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Rock Band 4: Warum es in meiner Sammlung fehlen wird.

In meinem gestrigen Teil über “Rock Band 4” bzw. den Entwickler Harmonix habe ich euch einen kleinen Einblick über die Geschichte vom ersten Hauptspiel “FreQuency” bis zum frisch veröffentlichten vierten Ableger der beliebten Serie gegeben.

Seit gestern steht “Rock Band 4” nun auch offiziell in den Läden und kann in verschiedenen Versionen gekauft werden. Es war auch mein Plan, dies zu tun, schließlich habe ich bis auf den Green Day-Teil alles von Rock Band besessen. Teil 1, 2, 3, LEGO und The Beatles standen mal in meinem Regal und ich habe hunderte Songs per DLC gekauft.

Warum ich mich aber nun doch dazu entschieden habe, die Vorbestellung zu stornieren und wie es überhaupt dazu kommt, dass Harmonix doch einen vierten Teil produziert hat, könnt ihr im zweiten, abschließenden Teil der Serie lesen.

Nachdem Harmonix vor rund 2 1/2 Jahren den Support für “Rock Band 3” nach und nach eingestellt hat, trotz einer riesigen Fanbase, war es ruhig um die Serie geworden. Genaugenommen sagte Harmonix sogar, dass man keinerlei Pläne für ein “Rock Band 4” habe, man möchte andere Wege beschreiten. Diese anderen Wege hießen weitere Teile von “Dance Central”, da man sich von der Bewegungssteuerung Kinect bei der Xbox 360 und Xbox One eine Menge versprach. Harmonix war allerdings auch einer der wenigen Entwickler, die diese Hardware unterstützten und so wird die Xbox One mittlerweile auch ohne Kinect ausgeliefert – meine staubt Zuhause fröhlich ein.

Auch “Fantasia: Music Evolved”, welches in eine ähnliche Richtung ging, holte zwar gute Kritiken aber kaum Jemanden von der Couch. Vielleicht ist auch dies ein Grund, warum Harmonix wieder auf das Pferd setzt, welches Ihnen am meisten Geld eingebracht hat.
Denn auch wenn man stets betonte, keinerlei Pläne für weitere Teile der Serie oder DLC zu haben, wurden Anfang 2015 neue Songs lizensiert und in den virtuellen Store geladen. Zudem gab es einige Umfragen für die Fans um das allgemeine Interesse abzuklappern. Dies schürte natürlich Gerüchte, die am 05. März 2015 bestätigt wurden: “Rock Band 4” wird noch in diesem Jahr erscheinen.
Einen Monat später meldete sich auch Activision und verkündete das Comeback der “Guitar Hero”-Reihe. Mit “Guitar Hero Live” wolle man ein völlig neues Erlebnis präsentieren, während “Rock Band 4” eher auf bewährte Elemente setzen sollte.

Doch was war mit den bereits vorhandenen Plastikinstrumenten, die man sich vor Jahren kaufte und für die alten Spiele benutzen konnte? “Rock Band 4” sollte nur für die neuen Konsolen erscheinen und auf der Xbox One und PlayStation 4 kann man die Controller der Xbox 360 und PlayStation 3 nicht verwenden. “Guitar Hero Live” war ebenso für die Neuen, aber auch für die alten Konsolen angekündigt. Wie wird hier die Brücke geschlagen? Und was ist mit den bereits gekaufen Songs? Immerhin gab es bei beiden Spielen hunderte, tausende Lieder in den virtuelen Stores, wird man die auch weiter verwenden können?

“Guitar Hero Live” machte es sich einfach und sagte: Nein. Weder Songs, noch Instrumente. Davon abgesehen, dass man bei “Guitar Hero Live” sowieso kein Schlagzeug oder Mikrofon mehr benutzen kann und es tatsächlich nur ein Gitarrenspiel ist – Back to the roots. Und auch hier kann man keine alte Gitarre benutzen. Begründet wurde dies mit einem neuen Gitarren-Controller, der keine fünf farbigen Knöpfe nebeneineinander, sondern sechs Knöpfe in zwei Reihen untereinander besitzt. Neues Spielgefühl, neues Spielprinzip, keine Altlasten. Natürlich schade, aber irgendwie auch nachvollziehbar. Hier die beiden Varianten im Vergleich, oben das alte, bekannte Prinzip, unten die neuen Knöpfe.

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Harmonix hat für “Rock Band 4” hingegen angekündigt, dass man innerhalb einer Konsolenfamilie die gekauften Songs weiter verwenden kann. Heißt also, wer viele Lieder auf der Xbox 360 erworben hat, kann diese auch auf der Xbox One verwenden, gleiches bei der PS3 und PS4. Dies allerdings betrifft nur die Songs aus dem regulären Store, die zusätzlichen Songs aus dem Rock Band Network 1.0 und 2.0 fallen wohl komplett weg.
Weiterhin werden die Instrumente aus der alten Konsolengeneration auf der Xbox-Seite mithilfe eines Adapters auf der neuen Konsole benutzbar sein, auf der PlayStation 4 funktioniert das sogar ohne Adapter. Die offiziellen Instrumente seit dem ersten “Rock Band” sollen genauso funktionieren, wie die Instrumente aus “Rock Band 3”. Zudem wird der Hersteller Mad Catz neue Instrumente zur Verfügung stellen.

