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Review: A Rainy Day in New York

Bis zum letzten Wochenende hatte ich noch nie einen Film von Woody Allen gesehen. Ich habe noch einmal in seiner Filmographie nachgeschaut und ja – tatsächlich – ich hatte bis dato noch nie einen Woody Allen-Film gesehen. Nicht einmal “Midnight in Paris”. Aber eine schöne Matinée-Vorstellung der New York-Romanze am Sonntag sollte dies ändern.

A Rainy Day in New York

Trailer
Regie: Woody Allen
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 93 Minuten

Gatsby Welles (Timothée Chalamet mit dem wahrscheinlich am reichsten klingenden Namen seit “Richie Rich”) und Ashleigh Enright (Elle Fanning) sind ein junges Paar von Turteltauben am Yardley College. Beide sind Kinder von reichen Eltern und während Gatsby von einer kulturell anspruchsvollen Welt voller Gemälden, Museen und Jazzmusik schwärmt, will Ashleigh Journalistin werden und bekommt die Chance, den berühmten Regisseur Roland Pollard (Liev Schreiber) ans Mikrofon zu bekommen um mit ihm über seinen neuesten Film zu sprechen. Gatsby und Ashleigh verbinden dies mit einem Kurztrip nach New York City, der allerdings komplett chaotisch verläuft, da Pollard an einer ordentlichen Schaffenskrise leidet, die selbst sein Freund und Drehbuchautor Ted (Jude Law) nicht lösen kann. Gatsby hingegen läuft zufällig Shannon (Selena Gomez), der kleinen Schwester seiner Ex-Freundin über den Weg und verbringt die Zeit mit ihr, während Ashleigh immer weiter in das Hollywood von New York City eintaucht und ein nassgrauer Schleier über der Stadt liegt. Könnte es eigentlich romantischer sein?

Im Gespräch: Der kriselnde Regisseur und die Muse

Vom Grundprinzip her befindet sich Ashleigh auf einem kleinen Roadtrip. Vom Regisseur über den Drehbuchautor bis hin zum umjubelten Schauspieler Francisco Vega (Diego Luna) verdreht sie allen Männern in ihrer naiven Art den Kopf. Ich bin selbst überrascht, wie zuckersüß und liebenswert Elle Fanning in ihrer Rolle rüberkommt, man möchte sie einfach in den Arm nehmen. Gatsby hingegen war mir zu Beginn zu abgedroschen, mit der Nase weit in der Luft, aber entpuppt sich letztlich doch als abgeklärter Romantiker, der im Verlaufe des Filmes sogar eine engere Bindung zu seiner Mutter erhält.

Der Elefant im Raum sind natürlich die schweren Anschuldigungen gegen Woody Allen, die jeglichen Erfolg des Filmes schon im Keim erstickt haben. Ich selbst maße mir nicht an, darüber irgendein Urteil zu treffen, schließlich gab es bisher keine Verhandlung, keine Vollstreckung, nichts. Allen selbst dreht auch fleißig weiter und hat bereits einen Film mit Christoph Waltz in den Startlöchern. Während einige der Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller ihre Gagen komplett spendeten und damit den Vorwürfen ungesagt schon eine Art Legitimation gaben, hat sich beispielsweise Jude Law sehr schützend vor Allen geworfen und sagte, dass die Behandlung des Filmes “eine schreckliche Schande” sei.

Romantik im Regen

Persönlich wusste ich nichts von den Anschuldigungen, bevor ich den Film gesehen habe und konnte ihn daher komplett unvoreingenommen genießen.

Alle Schauspieler – ja, selbst “Guied For You”-Sängerin Selena Gomez – liefern eine sehr gute, bisweilen skurille Leistung ab. Besonders überrascht hat mich hierbei Liev Schreiber, den ich gefühlt seit seinem Auftritt als Sabretooth in “X-Men Origins: Wolverine” nicht mehr gesehen habe – und nein, ich habe mir “Ray Donovan” nicht angeschaut. Aber auch Jude Law spielt den schrulligen Drehbuchautor so lustig, als hätte er nie etwas Anderes gemacht.

Auf der Suche nach der Inspiration – und der Liebe.

Die Chemie zwischen Timothée Chalamet und Selena Gomez passt, die Chemie zwischen Elle Fanning, ihrem Lächeln und allen anderen Männern ist hervorragend und knistert, ein toller Soundtrack, tolle Bilder, einfach eine riesige Spur märchenhafte Großstadt-Romantik.

Ich bin selbst überrascht, wie gut mir der Film eigentlich gefallen hat – schließlich habe ich unterbewusst durchaus Woody Allen vermieden. Nicht, weil ich dachte, dass sie schlechte Filme sind, sondern weil ich mir nicht mit Absicht Filme anschaue, bei denen ich denke, dass sie mir sowieso nicht gefallen. Ich schaue mir nicht mit Absicht Filme an, damit ich sie danach zerreißen kann. Davon hat Niemand was.

Aber ich kann “A Rainy Day in New York” absolut empfehlen. Bei einem heißen Kakao unter einer Decke mit Kerzen und Regenwetter. Es lohnt sich!

Wertung: 8/10 Punkte

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