News & Thoughts, viddymusic

Unser Song 2017 – Der deutsche Vorentscheid

Unser Song 2017 – Am 13. Mai 2017 findet in der Ukraine der 62. Eurovision Song Contest statt, nachdem die Sängerin Jamala mit ihrem Song “1944” den Wettbewerb in diesem Jahr für sich entscheiden konnte. Auch wenn meine Favoritin Dami Im mit “Sound of Silence” nur auf dem zweiten Platz landete, war der Sieg nicht unverdient. Nach der Farce in diesem Jahr, als man erst Xavier Naidoo als Teilnehmer ankündigte, dies wieder zurückzog und letztlich die “The Voice of Germany”-Gewinnerin Jamie-Lee Deutschland zum zweiten Mal in Folge auf den letzten Platz führte, hat der NDR für den nächsten Vorentscheid das Konzept – mal wieder – etwas geändert.

Vom 14. September bis zum 18. November hatten Solo-Interpreten – Bands sind vollkommen ausgeschlossen – die Möglichkeit, einen Coversong bei YouTube hochzuladen. Die Einsendungen wurden von Vertretern des NDR, sowie Brainpool TV und musikalischen Experten wie Wolfgang Dahlmeier von den durch TV Total bekannten Heavytones bewertet. Die besten Bewerber dürfen dann am 02. und 03. Dezember an einer geheimen Vorauswahl teilnehmen, in welcher man sich dann auf fünf Kandidaten für den deutschen Vorentscheid festlegen wird.

Der Vorentscheid namens Unser Song 2017 wird am 09. Februar 2017 stattfinden. Hier treten die Kandidaten dann mit Liedern von verschiedenen Komponisten und Produzenten und mit den Heavytones als Live Band auf. Als Jury werden an diesem Abend Tom Bendzko, Florian Silbereisen, sowie die ehemalige ESC-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut die Auftritte bewerten, zudem soll ein sogenanntes “europäisches Stimmungsbarometer” eingerichtet werden, um zu schauen, wie die Auftritte bei den internationalen Fernsehzuschauern ankommen. Letztlich werden es aber die Zuschauer sein, die in vier Abstimmungsrunden entscheiden, welche/r Kandidat/in Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten wird.

Koenig Pilsener at Echo Award 2016

Wie man es macht, macht man es eigentlich falsch. Ich erinnere mich gern daran, wie 2013 noch drei Parteien über den Teilnehmer entscheiden sollten und es eigentlich ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Cascada und LaBrassBanda gab. Während die Zuhörer im Radio und Internet die Reggae-Ska-Truppe zum Contest schicken wollte, hatte Cascada bei den TV-Zuschauern knapp die Nase vorn. Die Jury hingegen strafte LaBrassBranda mit einem Punkt ab, Cascada sang mit “Glorious” eine Kopie des Siegertitels “Euphoria” aus dem Vorjahr und Cascasa fuhr mit Platz 21 von 26 und 18 Punkten wieder nach Hause.

Ein Jahr später setzte sich das komplett unbekannte Trio Elaiza gegen den allseits beliebten Grafen von Unheilig durch, der durch seine Bekanntheit als haushoher Favorit, aber aufgrund seiner durchaus polarisierenden Position vielleicht nicht ganz überraschend doch in Deutschland blieb, während Elaiza nach Kopenhagen fuhren. In Deutschland erreichte “Is It Right” zwar Platz 4 der Singlecharts und ist eigentlich kein schlechter Song, erreichte letztlich aber doch nur Platz 18 von 26 mit 39 Punkten.

Nachdem Conchita Wurst den Eurovision Song Contest 2015 nach Wien brachte, brauchte man in Deutschland natürlich auch eine Kontroverse. Nachdem The Voice of Germany-Gewinner Andreas Kümmert mit knapp 80 % den Vorentscheid im Finale gegen die unbekannte Ann Sophie (die wie Elaiza eine Art Wild Card gewann) für sich entscheiden konnte, entschied er sich direkt danach, den Sieg abzulehnen. Heute weiß man, dass er unter Angstzuständen litt und anschließend auch einige Zeit in therapeutischer Behandlung war. Damals hatte man aber mit Ann Sophie eine Siegerin, die eindeutig von der Mehrheit der Zuschauer nicht gewollt war, obwohl das Lied immer noch okay war. Aber wenn man selbst keine nationale Rückendeckung hat, kaum beworben und unterstützt wird, geht man halt in Wien auch mal baden und wird mit 0 Punkten und dem letzten Platz – ehrlicherweise nicht wirklich berechtigterweise – abgestraft.

Da machte es Jamie-Lee im Vorjahr immerhin ein wenig besser, die sich knapp gegen Avantasia und den wirklich tollen Alex Diehl im Vorentscheid durchsetzen konnte, am Ende aber mit 11 Punkten dennoch auf dem letzten Platz und verschwand mit ihrem Song “Ghost” wieder in der Versenkung.

Seit 2014 waren einzig die Zuschauer für den letztlichen Teilnehmer beim Wettbewerb zuständig. Und das Deutschland nicht unbedingt den besten, internationalen Geschmack hat, beweist die Grütze, die teilweise oben in den Charts steht. Glücklicherweise sind Coverversionen allerdings nicht beim Eurovision Song Contest zugelassen, weswegen die ganzen Deep House-DJs leider nicht die Playtaste drücken, während sie zu toller Lightshow und ihren geklauten Songs am Macbook abgehen können.

Ich hoffe, dass sich die nationalen und internationalen Komponisten und Produzenten ganz genau anschauen, wie im Moment der musikalische Zeitgeist ist. Eine Platzierung in den Top 10, die wir seit 2012 und Roman Lob nicht mehr hatten, wäre zumindest wieder wünschenswert.

Previous Post Next Post

You Might Also Like