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Review: Aus dem Nichts

Ein Blick zurück in die Vergangenheit und vielleicht sein am meisten gefeiertes Werk seit “Gegen die Wand”. Fatih Akin inszenierte Diane Kruger auf der Suche nach Vergeltung, voller Schmerz und Unverständnis und wollte, dass er neben Heimatfilm (“Soul Kitchen”) und seiner Liebe, Tod und Teufel-Trilogie auch Thriller kann.

Aus dem Nichts

Trailer
Regie: Fatih Akin
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 106 Minuten

Gemeinsam mit ihrem Sohn Rocco leben Katja (Diane Kruger) und Nuri Sekerci (Numan Acar, “Homeland”, “Aladdin”, “Spider-Man: Far From Home”) in Hamburg und führen ein recht normales Leben, auch wenn Dieses recht turbulent angefangen hat, denn Nuri war einst Drogendealer und saß im Knast, schaffte aber den Absprung und führt sein eigenes Übersetzungs- und Steuerbüro. Zumindest bis eines Tages eine Nagelbombe vor seinem Laden hochgeht, was ihm und seinem Sohn das Leben kostet.

Damals war die Welt noch in Ordnung.

Sowohl die Erinnerungsstücke zuhause, als auch die Ermittlungen der Polizei, die aufgrund seiner kriminellen Vergangenheit und seines kurdischen Ursprungs entweder einen Racheakt oder einen politisch oder religiös motivierten Anschlag vermuten, ziehen Katja immer weiter in einen Sumpf voller Verzweiflung und Leid und sie versucht sich das Leben zu nehmen. Nur ein Anruf ihres langjährigen Freundes Danilo (Denis Moschitto, “Chiko”, “Kebab Connection”), verhindert Schlimmeres, denn die Polizei hat zwei Attentäter ermitteln können. Sie gehören zur rechtsextremen Szene und landen tatsächlich vor Gericht. Doch dies geht Katja in ihrer Rachelust nicht weit genug.

Tatsächlich hat es nun mehr als zwei Jahre gedauert, bis ich mir dieses Werk angesehen hat, für das Fatih Akin sogar 2018 den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film bekommen hat. Mich hat der Trailer sehr abgeschreckt, einerseits weil er wirklich pausenlos und überall lief und andererseits, weil ich eine generische Geschichte erwartet habe, die mich einfach nicht unterhält. Allerdings bin ich ja sonst durchaus angetan von den Werken von Fatih Akin, wie ich schon in der Review zu “Der goldene Handschuh” erwähnt habe.

Wer steht eigentlich vor Gericht?

Ich war beim Schauen sehr überrascht, dass ein Großteil des Filmes das anfängliche Tempo komplett rausnimmt und die Geschichte in den Gerichtssaal transportiert. Der Kampf zwischen den Anwälten steht hier im Vordergrund. Denis Moschitto, der selbst Wut in sich trägt und viel zu überzeugt ist, dass er den Fall mit wasserdichten Beweisen schon gewonnen hat auf der einen Seite und Verteidiger Haberbeck (gespielt von Johannes Krisch) auf der anderen Seite, der es schafft, aus quasi Kleinigkeiten so viele Zweifel zu streuen, dass am Ende der Freispruch serviert wird. Diane Kruger sitzt faktisch zwischen den Stühlen und schafft es hier, dem Kammerspiel eine Emotionsgrundlage zu geben, mit welcher die Handlung immer noch greifbar bleibt. Auch das Stilmittel, den Film in drei einzelne Teile (Die Familie, Gerechtigkeit, Das Meer) zu teilen und zwischendurch mit “alten Familienvideos” aufzubrechen, war sehr interessant – und mich würde es nicht wundern, wenn die realen Rückblenden in “Nur eine Frau” so inspiriert worden sind.

Ein (be)rauschendes Fest – voller Rückblenden

Fatih Akin hat sich selbst vom wahrscheinlich wichtigsten NSU-Prozess inspirieren lassen und saß bei den Verhandlungen um Beate Zschäpe selbst zwischend den Zuschauern. Letztlich geht es am Ende um die Rache einer Ehefrau an den Mördern ihres Mannes und Sohnes, wobei besonders in den ersten Minuten und als noch unklar war, wer für den Anschlag verantwortlich ist, eine ebenfalls interessante Frage in den Raum geworfen wurde: Nuri Sekerci als Kurde mit kriminellem Hintergrund – der quasi von den Ermittlern bereits vorverurteilt wird, nach seinem Tod weiterhin hinterfragt wird. Allerdings wird diese nur sehr vage gehalten und dient letztlich nur als falsche Fährte, ist allerdings nicht der einzige Punkt, der vage gehalten wird.

Die Täter sind die Nazis, die “Adolf Hitler verehren” und in der Garage eine Nagelbombe gebaut haben. Sie gehören zu einem internationalen Netzwerk voller Rechtextremismus, der aber einfach nur da ist und als gegeben genommen werden muss. Vielleicht ist der Film von der Erzählstruktur eine Spur zu nah an dem Charakter von Diane Kruger und lässt es dabei außer Acht, viel drumherum zu erzählen. Persönlich hätte ich es wahrscheinlich besser gefunden, den Gerichtsprozess kürzer darzustellen und sowohl zu Beginn der Familie mehr Emotion, als auch dem Finale noch mehr Spannung und Drama zu geben.

Letztlich ist “Aus dem Nichts” ein kurzweiliger Film, der interessant gestaltet wurde und bei welchem Diane Kruger auch absolut verdient gute Kritiken eingefahren hat. Persönlich kann ich mich aus dem Stehgreif an keinen Film erinnern, wo sie so im Vordergrund stand und brillieren konnte, wie sie es hier gemacht hat. Auch wirkt “Aus dem Nichts” nie wie ein typisch deutscher Film, sondern passt gut in die “Hollywood-Region”, in der sich Diane Kruger sonst Zuhause fühlt. Letztlich ist der Streifen aber auch ein Film, der am Ende aber auch recht praktisch gestaltet ist (die Mörder beleidigen ungesehen nochmal die Hauptdarstellerin, die dann anschließend noch ausreichend Zeit hat, ihre Rache zu planen) und mich überraschenderweise auch sehr kalt zurück gelassen hat. Dafür ging es emotional einfach nicht tief genug.

Wertung: 6/10 Punkte

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