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Review: Der schwarze Diamant

Können wir aufhören darüber zu spekulieren, ob Adam Sandler wirklich schauspielern kann? Ich habe keinen Schimmer, warum er in den letzten Jahren soviel Müll fabriziert hat, doch selbst Filme wie “Klick” oder “50 erste Dates” sind gute Komödien. Vielleicht hatte er einfach keine Lust – und jetzt hat er sie. Denn “Uncut Gems”, wie der Film im Original sinnvollerweise heißt, beweist dies abermals.

Der schwarze Diamant
Uncut Gems

Trailer
Regie: Benny & Josh Safdie
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 130 Minuten

Howard Ratner (Adam Sandler) rutscht von einer unangenehmen Situation in die Nächste. Als Juwelier sollte er eigentlich über ein ordentliches finanzielles Polster verfügen, doch Spielschulden machen ihm da einen Strich durch die Rechnung. Besonders sein Schwager Arno (Eric Bogosian) macht ihm die Hölle heiß, geht es schließlich um 100.000 USD. Doch alle Probleme scheinen sich in Luft aufzulösen, als Howard über Umwege an einen schwarzen Opal (OPAL! Wieso zur Hölle heißt der Film auf Deutsch “Der schwarze Diamant”?!), der mehrere Millionen wert sein könnte. In seiner Freude zeigt Howard den Opal dem Basketballspieler Kevin Garnett (der sich selbst spielt) und seinem Kumpel Demany (Lakeith Stanfield), die Howard unter Druck setzen, in ihm einen Glücksbringer sehen und den Stein an sich nehmen. Auf dem Platz reißt Garnett die Hütte ab und Howard, dem die Kredithaie im Nacken sitzen, muss alles dafür tun, den Stein wieder in seinen Besitz zu kriegen, schließlich will er ihn auf einer Auktion für einen hohen Preis veräußern. Ach und Probleme mit seiner Frau Dinah (Idina Menzel, die Sängerin von “Let It Go” aus “Frozen”) und seiner Geliebten Julia (Julia Fox) gibt es auch noch. Und noch so viel mehr.

Haste mal ‘ne Mark?

“Uncut Gems”, wie ich den Film aus Protest nur noch nennen werde, ist ein wilder Ritt. Im Prinzip werden alle 15 Minuten neue Charaktere vorgestellt, die man sich irgendwie merken soll. Neben seinem Schwager Arno, der Howard stetig unter Druck setzt, der stets Phil (Keith Williams Richards) und Nico (Tommy Kominik) im Schlepptau hat. Howard hat auch noch zwei Kinder (Jonathan Aranbayev und Noa Fisher), einen Vater (Judd Hirsch), den er in seine Probleme mit reinzieht und Pom Klementieff (Mantis aus “Guardians of the Galaxy 2”, bzw. die letzten Avengers-Filme) spielt auch noch mit. Doch ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung mehr, was sie als “Lexus” in dem Film gemacht hat – selbst in der Plot Summary bei Wikipedia taucht sie nicht auf. Muss eine tragende Rolle gewesen sein.

Das Wichtigste zuerst: Natürlich kann Adam Sandler schauspielern. Wie bereits im Vorwort angesprochen ist beispielsweise “Klick” ein Film, den ich mir immer wieder anschauen kann. Ist er kindisch? Voller dummer Humor? Klar – aber mir macht er Spaß. Aber das hat er auch in ernsteren Rollen, wie etwa “Punch-Drunk Love” oder besonders “Die Liebe in mir” mit Don Cheadle bereits bewiesen. Warum er sich anschließend mit Filmen wie “Jack und Jill” oder “Die lächerlichen Sechs” rumgeschlagen hat, wird wohl einzig und alleine am Geld liegen. Wenn ihm Jemand Millionen zahlt, um eine bescheuerte Geschichte zu realisieren – warum nicht? Der Mann ist knapp 50 und hat noch einige Jahre vor sich, ich kann es ihm nicht verübeln.

Ein Spaziergang mit seinen Problemen.

Letztlich kann ich den künstlerischen Anspruch von “Uncut Gems” deutlich anerkennen. Der Film ist düster, unruhig, kommt eigentlich nie zur Pause und verwirrt den Zuschauer mit purer Absicht. Ich finde es sehr beeindruckend, wie die Safdie Brothers als Regisseure den Zuschauer mit in die Welt von Howard Ratner nehmen, die stetig unter Spannung steht.

Das bedeutet aber nicht, dass der Film mir sonderlich gut gefallen hat oder für mich einen besonderen Wiederseh-Wert hat. Tatsächlich habe ich mich sehr unwohl gefühlt und wollte eigentlich, dass der Film endet – auch wenn klar ist, dass es aus dieser Abwärtsspirale eigentlich kein Happy End geben kann. Egal, was Ratner anfasst, egal was er tut – das Licht am Ende des Tunnels wird ihm immer im letzten Moment genommen. Und wie auch schon bei “Die Wütenden”, dessen Grundstimmung ich trotz viel mehr Tageslicht im Film durchaus als ähnlich bezeichnen würde, sind unruhige, hektische und grundsätzlich Filme, die auf ein schlechtes Ende hinlaufen, nichts, was ich (vielleicht momentan) sehen mag.

I’m a motherfucking Starboy.

Ich fand es durchaus interessant, dass die Zeit zurückgedreht wurde und The Weeknd vor seinem großen Hype gezeigt wurde. Auch dass die reale Ebene mit dem Casting von Kevin Garnett ein zweites Mal gebrochen wurde – durchaus gut.

Letztlich wollte ich “Uncut Gems” wirklich mögen, da ich durchaus eine Grundsympathie für Adam Sandler habe, allerdings mir seine Filme auch nur sehr selektiert ansehe. Filme wie “Kindsköpfe 2” gucke ich mir einfach aus Prinzip nicht an – wozu? Aber so sehr ich den Streifen hier auch mögen wollte, am Ende war ich nicht zufrieden und lasse den Film in der üppigen Netflix-Videothek zurück, ohne ihn mir noch einmal vornehmen zu wollen.

Wertung: 4/10 Punkte

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