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Der Fußball-Krieg: PES 2020 gegen FIFA 20

Dortmund gegen Schalke, Hamburg gegen Bremen, Hertha BSC gegen den Berliner Senat – diese “Derbys” sind alle ein Witz gegen DAS Duell auf dem virtuellen Rasen: Konamis “Pro Evolution Soccer” gegen EA SPORTS “FIFA”.

Eine Rivalität, die man bis in die frühen 90er zurückverfolgen kann. EA SPORTS veröffentlichte Ende 1993 den ersten Teil der heute weltbekannten FIFA-Reihe namens “FIFA International Soccer” auf so ziemlich jeder Plattform, die man sich vorstellen kann, ein Jahr später folgte Konami zunächst in Japan mit dem Super Nintendo-Spiel “Live World Soccer Perfect Eleven”, welches auch als “International Superstar Soccer” bekannt wurde. Während der Nachfolger “International Superstar Soccer Deluxe” bis heute ein Meilenstein und das vielleicht beste Fußball-Spiel auf dem Super Nintendo ist, gelang EA SPORTS der Durchbruch mit der FIFA-Reihe spätestens mit “FIFA: Road to World Cup 98”: Der erste Teil mit lizensiertem Soundtrack, mit einer tatsächlich regelkonform funktionierenden Abseitsregelung, alle in der FIFA registrierten Mannschaften und Hallenfußball, bei dem sich der Computer-Gegner den Ball gerne regelmäßig kurz nach Anstoß selbst ins Tor legte. Danke!

Konami schloss 2004 mit “Pro Evolution Soccer 4” wieder auf und war besonders dank Modding-Möglichkeiten auf dem PC das Nonplusultra. Eigene Teams, richtige Trikots und dazu das beste Gameplay machte die Pro Evolution Soccer-Reihe über Jahre hinweg zum besten Fußballspiel.

FIFA hingegen versuchte mit Lizenzen zu punkten, also mit echten Spielern, echten Spielergesichtern, richtigen Stadien und dergleichen, während sich Konami auf die Community verlassen musste. Da das PC-Gaming zeitweise aber sehr abnahm und von den Fußball-Simulationen sehr stiefmütterlich behandelt wurde, wechselten viele Spieler auf die Konsolen, wo das Modding immer schwerer wurde (bzw. bei der Xbox One) bis heute nicht geht und so ist FIFA nicht zuletzt durch eSports und FIFA Ultimate Team die vorherrschende Fußballreihe.

Genug des Geschichtsunterrichts, denn wie jedes Jahr im Spätsommer wird es Zeit für die neuesten Ableger. Und was hat sich in diesem Jahr getan?

Ohne groß ins Detail zu gehen, hat sich bei “Pro Evolution Soccer” zumindest der Name geändert. Strategisch sinnvoll, ich lache dennoch darüber, wie man ein Spiel tatsächlich “eFootball Pro Evolution Soccer 2020” nennen kann. Nächstes Jahr wird man dann wahrscheinlich komplett auf “eFootball 2021″ wechseln – aber nur, weil ich ein Spiel anders nenne, wird es nicht zum Heiligtum bei eSports-Events. Dafür hat sich Konami allerdings mit einigen Vereinen geeinigt und bietet für diese nun exklusiven Content an. Die Allianz Arena, in der Bayern München spielt, ist beispielweise nur noch in PES 2020 spielbar. Gleiches gilt für Juventus Turin… unter diesem Namen. Sowohl Vereinsname, als auch Stadion ist nur im Konami-Spiel. Die Spieler – mit echten Namen – wie Christiano Ronaldo, rennen dafür in nur ähnlich aussehenden Trikots unter dem Namen ” Piemonte Calcio” über den Rasen. Natürlich braucht Konami auch Verkaufsargumente, aber dies auf dem Rücken der Konsumenten auszutragen, halte ich für sehr dämlich.

Nun sind also beide Demos der Spiele auf dem Markt. “eFootball PES 2020” mittlerweile sogar als Vollversion, FIFA 20 hingegen folgt Ende September. Und welches Spiel spielt sich nun besser? Vorab: Ich spiele seit ungefähr 5-6 Jahren regelmäßig die FIFA-Reihe und war vorher eiserner PES-Verfechter. Während das PES-Gameplay mir irgendwann zu schwerfällig wurde und keine Neuerungen in Sicht waren, hat mir FIFA erst mit dem Ultimate Team besser gefallen und auch den Karrieremodus um Alex Hunter hat mir recht gut gefallen. Bei FIFA 20 ist die große Neuerung, dass man FIFA Street Light ins Hauptspiel integriert hat: FIFA Volta. Ein Hallenmodus mit Extravaganz, bei der 3 gegen 3 Spieler auf dem Platz stehen und um die Wette tricksen. Den Modus kann man genauso antreten, wie ein Champions League-Vorrundenspiel zwischen sechs wählbaren Mannschaften: Borussia Dortmund, FC Chelsea, FC Liverpool, Paris Saint-Germain, Real Madrid und Tottenham Hotspur.

