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Unser Song für Österreich

Nach dem Sieg und der nicht erfolgreichen Titelverteidigung habe ich das Gefühl, dass das Interesse am Eurovision Song Contest in Deutschland wieder ein bisschen abgeflacht ist. Grund genug, da wieder ein bisschen Feuer zu machen und die Aufmerksamkeit auf einen der großen Musikevents in Europa zu richten, der hier und da tatsächlich mal einen guten Song hervorgebracht hat.

Wie bereits hier geschrieben, sucht Deutschland seinen Song – und Interpreten – in einer Sendung, die am 05. März 2015 unter der Moderation von Barbara Schöneberger im Ersten ausgestrahlt wird. Nun hat man die Künstler und Songs bekannt gegeben, die dort gegeneinander antreten werden. Grund genug also, diese ein wenig zu beleuchten.

Fahrenhaidt ist ein aus Berlin stammendes Duo, die in der Vergangengeit eher Songs für andere Künstler geschrieben haben. Andreas John und Erik Macholl stehen als JMC Music hinter Titeln für The Baseballs und Yvonne Catterfeld, aber auch für eher vergessliche Acts wie Cinema Bizarre oder Jimi Blue Ochsenknecht. Ihr erstes, eigenes Album “The Book of Nature” ist am 06. Februar erschienen, daraus werden zwei Songs, namentlich “Mother Earth” und “Frozen Silence” auch beim Contest antreten.
Während sich auf anderen Songs des Albums beispielsweise die ESC2013-Gewinnerin Emmelie de Forest die Ehre gibt, werden die Beiden auf “Frozen Silence” von der Sängerin Amanda Pedersen unterstützt.
Die Songs wirken meiner Meinung nach zu schwer, esoterisch und viel, viel zu erzwungen für einen Eurovision Song Contest. Sollten Fahrenhaidt wie durch ein Wunder den Vorentscheid gewinnen, rechne ich ihnen absolut keine Chancen zu, auch nur unter den Top 20 zu landen.

Faun stecken derzeit durch ihre eigene Fanbase ein wenig Kritik ein. Die Band um SaTyr gibt es bereits seit 1999 und wandelte irgendwo auf den Pfaden zwischen Subway to Sally, Schandmaul und Saltatio Mortis. Nach sechs mehr oder weniger erfolgreichen Alben suchte man sich für das 2013 veröffentlichte Werk “Von den Elben” ein professionelles Produzententeam und fand es in Valicon, die bereits mit Silly, Lena Meyer-Landrut und Silbermond zusammengearbeitet haben. Den Fans hat dies nicht gefallen, so wurde die Entwicklung stark kritisiert, allerdings entgegnete die Band, dass man sich treu geblieben sei, wenngleich natürlich die Veröffentlichung auf einem Major-Label auch mit Einschnitten verbunden ist. Worüber sich Faun nun allerdings nicht beschweren können ist Publicity, denn “Von den Elben” war erst das zweite Album, welches überhaupt in den deutschen Charts landete – und bis auf Platz 3 kletterte.
Mittelalterlicher Minnesang, den Faun bei “Hörst du die Trommeln” und “Abschied” bei der Show vortragen werden. Nachdem es allerdings letztes Jahr bereits Santiano mit der Seemannsmusik nicht geschafft haben, rechne ich Faun auch nicht zum Favoritenkreis bei Unser Song für Österreich, auch wenn ich die Musik gar nicht mal so schlecht finde und das beim Eurovision Song Contest selbst auch vielleicht in die Top 15 kommen könnte.

Alexa Feser versucht seit Jahren irgendwie im Musikbereich Fuß zu fassen. Nach ein paar Ausflügen als DJane und als Background-Sängerin für Joana Zimmer, Ricky Martin, die No Angels und diversen anderen Künstlern hat sie laut eigener Aussage Demotapes an so ziemlich jedes Label verschickt und nur Absagen bekommen, wenn sie überhaupt ein Feedback erhalten hat. Daran hat auch das 2008 aufgenommene Album “Ich gegen mich” nichts geändert, welches sang- und klanglos im Musiknirvana verloren ging. Vor knapp einem halben Jahr ist letztendlich doch Warner Musik auf die Sängerin aus Wiesbaden aufmerksam geworden und hat sie unter Vertrag genommen. Grund genug, sie nun mit den Songs “Glück” und “Das Gold von Morgen” in den Vorentscheid zu schicken.
Als Fazit sind das natürlich recht nette, schöne Songs, die verletzlich wirken, aber letztendlich doch sehr belanglos sind. Alexa hat eine nette Stimme und definitiv Talent. Aber ich denke nicht, dass es für einen Sieg beim Vorentscheid reichen wird.

