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Final Fantasy VIII: Squall and Me!

1999 erinnerte uns Aleksey, dass der Countdown läuft, Baby, Jar Jar Binks nervte die erste Generation von Star Wars-Fans und Square brachte den nächsten Teil der Rollenspiel-Saga “Final Fantasy” auf den Markt. Nicht einmal drei Jahre nach Teil 7 stand “Final Fantasy VIII” in den Regalen und der Hype war enorm. Vorbei waren die klobigen Hauptfiguren, grafisch wurde von den Protagonisten über die Hintergründe bis hin zu den damals durchaus beeindruckenden Videosequenzen alles aufpoliert und der Spieler durfte mit Squall Leonhart durch Balamb, Galbadia und anderen fantasievollen Regionen ziehen. Und genau das tat ich vor 21 Jahren zum ersten bis zur letzten Woche letzten Mal.

Cloud Strife, umjubelter Held aus FF7 –
und Squall Leonhart, Typ aus FF8

Ich habe über meine Liebe zu Final Fantasy VII bereits an der ein oder anderen Stelle in diesem Blog geschrieben. In meiner Jugend war ich ein unheimlich großer Fan von rundenbasieren RPGs (Role Playing Games) aus Japan, von Mystic Quest über Lufia, sogar bis hin zu Eternal Sonata auf der Xbox 360 (was ich nie beendet habe, aber mich hier über einen Re-Release sehr freuen würde NAMCO!). Final Fantasy VII ist und war für mich das Non-Plus-Ultra aller RPGs, die richtige Balance zwischen einer spannenden Story und etlichen Feel Good-Momenten. Man ist vom ersten Moment an direkt in der Story und erlebt und fühlt mit den Charakteren mit. Bei Final Fantasy VIII geht es erstmal in die Schule und irgendwelche Prüfungen absolvieren – was vollkommen in Ordnung ist, denn das Spielprinzip unterscheidet sich nicht nur in Nuancen vom Vorgänger. Neue Arten, um Zauber einzusetzen, das Kampfsystem leicht angepasst, muss man ja alles lernen. Und so habe ich mich nach 21 Jahren noch einmal durch das Tutorial gequält, Ifrit in eine Spielkarte verwandelt und versucht, Final Fantasy VIII durchzuspielen.

In Final Fantasy VII rettet man nicht nur alle Menschen, sondern den ganzen Planeten erst vor einer rücksichtslosen Firma, die den Planeten abzapfen will und dann vor einem größenwahnsinnigen Psychopathen und seiner “Mutter”. In Final Fantasy VIII befindet man sich in einem politischen Diskurs zwischen den Kontinenten, muss auf einmal ein Attentat auf eine Hexe verüben, die sich als die “Adoptivmutter” so ziemlich aller spielbaren Charaktere herausstellt, die sich allesamt nicht mehr an ihre Kindheit erinnern können. Oder sowas in der Art. Ehrlich gesagt, habe ich selbst beim zweiten Mal spielen, genauso wenig die Story begriffen, wie damals als 15-Jähriger. Auf einmal kämpft man Seite an Seite mit der Person, die man eigentlich töten wollte, weil irgendwie alle von einer noch größeren Hexe besessen ist und plötzlich trudelt man durch das Weltall und findet die Liebe seines Lebens – aber die kommt doch von einem verfeindeten Königreich und dann ist da ja noch eine Frau, die Menschen durch ihr Bewusstsein in die Vergangenheit und Zukunft schicken kann und yadda yadda.

Nö und eigentlich interessiert es mich auch nicht so sehr…

Ich bin ehrlich: Ich mag gute Geschichten, ich mag komplexe Geschichten und ich mag auch überrascht werden. Aber wieviel abstruses Zeug man hier in die gut 30-40 Spielstunden gepackt hat, ist einfach nicht mehr feierlich. Hexen aus der Zukunft, die nichts im Sinn haben, als die Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verschmelzen, ein Exil im Weltraum, ganz in der nähe von einem Space-Sarkophag, der dann natürlich geöffnet wird, während auf der Erde allerdings mit Schwertern gekämpft und magischen Sprüchen gezaubert wird. Es wirkt ein wenig so, als hätte man mit allen möglichen Rollenspiel-Ideen Lotto gespielt und statt 6 einfach alle Kugeln genommen.

