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Kritik: Der letzte Bulle

Früher, da bin ich wirklich super gerne in die Sneak gegangen. Klar hat man manchmal so merkwürdige Filme wie “Mio fratello è figlio unico” oder “99 francs” gesehen, aber in der Summe war das schon immer ein nettes Erlebnis. Bis dann halt mal ein “Ossi’s Eleven” lief, der bis heute der einzige Film ist, bei dem ich jemals vorzeitig aus dem Kino gegangen bin. Und als dann der Vorspann für diesen Film hier lief, stand ich kurz vor einer Wiederholung.

Der letzte Bulle

Trailer
Regie: Peter Thorwart
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 100 Minuten

Mick Brisgau (Henning Baum) ist ein echter Ruhrpott-Cop in Essen, der mit lockerem Mundwerk und schnellem Finger am Abzug den Bösen immer einen Schritt voraus ist. Zumindest, bis er bei einer nächtlichen Drogenfahndung in den Kopf geschossen wird und 20 Jahre später aus dem Koma erwacht. Während er in der neuen Welt von seinem Kumpel Ralle (Ralf Moeller, ja er lebt noch) wieder aufgepäppelt wird, bemerkt er, wie sich alles um ihn herum verändert hat. Seine Frau hat einen Neuen, seine Tochter will nichts von ihm wissen und die Kids fahren mit Smartphones und E-Scootern herum. Doch er hat sich nicht verändert und zieht sofort wieder in den Polizeidienst. An seiner Seite ein neuer Partner: Andreas (Maximilian Grill), der zugleich auch der neue Mann an der Seite von Micks Exfrau ist. Hervorragende Vorraussetzungen um sich direkt mal mit einer libanesischen Großfamilie (“Geht zurück in eure Wunderlampe”), einer AfD-Anhängerin (“Ich unterscheide nur zwischen Arschlöchern und Nicht-Arschlöchern”) oder seiner Vorgesetzten – kein Witz – Kriemhild Magunda (Florence Kasumba) anzulegen. Nebenbei kann man ja noch ein Drogenkartell aufdecken und einen Maulwurf in der Polizei entlarven. Wie ein echter Bulle halt.

So grinst man, wenn man am helllichten Tag in der Innenstadt auf Kokain ballert.

Ich habe noch nie etwas von der SAT.1-Serie gehört, von welcher dieser Film ein Reboot ist. Und ich bin auch sehr froh darüber, denn so einen Film im Jahr 2019 zu bringen, ist schon kühn. Ich zitiere hierbei mal aus der Review von Tino Hahn, der den Film auch sehen musste, von Letterboxd:

„Das ist aber eine wunderschöne Negerin“. „Sowas sagt man nicht!“ „Aber wieso? Sie ist doch wirklich wunderschön!“ Das ist der Humor, aus dem „Der letzte Bulle“ geschnitzt ist – und natürlich verliebt sich die wunderschöne Negerin am Ende dann auch noch in diesen letzten Bullen in diesem allerletzten Film. Denn der letzte Bulle ist kein Rassist. Jedenfalls nicht so‘n richtiger, sondern einer von den guten Rassisten. Gibt es natürlich nicht, ist hier aber allen Beteiligten scheißegal. Denn in einer bizarren Sequenz wird er von einer bebrillten Wahlkämpferin für sein beherztes Vorgehen gegen eine libanesische Großfamilie gelobt, die der letzte Bulle selbst als Räuber bezeichnet, die wieder in ihrer Wunderlampe verschwinden sollen und die doch neulich noch mit dem fliegenden Teppich unterwegs waren, jetzt aber auf einmal Porsche fahren. Als jene Wahlhelferin die Libanesen dann aber Ölaugen nennt, ist der letzte Bulle ganz Menschenfreund und beleidigt die Wahlhelferin wegen ihrer Brille und obendrein würde er ja zwischen Arschlöchern und Nicht-Arschlöchern unterscheiden. 

Ich hätte es kaum besser formulieren können, denn schon in den ersten Minuten war klar, dass man sich hier auf etwas einlässt, was nicht nur zum Fremdschämen einlädt, sondern was tief im Inneren auch einfach falsch ist. Und auch ich stelle mir die Frage, wie dieser Film knapp 1,5 Mio. Euro an Filmförderung erhalten konnte. Wofür? Damit Bonnie Tyler eine neue Version von “Holding Out For A Hero” einsingt? Wirklich?

Meine zwei Gesichtsausdrücke während des Filmes.

Der einzige Grund, warum “Der letzte Bulle” nicht genauso abgestraft wird, wie “Petting statt Pershing” ist, weil hier tatsächlich versucht wurde, so etwas wie eine schlüssige Geschichte zu erzählen. Mit Bewegung in der Handlung. Mit Spannung. Dazwischen sind ganz viele Momente, wo man sich für Teile des Kinopublikums schämt, weil sie tatsächlich über einige der Witze des Menschenfreundes lachen.

Ich verstehe es nicht. Regisseur Peter Thorwarth hat in seiner Vita doch mit “Bang Boom Bang” oder “Nicht mein Tag” doch durchaus Filme gemacht, die man anschauen kann. Florence Kasumba war im verdammten Marvel Cinematic Universe zu sehen, warum spielt man in solch einem Film mit? Aber hey, immerhin habe ich Chris Tall mal ohne seine Kappe gesehen. Natürlich darf er da mitspielen.

Ist mein Humor verquer? Finde ich es merkwürdig, im Jahr 2019 zu lachen, ob man das N-Wort sagen kann oder ob es lustig ist in einer Runde zu sitzen und “Tucken”-Witze zu machen, während sich einer der Freunde gerade als homosexuell herausstellt? Und keine Sorge, “Das perfekte Geheimnis”, auf dich komme ich auch noch zu sprechen.

Kein Wunder, dass “Der letzte Bulle” knapp zwei Wochen vor Kinostart schon in den Sneaks lief – das wird abgesehen vom SAT.1-Abendprogramm in vier Monaten die einzige Möglichkeit sein, wie sich Leute diesen Schwachsinn wirklich anschauen. Mal wieder gilt es einen deutschen Film absolut zu vermeiden.

Wertung: 2/10

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