Mrs. Greenbird sind tatsächlich auf dem Papier ein wenig bekanntere Teilnehmer des Vorentscheides. Das Folk-Duo bestehend aus Sarah Nücken (die auch die stimmliche Schwester von Annett Louisan sein könnte) und Steffen Bückner gewann nämlich die dritte und letzte Staffel von X Factor. Das dazugehörige Album konnte sich anschließend für zwei Wochen an die Spitze der deutschen Albencharts setzen, der Song “Shooting Stars & Fairy Tales” landete in den Top 15 und wurde im Radio rauf und runter gespielt. Nun kommen Mrs. Greenbird zurück und treten mit “Shine Shine Shine” und “Take My Hand” beim Vorentschied an.
Ich bin mir noch unschlüssig, ob dieser Folk noch den Zahn der Zeit trifft oder hart daran vorbeischrammt. Leider geht ir auch Nückens Stimme ziemlich schnell auf die Nerven, wofür die Dame natürlich nichts kann. Ob die (nur noch gering) vorhandene Popularität sie automatisch zum Sieger kürt, wage ich im Übrigen zu bezweifeln.

Andreas Kümmert stand vor einem Jahr am Höhepunkt seiner bisherigen Karriere, denn im Dezember 2013 gewann er die dritte Staffel von “The Voice of Germany”. Hier sang er sich mit seinen Versionen von “Rocket Man” unter die Fittiche von Max Herre und gewann den Wettbewerb schließlich mit seiner Single “Simple Man”, die auch auf Platz 2 der deutschen Singlecharts landete.
Tolle Musik eines Mannes, der nicht so aussieht, als würde er auf die Bühne gehören, wo seine Stimme allerdings definitiv hingehört. Die erinnert mich teilweise an Max Mutzke, Kümmert hat ein tolles Stimmvolumen und zählte nicht nur früh zu den Favoriten der Castingshow, sondern könnte auch hier in meinen Augen als Sieger auch schon feststehen. Seine beiden Songs sind übrigens noch nicht auf YouTube, das versuche ich nachzureichen.

Laing stammen aus Berlin und machen seit 2007 gemeinsam Musik. Die drei Mädels namen bereits am Bundesvision Song Contest 2012 teil und belegten mit “Morgens immer müde” den zweiten Platz hinter Xavier Naidoo und Kool Savas… also XAVAS. Ein Achtungserfolg, denn der merkwürdige Elektropop hat durchaus Ohrwurmfaktor, aber auch hohes Nervpotential. Der Song “Zeig deine Muskeln” schlägt in die gleiche Kerbe – Laing nennen das “Electric Ladysound”. “Wechselt die Beleuchtung” aus dem gleichnamigen Album ist dagegen ruhiger, weniger tanzbar, intensiver. Ich bin zwar ein wenig überrascht davon, wie lange die Songs bereits vor dem Contest veröffentlicht werden dürfen, denn das Album kam bereits im September 2014 heraus. Allerdings sind Laing mein persönlicher Favorit, da die Musik eben weniger nach Schema F klingt und am meisten mein Interesse weckt. Europaweit rechne ich den Damen allerdings keine Erfolgsschancen zu.

Noize Generation steht bei Universal unter Vertrag und hat sich schon in jungen Jahren von elektronischer Musik inspirieren lassen. Kein Wunder, dass der Musikproduzent und Remixer (Gorillaz inoffiziell, OneRepublic sogar recht offiziell) nun auch für Progressive und Dance steht.
Jetzt steht der Durchbruch unter dem eigenen Namen an, ohne Remixe, sondern auf den Spuren von David Guetta und Avicii. “Song for You” und “Crazy Now” greifen jedes Element der erfolgreichen EDM-Szene auf, Klaviertöne, Synths, treibende Bässe. Das, was in jedem Club in der kleinsten Stadt laufen könnte, wenn die Musik des geborenen Ukrainers nun auch in den Charts punktet.
Ob das allerdings bei den braven GEZ-Zahlern ankommt, wage ich ganz, ganz stark zu bezweifeln. Für Noize Generation wird der Vorentscheid eher eine Promotour für die neuen Werke sein, aber da kann er sich ja wunderbar bei den restlichen Künstlern einreihen.

Weitere Ausschnitte der Songs könnt ihr euch übrigens hier anhören!

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