Während man in Teil 7 Zauber noch durch gefundene und gekaufte Materia einsetzen konnte, muss man diese hier von sogenannten Draw-Punkten oder von Gegnern “ziehen”, bevor man sie dann einsetzen, oder aber seinen eigenen Status-Eigenschaften zuteilen kann. Vorbei sind die Zeiten, als man sich in Shops die besten Rüstungen und Waffen kaufte – sowas gibt es hier nicht. Tatsächlich habe ich das einzige Mal überhaupt in diesem Spiel einen Shop besucht, weil ich ein paar Mega-Pillen (haha) für ein Achievement brauchte. Sehr gelungen ist allerdings das Mini-Spiel “Triple Triad”, ein Kartenspiel, welches mir wirklich großen Spaß hat. Der Aspekt, dass sich unterschiedliche Regeln in unterschiedlichen Regionen verbreiten können, gibt dem Spiel auch stets neue Ansätze. Und natürlich ist der Soundtrack von Nobuo Uematsu (ich hab ihn mal live gesehen!) atemberaubend. Von Songs wie “The Landing”, “The Stage Is Set”, das Kampftheme “Force Your Way” oder das bekannte “Liberi Fatali” (hier in der Version von einem Orchester gespielt) – einer der besten Soundtracks, die Uematsu jemals gemacht hat.

Warten bis der Donnergott kommt.

Wie mäßig kontruiert diese Geschichte ist, fällt nicht spätestens durch den Twist auf, dass sich alle Protagonisten zufällig seit der Kindheit kennen, dies aber durch den Einsatz der magischen Guardian Forces vergessen haben. Keine Ahnung, wie der genaue Zeitstrahl aussieht, aber im Spiel lernt Squall quasi fünf Minuten vorher, wie man eine Guardian Force überhaupt benutzt. Wie soll er – und sein bester Freund Xell/Zell – dies also so schnell vergessen haben? Und klar – das Spiel hat seine Fans und mit Sicherheit auch berechtigterweise. Der Charakter “Squall Leonhart” ist sehr interessant erzählt, denn der Einzelgänger aus gutem Grund muss sich seinen Freunden öffnen und zum Anführer werden. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Rinoa wird romantisch erzählt, mit herzerwärmenden Momenten, die einem Märchen gleichkommen. Allerdings sind im Gegenzug dazu die anderen Teilnehmer der Party extrem eindimensional und blass, allen voran Irvine, einem Pistolero dessen einziges Charaktermerkmal zu sein scheint, dass er “cool” ist.

Die Kritiken für Final Fantasy VIII sind herausragend, doch das kann ich einfach nicht teilen. Das Gameplay ist sterbenslangweilig und bietet keinerlei Abwechslung. Man hat sich verloren in Standbild-Hintergründen, langatmigen Dialogen und vor allem aber in den unzähligen Zwischensequenz-Videos, die allesamt für 1999 herausragend waren und heute noch immer Nice-to-Have sind, aber eben nicht mehr das Nonplusultra. Der große Witz ist auch der Einsatz der Guardian Forces, die zwischenzeitlich so lang sind, nur um einen Bruchteil an Schaden zu verursachen, den man in den fünf Minuten Video auch mit seiner Gunblade gemacht hätte.

1999 habe ich “Final Fantasy VIII” bis zu dem Zeitpunkt gespielt, als Squall seine geliebte Rinoa im Weltall mit einem Minispiel einfangen muss. Dann hat mich das Sci-Fi-Märchen komplett verloren – und ich bin ein riesiger Sci-Fi-Fan. 2020 stehe ich nun vor Omega Weapon, dem vorletzten Boss im Spiel, einer knackigen Herausforderung. Nur noch ihn besiegen und das Spiel durchspielen, die letzten zwei Achievements abgreifen. Und dann habe ich etwas beendet, was ich vor 21 Jahren begonnen habe – aber viel Spaß hatte ich damit leider nicht.

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