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Von Gameplay und Geschichten

Oder: Wie man in eine fremde Welt eintaucht, ohne nass zu werden.

Vor langer, langer Zeit drückte ich einen auf Knopf, wartete bis sich eine Welt aus Pixeln oder Polygonen aufgebaut hatte und konnte mich stundenlang in eben jener Welt verlieren. Ob in Hyrule mit grüner Zipfelmütze die Prinzessin retten, in der Unterwelt an der Seite eines fluffigen Dämonen die Kontinente aus dem Meer aufsteigen lassen, oder mit einem Breitschwert Midgar gegen Shinra verteidigen. RPGs und Action Adventures, das war meine Leidenschaft in der Welt der Videospiele.

Irgendwann hat sich das verschoben und heutzutage spiele ich eher eine schnelle Partie in FIFA oder Rock Band oder ich baue eine neue Stadt bei „Cities: Skylines“, als mich hinter ein großes Spiel zu klemmen. Das liegt meiner Meinung nach nicht nur an meiner mangelnden Konzentrationsfähigkeit (an der ich dringend arbeiten muss, hat Jemand Tipps?), sondern auch daran, dass viele Geschichten einfach nicht mehr sonderlich fesselnd sind. Eine gute Ausnahme sind die Spiele von Quantic Dream („Heavy Rain“, „Detroit: Become Human“) oder Remedy („Alan Wake“) sind allerdings oft am Gameplay kranken oder sehr ins Abstruse abdriften.

Ein Anfang ohne Ende

Ich habe in den letzten Jahren so viele Spiele angefangen, die eine Geschichte vorweisen konnten. Von „Kingdom Hearts III“ über „Fallout 4“, von „Metal Gear Solid V: The Phantom Pain“ bis zu „Final Fantasy XV“ – nichts davon habe ich durchgespielt, aber in jedes dieser und weiterer Spiele („Mafia III“, „Far Cry 5“) Stunden investiert, ohne die Geschichte bis zum Ende zu erleben. Natürlich kann das auch mit dem Gameplay zusammenhängen, besonders in “Red Dead Redemption 2” reitet man meistens wirklich minutenlang durch die Prärie und klar könnte man da vom Weg abdriften und neue Dinge entdecken, aber wenn die Geschichte es nicht schafft, mich dauerhaft vor die Konsole zu fesseln, ist manchmal vielleicht auch tatsächlich die Geschichte selbst schuld. Und nicht nur das lahme Gameplay.

Es ist nicht so, als wäre die generelle Spielweise früher besser oder spannender gewesen. Beispielsweise bei einem „Lufia 2“ tut man eigentlich nichts, als von Stadt zu Stadt zu rennen, ständig mit Leuten zu reden – natürlich original ohne Sprachausgabe, stattdessen gibt es viel, viel, viel Text zu lesen –  und ein paar Blobs, Skelette oder Höllenfürsten zu meucheln.

In den letzten Tagen durfte ich in den Genuss kommen, Final Fantasy VII nochmal zu spielen. Das Werk kam ursprünglich Ende 1997 auf den europäischen Markt und rotierte durchgehend auf meiner Sony PlayStation. Das Spiel war tatsächlich mit einer der vielen Gründe (neben dem ersten “Grand Theft Auto” oder “Diablo”, nicht zu vergessen aber abgefahrene Spiele wie “Amplitude”) warum ich als ewiger Nintendo-Jünger das N64 ausfallen lies und auf Sonys Maschine wechselte. Die mysteriöse Geschichte um Cloud Strife, der ohne Erinnerung versuchte seinen Erzfeind Sephiroth daran zu hindern, die ganze Welt auszulöschen, gehört noch heute zu meinen Lieblingsspielen. Durchgespielt hatte ich das Spiel aber seit mehr als 15 Jahren nicht mehr. Grund genug, es sich nochmal für die Xbox One nach dem Release zu holen.

Die Grafik ist nicht gut gealtert. Liebe Leute, wir wissen alle, dass es ein Pixel-Revival gibt und Spiele wie „Shovel Knight“ oder „Stardew Valley“ sich großer Beliebtheit erfreuen. Aber während sogenannte Pixel Art sicher noch einen gewissen Charme hat, sehen Spiele, die Ende der 90er bis Anfang der 00er herausgekommen sind, heute fast grundsätzlich scheiße aus. Polygone, die in 4K über den Bildschirm flackern, sind einfach kein Augenschmaus.

Aber dennoch hat es mich erneut so gefesselt, dass ich das Spiel innerhalb weniger tatsächlich durchgespielt habe. Zu 100%. Mit allen Geheimnissen und optionalen Endgegnern, was ich tatsächlich nie zuvor gemacht habe. Warum? Natürlich, weil das Spiel einen gewissen nostalgischen Wert hat, das ist klar. Aber auch, weil es sehr kompakt ist. Klingt komisch für ein Spiel, welches eine so genannte Open World mit vielen Städten liefert, für ein Spiel welches damals auf 3 (!) CDs veröffentlicht werden musste. Allerdings ist das Spiel im Gegensatz zu heutigen Rollenspielen sehr kurzweilig. Es gibt sicher die ein oder andere langgezogene Sequenz, die man zeitlich raffen könnte, es gibt Elemente, die einfach keinen Spaß machen. Aber ohne groß durch die Welt zu wandern kann man das Spiel komplett in 10-15 Stunden erleben.

Für mich verliert nahezu jedes Spiel seinen Reiz, in welchem man “zu viel” machen kann. Es gibt unzählig viele Menschen, die sich daran erfreuen, wenn man durch eine Welt wandern und einfach viel entdecken kann, die stundenlang durch Felder reiten, nur um vielleicht irgendwann eine Hütte zu entdecken, die sie noch nicht durchsucht haben. Und beispielsweise mit “Red Dead Redemption 2” hatte ich auch wirklich viele Stunden Spaß, während ich von einer offenen Welt wie bei “FarCry 5” einfach erschlagen werde, wenn auf der Karte plötzlich 20 Symbole auftauchen, die ich abarbeiten soll. Genau so fühlt es sich dann tatsächlich an – wie Arbeit.

Vielleicht bin ich aber auch einfach nicht mehr die Zielgruppe von großen Studios? Ich bin kein esports Gamer, kann also mit kompetetiven Spielen relativ wenig anfangen. Hier mal eine Runde “PUBG” oder “Overwatch” (spielt das noch Jemand?) oder mal in “Apex Legends” reinschnuppern, klar. Aber meine Videospiel-Erfahrung findet immer noch primär im Wohnzimmer statt, ohne Headset, ohne Online-Gegner. Und für diese Erfahrung wird in meinen Augen zu wenig gute Kost gebracht. Wer braucht Mikrotransaktionen bei einem Spiel, in welchem man durch Mittelerde streift? Verdient man nicht genug Geld mit guten Games?

In Quintessenz würde ich mich über Videospiele freuen, die sich auf das Wesentliche beschränken. Spiele, die beim Release FERTIG sind (nicht wahr, “Final Fantasy XV” und “Metal Gear Solid V”? Und einen großen Mittelfinger an “Mass Effect: Andromeda”), Spiele, die nicht komplett überladen sind (wie ein “Forza Horizon 4”, wo ich nie das Gefühl habe, im Spiel irgendwie weiterzukommen), Spiele, die eine spannende Story durch das gesamte Erlebnis tragen können und nicht am eigenen Anspruch scheitern (wie “Quantum Break”) oder Spiele, die nicht altbacken wirken (was bitte war “Fallout 4”?).

Ist das wirklich zu viel verlangt? Oder muss ich wirklich mit “The Witcher 3” anfangen?

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