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Review: Ad Astra – Zu den Sternen

Der Mensch strebt nach den Sternen. Angeblich steckt in jedem von uns ein Pioniergeist, dieser trieb Christoph Kolumbus um den Globus und Neil Armstrong auf den Mond. Brad Pitt ist in “Ad Astra” aber nicht nur auf der Suche nach den Sternen, sondern auch nach seinem vor Jahren verschollenen Vater.

Ad Astra – Zu den Sternen
Ad Astra

Trailer
Regie: James Gray
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 124 Minuten

Das Leben in naher Zukunft könnte so schön sein: Roy McBride (Brad Pitt) arbeitet zwischen dem Weltraum und der Welt auf einer Station, die fast wie der Turmbau zu Babel wirkt. In schwindelerregender Höhe (und mit die beeindruckendsten Bilder, die ich jemals gesehen habe) arbeitet er mit Raumanzug irgendwo zwischen Stratos- und Exosphäre, als kraftvolle Wellen die gesamte Welt durchschüttelt und etliche Menschen aufgrunddessen ihr Leben verlieren. McBride erfährt von seinen Vorgesetzten, dass diese Wellen womöglich vom “Lima Projekt” ausgehen. Die Mannschaft des Projektes wurde von McBrides Vater H. Clifford McBride (Tommy Lee Jones) angeführt und brachte den Astronauten vor knapp zwei Dekaden an den Rand unseres Sonnensystems um nach intelligentem Leben zu suchen, doch seit 16 Jahren hat man nichts mehr vom Projekt gehört. McBride soll auf den Mars fliegen und dort von einer der letzten funktionierenden Stationen der Menschheit mit seinem womöglich noch lebenden Vater Kontakt aufnehmen. Doch alleine der Weg zum roten Platen gestaltet sich sehr schwer, denn der Weltraum um die Erde ist schwer umkämpft. Weltraumpiraten, Raumschiffe in Not, McBride erwartet ein beschwerlicher Weg, bis er den Mars erreicht. Und selbst dort beschleicht ihn das Gefühl, dass seine Vorgesetzten nicht ehrlich zu ihm sind und er selbst auf die Suche nach seinem Vater gehen sollte.

Traumhafte Ambitionen

Regisseur James Gray – der unter anderem die sehr unterschätzten Filme “Helden der Nacht – We Own the Night” und “Die versunkene Stadt Z” gedreht hat – ist “Ad Astra” mit einer bescheidenen Zielvorgabe angegangen: Die realistischste Darstellung der Raumfahrt, die jemals in einem Film gezeigt worden ist. Tatsächlich sind die Bilder in diesen Sci-Fi-Streifen unfassbar beeindruckend. Während man einen “Gravity” aufgrund der Bilder gefeiert hat, ich mich allerdings schnell an ihm satt gesehen habe, bietet “Ad Astra” von der ersten Minute, über den Ritt auf der Mondlandschaft, auf dem Mars und bis zum Flug zum Neptun immer wieder etwas Neues für das Auge.

Vom Sounddesign, von den Szenenbildern, von allem was Audiovisuell ist, bietet “Ad Astra” einiges, was in den nächsten Jahren eine Referenz sein kann. Das kann man gar nicht oft genug loben, wenngleich sich an der schauspielerischen Leistung von Brad Pitt ein wenig die Geister scheiden. Einerseits ist der Charakter, den er darstellt, komplett gefühlskalt. Er lässt seine Frau hinter sich, er hat eigentlich mit seinem Vater abgeschlossen, da man als Pionier eben auch Opfer bringen muss. Und wenn man Neues entdecken will, darf man an nichts Altem hängen. In Nuancen sollen die verdrängten Emotionen des Roy McBride durchdringen, doch das ist bei mir nicht wirklich angekommen. Selbst als er dann letztlich auf seinen Vater trifft, selbst als es darum geht wieder auf die Erde zurückzukommen, habe ich mich schwer damit getan, irgendwelche Gefühle für den Hauptcharakter aufkommen zu lassen.

Agent K ist ganz schön gealtert.

Der Film wird ausschließlich von Brad Pitt getragen, alle anderen – durchaus namhaften – Schauspieler, wie etwa eben Tommy Lee Jones als H. Clifford McBride, Liv Tyler (“Armageddon”), Ruth Negga (“Loving”), Donald Sutherland und Konsorten haben gefühlt pro Person vielleicht fünf bis zehn Minuten Zeit auf der Leinwand und sind jeweils immer nur da, um den Plot ins nächste Kapitel zu bringen. Wirklich – nahezu jede einzelne Person.

Und was den Plot angeht, gibt es hier im Gegensatz zu den Bildern oder dem Universum generell sehr wenig Neues zu entdecken. Stattdessen entfaltet sich die Geschichte relativ uninspiriert. McBride muss auf den Mond um von dort auf den Mars zu gelangen, reist von dort zum Neptun und quasi bei jeder Station gibt es Schwierigkeiten. Erst sind es die Weltraumpiraten auf dem Mond, dann seine Vorgesetzten auf dem Mars, die ihn am Weiterreisen hindern wollen und am Ende will er natürlich auch wieder nach Hause. Und besonders im letzten Drittel wird mir der Plot dann auch ein bisschen zu zweckmäßig, denn natürlich kann man mit einem Stück Blech durch Neptuns Ringsystem fliegen und das eigene Raumschiff, was man zurückgelassen hat, mit einer unglaublichen Präzision treffen. Und natürlich kann man, als man das gesamte “Lima Projekt” in die Luft jagt, mit der nuklearen Explosionswelle nach Hause düsen und wird nicht irgendwo willkürlich ins All geschossen. Und man bekommt das “Hero’s Welcome”, nachdem man mehr oder weniger kaltblütig ein paar Kollegen gemeuchelt hat.

Krieg der Sterne

Nichts destotrotz ist “Ad Astra” ein handwerklich sehr gut gemachter Film. Wenn man keinen Wert auf eine ausgekügelte und überraschende Geschichte hat, sondern mit konstruiertem Schema F zufrieden ist, wird man hier sehr, sehr gut unterhalten. Ich wurde weitaus besser unterhalten, als bei “Gravity”, der mich unfassbar enttäuscht hat. Enttäuscht hingegen wurde ich bei “Ad Astra” nicht, auch wenn ich vielleicht etwas mehr erwartet hätte. Und zwar auch ein “Out of the Box”-Denken bei der Geschichte, die doch bitte wenigstens halbwegs so ambitioniert hätte sein können, wie die Gestaltung der Szenen an sich.

Übrigens waren mit Jamie Kennedy (“Scream”) und Natasha Lyonne (“American Pie”, “Matrjoschka”, “Orange is the New Black”) wirklich sehr interessante Cameos dabei. Am Ende bleibt ein Film, den ich alleine schon aufgrund der gebotenen Bilder ein zweites Mal im Kino sehen möchte und dafür auch eine klare Empfehlung ausspreche. So etwas muss auf einer großen Leinwand gesehen werden. Und sicherlich wird es für Pitt, Gray und Co. ein paar Oscar-Nominierungen reden. Ich vermute: Bestes originales Drehbuch und bester Hauptdarsteller. Wetten wir?

Wertung: 7/10

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