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Review: Booksmart

Das Schulleben besteht nicht nur aus Büchern und Lernen und gute Klausuren schreiben. Nur blöd, dass dies Niemand Molly und Amy gesagt haben, die Jahre voller Party in einer Nacht nachholen wollen. Ob das gut geht?

Booksmart

Trailer
Regie: Olivia Wilde
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 105 Minuten

Amy Antsler (Kaitlyn Dever, “Beautiful Boy”) und Molly Davidson (Beanie Feldstein, “Bad Neighbors 2”, “Lady Bird”) sind beste Freundinnen und stehen kurz davor, die High School endlich hinter sich zu lassen. Es war eine harte Zeit voller Bücher und Vokabelkarteikarten, doch es hat sich gelohnt, schließlich werden Beide dank ihrer guten Noten auf wichtigen Colleges weiterlernen, während ihre ganzen Mitschüler nichts Besseres zu tun hatten, als sich jedes Wochenende volllaufen zu lassen, Sexparties zu feiern und Drogen zu nehmen. Nur doof, dass sich herausstellt, dass die faulen Mitschüler trotz ihrer Eskapaden dennoch auf wichtigen Schulen angenommen wurden oder aber direkt gut bezahlte Jobangebote bekommen haben.

Molly und Amy erkennen, dass sie ihre ganze Schulzeit vergeudet haben und wollen einen Tag vor der Abschlussfeier die wilde Zeit nachholen. So versucht Molly ihre lesbische Freundin mit der coolen Skateboarderin Ryan (Victoria Ruesga) zu verkuppeln, sie landen erst auf der merkwürdigen “Party” des noch merkwürdigeren Bekannten namens Jared (großartig weird: Skyler Gisondo, “Vacation – Wir sind die Griswolds”), dann werden sie von ihrem Rektor Jordan Brown (Jason Sudeikis) herumkutschiert und kommen dann bei der richtigen Party an, wo sie die sprichwörtliche Sau herauslassen wollen. Was allerdings schon bei “Superbad” nicht gut ausging, ist auch hier der Kickstarter, für einige größere Probleme.

Zwei Bücherwürmer unter sich. Molly und Amy.

Der Vergleich zu “Superbad” ist oberflächlich natürlich nicht weit hergeholt. Ein paar Leute, die von dem Rest der Schule eher als Versager gesehen werden, wollen mal so richtig ausrasten. Es geht um Sex, es geht um Alkohol, es geht ums Erwachsenwerden. Und dementsprechend darf man natürlich auch mit derben Humor rechen, wie etwa, als Molly gerade auf Toilette sitzt, während ihre Mitschüler das berüchtigte “Fuck, Marry, Kill”-Spiel spielen. Da Mollys Konkurrenz im Spiel eine Sexpuppe und ein Football sind, muss sie in der Vorstellung ihrer Mitschüler daran glauben, auch nett.

Während mir “Brautalarm” aber tatsächlich nicht nur eine Spur zu derbe, sondern einfach komplett nicht mein Humor war, ist “Booksmart” zwar deutlich, aber selten wirklich billig. Die oben genannte Szene, in der sich die Anderen das Maul über Molly zerreißen, ist mir besonders in Erinnerung geblieben, da es einfach super interessant zu sehen ist, wie Molly erst betroffen ist, dann die Oberhand gewinnt und am Ende doch wieder das Nachsehen hat, weil sie doch gar nicht über den Anderen steht, wie sie es eigentlich gedacht hatte. Diese Erkenntnis ist so gut gemacht und bringt gleichzeitig die Motivation für den Rest des Filmes. Und das bereits nach einer Viertelstunde, in der man die Charaktere kennengelernt hat. Chapeau!

Muss man auch können: Jared trägt ein Shirt, auf dem er ein Shirt trägt, auf dem er ein Shirt trägt, auf dem Baby Jared ein Shirt trägt.

Besonders bei der Szene, als Molly die Eltern (Lisa Kudrow, “Friends” und Will Forte, “MacGruber”) von Amy überzeugen will, dass sie die letzte Nacht vor der Abschlussfeier gemeinsam verbringen wollen – was habe ich gelacht.

Auch Billie Lourd, die Tochter der großartigen Carrie Fisher, sorgt immer wieder für amüsante Momente, als sie wie aus dem Nichts nach merkwürdigen Situationen wieder auftaucht und so tut, als wäre nie etwas geschehen. Natürlich streiten sich die beiden besten Freundinnen Amy und Molly irgendwann vor allen anderen Leuten auf der Party, aber selbst dieser Moment wirkt sehr authentisch. Und generell empfand ich es als sehr spannend, wie authentisch – besonders die Dialoge zwischen Molly und Amy, aber auch generell – der Film wirkt. Ein großes Lob hierbei an die Drehbuchschreiber, aber auch an die Schauspielerinnen Kaitlyn Dever und Beanie Feldstein (die im Übrigen die jüngere Schwester von Jonah Hill ist), die zu jedem Augenblick charmant, witzig, liebenswert und cool drauf sind und den Film mit ihrer Chemie bedeutend unterhaltsamer machen. Regisseurin Olivia Wilde, die im übrigen das erste Mal in ihrer Karriere auf dem Regiestuhl saß, hat ihre Darsteller nicht nur dazu ermutigt, ihre eigenen Zeilen zu schreiben oder zu improvisieren, wenn die Dialoge hölzern wirkten, sondern empfahl ihren Hauptdarstellerinnen auch, ein paar Wochen zusammenzuwohnen, um ein richtiges Gefühl miteinander zu bekommen. Dever und Feldstein wohnten tatsächlich zehn Wochen zusammen und haben dabei eine Chemie entwickelt, die definitiv auf den Bildschirm übertragen wird.

I wish that I could be like the cool kids

Für mich der vielleicht interessanteste Aspekt an der intelligenten Coming-of-Age-Komödie ist, mit wievielen Stereotypen in diesem Film gebrochen wird. Die Nerds haben viele Freunde, Crossdresser werden genauso akzeptiert wie coole Sportler, und der einzige Grund, warum Molly und Amy in ihrem Bekanntenkreis sowas wie ausgegrenzt wirken ist, weil sie sich eben nicht an dem sozialen Leben beteiligt haben.

“Booksmart” ist nicht nur eine charmante und clevere Komödie, sondern ist sehr vielschichtig und zeigt, dass Toleranz eben nicht erst im Alter beginnen sollte. Die Lacher gehen nie auf die Kosten einer schwachen Person, stattdessen ist der Film weitaus fortschrittlicher und inklusiver, als es die meisten Filme geschafft haben, die ich in den letzten Jahren gesehen habe – und das tatsächlich ohne mit der Brechstange zu kommen.

Ich bin tatsächlich begeistert von dem Film, der weitaus mehr ist, als es auf den ersten Blick scheint. Eine absolute Empfehlung von mir!

Wertung: 8/10 Punkte

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