern in der Wahrnehmung seiner Person – wirklich über alles Andere steht, dabei zu, wie er versucht noch mehr Erfolg zu haben und dabei auch nahezu über Leichen geht. Westinghouse wirkt dabei viel abgeklärter, viel nahbarer und hat immerhin eine Motivation – auch wenn die nur daher rührt, dass er persönlich düpiert wurde.

Einer der Lichtblicke des Filmes

Im Endeffekt ist der Film trotz der Tatsache, um welche wichtigen Personen es eigentlich geht und welche guten Schauspieler daran beteiligt sind, vollkommen belanglos. Auch die Weinstein-Kontroverse (so wurde der Film von Weinsteins Produktionsfirma bereits vor drei Jahren fertiggestellt, dann ins Regal geschmissen, an eine andere Firma verkauft und dank besonderer Rechte durfte Executive Producer Martin Scorsese auch noch daran rumschnippeln) hat dem Werk sicherlich eher geschadet, als ihm gut getan. Es gab hier und da ein paar schöne Bilder, aber darüber hinaus nichts, was wirklich im Gedächtnis bleibt. Was an dem Film “visuell atemberaubend” sein soll, wie das Filmplakat deklariert, ist mir schleierhaft. Denn das Einzige, was in Erinnerung bleibt, ist die Landkarte der Vereinigten Staaten mit verschiedenfarbigen Glühlampen – aber auch nur, weil diese gefühlt 8.234 mal eingeblendet wird.

Emotionen sollten eigentlich aufkommen, als Edisons Frau Mary (gespielt von Tuppence Middleton) im Filmverlauf stirbt. Allerdings ist dies nicht besonders dramatisch, weil Edisons Charakter sich überhaupt nicht verändert. In Wahrheit hat Edison im Übrigen zwei Jahre später, also 1886, erneut geheiratet und damit einige Jahre vor der angesprochenen Weltausstellung. Okay, also am Besten wirklich keinen Faktencheck machen.

Ich habe übrigens keinen Schimmer, ob ich die Originalfassung oder den “Director’s Cut” gesehen habe, der marginal besser sein soll. Während andere Kolumnisten sich überrascht zeigen, dass der Film tatsächlich noch im Kino gelandet ist, anstatt auf einem Streamingservice zu versauern, wäre dies tatsächlich nicht das Schlechteste, was man mit “Edison – Ein Leben voller Licht” machen könnte, denn genau die Qualität, die man von Eigenproduktionen auf Netflix oder Prime erwartet, bekommt man hier. Und dann würden ihn vielleicht auch ein, zwei Leute mehr schauen.

Wertung: 3/10 Punkte

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