PES 2020 hingegen lässt den Schnickschnack nebenbei weg und ballert direkt 13 Teams aufs Feld. Darunter natürlich die Hochkaräter wie FC Barcelona, Bayern München und Juventus Turin, aber auch eher unbekanntere Vereine wie Clube de Regatas do Flamengo, CR Vasco da Gama und Colo-Colo, bei denen ich teilweise raten müsste, wo die herkommen. Allerdings bekommt man dementsprechend einen hervorragenden Einblick, wie sich gute und schlechte Teams voneinander unterscheiden.

Kommen wir zum Eingemachten: Die Eindrücke selbst! FIFA hat meines Erachtens nach ordentlich an der Sättigung geschraubt, sodass alles ein bisschen bunter und greller wirkt. Vielleicht, damit es im Einklang mit dem durchaus farbenprächtigen Volta-Modus ist, der allerdings nur in Ansätzen an FIFA Street erinnert. Nach einer kurzen Einführung mit dem Real Madrid-Talent Vinícius Júnior darf man diesen und zwei andere namenlose Schergen steuern und im Prinzip FIFA spielen. Nur auf einem kleineren Feld. Und ab und an spielen die Leute irgendwelche Trick-Pässe. Okay. Wenn sich die Spieler nicht gravierend voneinander unterscheiden, dann könnte der farbenfrohe Anstrich sehr bald sehr langweilig werden. Beim reinen Anstoß-Spiel ist mir persönlich aufgefallen, dass Zweikämpfe mehr wie ein Glückspiel wirken. Das wird natürlich als neues Gameplay-Feature angepriesen, aber wirkt mehr ungewollt, als gekonnt. Ansonsten ist es FIFA, wie es leibt und lebt. Angeblich soll die Demo allerdings von einer sehr frühen Build sein und nicht das letztliche Gameplay repräsentieren – wobei man sich dann fragt, wieso EA SPORTS so etwas dann in die Stores packt?

eFootball PES 2020 hingegen sieht fast nahezu aus, wie PES 2019 – zumindest soweit ich das beurteilen kann. Mehr als 20 Spiele habe ich da auch nicht absolviert und habe mir keine Vergleichsvideos angeschaut. Was mich in den letzten Jahren bei PES gestört hat, war das weniger flüssige Gameplay. Alle Aktionen haben ein wenig abgehackt gewirkt und ein wirklicher Spielfluss kam nicht zustande, während FIFA teilweise nicht wie eine Simulation wirkte, sondern wie ein Action-Fußballspiel und man mit zwei Pässen das ganze Feld überbrücken konnte. Konami hat allerdings sehr am Gameplay geschraubt. Es ist immer noch deutlich langsamer, als das von FIFA, allerdings nicht mehr schwerfällig. Stattdessen wirkt der Spielfluss recht realistisch, in manchen Augenblicken allerdings fast schon ZU realistisch, denn man muss oft den Ball im Mittelfeld herumpassen um die Lücke zu finden. Der Gegner jedoch klebt quasi am Ball und man schafft es oft nicht einmal in Zweikämpfe zu kommen, denn egal gegen wen man spielt – der Gegner ist der Großmeister des Kurzpasses.

Auch am Umfang hat Konami weiter gearbeitet und wird Mitte 2020 ein kostenloses Update zur Europameisterschaft mit originalen Mannschaften und dem ganzen Modus bringen. Auch das Modding erfreut sich weiter großer Beliebtheit – allerdings nur auf PC und PlayStation 4. Ich als Xbox User gucke weiterhin in die Röhre und dürfte mich daher in der Endversion mit weniger Umfang als bei der Konkurrenz herumschlagen.

In meinen Augen macht Konami einen guten Sprung nach vorne und bietet in diesem Jahr eine ernstzunehmende Alternative. Besonders, da sich FIFA vom Gameplay in den letzten Jahren kaum weiterentwickelt hat, Diskussionen um das eingesetzte Momentum (bei dem die eigentlichen Fähigkeiten nicht spielentscheidend sind, sondern programmierter Code und die eigenen Spieler plötzlich keinen Ball mehr zum Mitspieler bringen oder jeder Schuss ins Leere geht) in jedem Jahr wieder aufkommen und die Geldkuh beim Ultimate Team mit noch spezielleren Spezialkarten immer weiter gemelkt wird. Vielleicht werden Spieler wie ich ja immer überdrüssiger von EA SPORTS und schauen sich die Pro Evolution Soccer-Ableger genauer an? Zum ersten Mal seit Jahren habe ich zumindest FIFA noch nicht vorbestellt und werde tatsächlich auf die Vollversion warten, diese irgendwo anspielen und dann erst eine Entscheidung treffen. Denn am Ende will ich den größtmöglichen Spaß beim Fußball haben.

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