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Review: Contagion

Ein Virus breitet sich auf der ganzen Welt aus und sorgt für eine weltweite, tödliche Pandemie. Was sich 2011 noch wie eine rein hypothetische Situation anhörte, ist neun Jahre später Wirklichkeit. Grund genug, sich während der Coronakrise nun den Thriller von Steven Soderbergh anzuschauen.

Contagion

Trailer
Regie: Steven Soderbergh
Erscheinungsjahr: 2011
Laufzeit: 106 Minuten

Nach einer Geschäftsreise durch Hong Kong fühlt sich Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow) krank und wird nach einem Zusammenbruch von ihrem Mann Mitch (Matt Damon) ins Krankenhaus gebracht, wo sie verstirbt. Sie scheint sich an einem unbekannten Virus angesteckt zu haben, der weltweit für weitere Todesopfer sorgt. Weltweit konzentrieren sich Mediziner und Forscher darauf, einen Impfstoff zu entwickeln, unter anderem Dr. Cheever (Laurence Fishburne), Dr. Mears (Kate Winslet), Dr. Orantes (Marion Cotillard) und Dr. Sussman (Elliott Gould), während sich herausstellt, dass einige Menschen – wie Mitch – immun gegen den Virus sind.

Es beginnt ein Kampf auf mehreren Ebenen: Wo kommt der Virus her und wie hat er sich übertragen? Wieso sind einige Menschen immun und wie schnell kann man einen Impfstoff entwickelt? Und zusätzlich beginnt die Panik unterhalb der Bevölkerung, das soziale Verhalten und das Gemeinwesen zerfallen nach und nach und der skrupellose Blogger Alan Krumwiede (Jude Law) versucht daraus Profit zu schlagen. Hat die Menschheit überhaupt noch eine Chance?

Verliert alles in wenigen Augenblicken.

Wenn man möchte, sieht man natürlich einige Gemeinsamkeiten zwischen der Geschichte im Film und der aktuellen Pandemie. Und tatsächlich kann man wohl sehr froh sein, dass COVID-19 sich nicht so rasant verbreitet und tödlich ist, wie der Virus in “Congation”. Aber auch handwerklich ist der Film sehr gut gemacht, was allerdings kein Wunder ist, schließlich ist Steven Soderbergh für andere gute Filme wie “Ocean’s Eleven” bekannt, wo er in Szenenbildern, Übergängen und der Erzählstruktur viel richtig gemacht hat. Auch der Score von Cliff Martinez, mit dem Soderbergh schon bei “Solaris” zusammengearbeitet hat, ist wieder hervorragend und zeigt, dass Martinez deutlich unter Wert verkauft hat.

“Contagion” ist kein Thriller-Blockbuster mit Herzschmerz, wo gute Menschen um ihre liebenden Menschen kämpfen und diese am Ende in den Händen halten. Stattdessen wird die vollgepackte Geschichte kurz und knapp erzählt, der Zuschauer wird an die Hand genommen und bekommt viel über Expositionen erklärt.

Auf der Suche nach Heilung.

Auch die Charaktere werden einem nicht sonderlich emotionaler nähergebracht. Einzig Mitch, der noch seine gesunde Tochter aus einer anderen Ehe hat, ist ein greifbarer Charakter, da er bereits viel verloren hat und noch mehr verlieren könnte. Die Mediziner hingegen bleiben distanziert und so ist es dann auch nur ein Teil der Geschichte, wenn Jemand von ihnen tödlich erkrankt.

Diese Distanz, die man zu den Hauptcharakteren hat, dürfte in meinen Augen auch der Schwachpunkt des Filmes sein – beziehungsweise der Grund, warum der Film zwar durchaus gut angeschaut wurde, als er herauskam und auch ordentliche Kritiken bekommen hat, aber ohne aktuelle Viruspandemie wohl neun Jahre später genauso wenig erwähnt werden würde, wie etwa ein “Invasion” mit Nicole Kidman. Es fehlt das Herz, die greifbare Substanz.

Ein auswegsloser Kampf.

Aber: Dafür ist der Film sehr realistisch gemacht. Die Zustände, die entstehen, weil sich der Virus immer weiter ausbreitet, sind Zustände, die uns sicher auch erwartet hätten, wenn wir die Pandemie – Stand heute – nicht so ordentlich in den Griff bekommen hätten. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn wir wirklich an einem Punkt gekommen wären, wo selbst Wissenschafter, die an dem Virus forschen, nicht mehr behandelt werden können, weil die Systeme zusammenbrechen. Dies wird besonders interessant gezeigt, als nach und nach die Regale leergekauft werden, Aufstände ausbrechen oder sich interne Informationen wie Lauffeuer verbreiten.

Die Schauspieler machen alle einen guten Job, der Film ist gut gemacht, Verschwörungstheorien werden eingebaut, genauso wie angebliche Wundermittel. Verzweiflung, Panik, wenig Hoffnung. Im Quintessenz ist “Contagion” demnach wirklich ein Film, der uns aufzeigt, was hätte passieren können – oder aber auch was uns blüht, wenn wir unsere Verantwortung vernachlässigen. Für mich ein absolutes Pflichtprogramm, besonders im Augenblick. Die Bilder von den leeren Büros, Kirchen, Flughäfen, Fitnessstudios waren einfach nochmal ein ordentlicher Treffer in die Magengrube – weil es genau so gerade ist.

Wertung: 7/10 Punkte

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