Das klingt auf dem Papier großartig. Alte Instrumente habe ich in Massen, vier verschiedene Gitarren, Mikrofon, Keyboard, Pro-Drums. Alles vorhanden und bereit wieder benutzt zu werden. Das Bundle vom Spiel alleine mit dem Adapter gibt es beispielsweise bei Amazon für 89,99 Euro.  (Ohne Adapter für die PlayStation für 69,99 Euro) Wenn man das Spiel mit Gitarre kaufen möchte, zahlt man dafür 159,00 Euro. Das komplette Band in a Box-Bundle mit einer Gitarre, einem normalen Schlagzeug und einem Mikrofon bekommt man für 299,00 Euro.
Zum Vergleich: Guitar Hero Live mit einer Gitarre gibt es für 94,90 Euro, zwei Gitarren im Bundle kosten hingegen nur 139,99 Euro.

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Moment mal. Das komplette Band in a Box-Bundle mit einer Gitarre, Mikrofon und Schlagzeug? Richtig. Konnte man bei “Rock Band 3” noch mit einem Keyboarder in der Band und mehreren Personen am Mikrofon spielen, fällt bei “Rock Band 4” eine ganze Menge weg. Und jetzt nähern wir uns langsam den Gründen, warum das Spiel bei mir in Ungnade gefallen ist.

Es gibt kein Keyboard mehr. Boom. Bei “Rock Band 3” frisch eingeführt und unglaublich beliebt, ist das Keyboard nicht einmal nur nicht im dem Bundle enthalten, es ist einfach nicht mehr spielbar. Ob Songs von Queen, Elton John oder Billy Joel. Die kann man spielen, aber nicht die Keyboard-Spuren. Na danke schön.

Zudem gibt es keine Pro-Instrumente mehr. Die Becken am Schlagzeug kann man also getrost wieder abnehmen, denn sie werden bei “Rock Band 4” nicht mehr benötigt – man kann sie zwar verwenden, aber es gibt keinen spielerischen Unterschied. Auch Pro-Gitarren werden nicht unterstützt – wenn die Leute “richtig” Gitarre spielen wollen, sollen sie sich an “Rocksmith” von Ubisoft wenden, wo man echte Gitarren per Adapter an die Konsole schließen kann.. Alleine also vom Gameplay-Umfang geht man also einen enormen Rückschritt zu “Rock Band 2”. Alle technischen Neuerungen des Vorgängers wurden in die Tonne gekloppt. Stattdessen hat man ein paar neue Gameplay-Features eingebaut, sogenannte Freestyle-Solos, bei denen man sich wohl kreativ ausleben kann und soll. Wie das im Detail funktioniert erklärt dieses Video.
Immerhin bleiben die Vocal Harmonies bestehen, auch ältere Songs sollen damit aktualisiert werden. Zudem soll man am Mikrofon auch ein wenig improvisieren dürfen.

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Weiterhin bedeutet das Band in a Box-Bundle, dass man zum Start erst einmal zu Dritt spielen muss. Denn es gibt ja nur drei Instrumente in dieser Box. Schlagzeug, Mikrofon und Gitarre, mit der man selbstverständlich auch den Bass zupfen kann. Und ein zweiter Gitarrist oder so? Nun, entweder kauft man sich den Adapter um eine alte Gitarre zu benutzen (wenn man wie ich das Pech hat und auf der Xbox One spielen will) oder eben noch eine Gitarre, allerdings gibt es Beides nur im Bundle mit dem Spiel. Und die Preise stehen oben. Was bitte hat man sich dabei gedacht? Und wieso ist “Guitar Hero Live” mit zwei Gitarren bitte billiger, als “Rock Band 4” mit einer Gitarre?

Das Spielprinzip von “Rock Band 4” hat sich nicht verändert. Im Karrieremodus macht man eine Band, reist um die Welt, wird berühmt. Simple as that. Offline kann man weiterhin mit maximal vier Leuten in einer Band spielen, wenn man die entsprechenden Instrumente hat. Und Online… tja, gibt es nicht mehr. Konnte man sich in den Spielen zuvor noch als Solo-Schlagzeuger irgendwelchen anderen Leuten weltweit anschließen, ist das in diesem Teil einfach nicht mehr möglich. Ist man also alleine Zuhause, jammt man auch nur alleine. Unglaublich schade für Leute, die sich online gerne als Band zusammengefunden haben.

Der wichtigste Grund, warum man sich allerdings ein Musikspiel kauft, ist der Soundtrack. Ich brauche mir beispielsweise kein Musikspiel mit 40 Songs zu kaufen, die mir allesamt nicht gefalen. “Rock Band 4” bietet 65 Songs auf dem Datenträger. Bekannte Künstler wie die Foo Fighters, U2 (die ihr “Rock Band”-Debüt feiern), The Who, R.E.M., System of a Down, Aerosmith, allerdings auch eher die poppigere Richtung wie Paramore, The Killers, Mark Ronson und Bruno Mars oder gar Elvis Presley. Von allem etwas und das klingt per sé gar nicht so schlecht. Blöd allerdings, dass die meisten Songs eben nur irgendwelche B-Ware ist und keine wirklichen Klassiker. Blöd auch, dass man eben die meisten Songs schon als DLC oder in anderen Spielen gebracht hat. Die gesamte Tracklist von “Rock Band 4” findet ihr hier und die Kommentare der Videospiel-Kritiker dazu lauten: “weaker than previous installments”, “B-list musicians”, “lesser-known songs by notable acts (such as Rush)”, “underwhelming”. Für mich persönlich sind da vielleicht vier, fünf Songs, die ich mir als DLC kaufen würde… und dafür dann irgendwas zwischen 90 und 300 Euro ausgeben?

Aber es gibt doch über tausend Songs als DLC. Ja, natürlich gibt es die. Und die meisten, die ich haben will, habe ich auch. Und eine funktionierende Xbox 360, funktionierende Instrumente. Wenn ich also losrocken will, kann ich das mit “Rock Band 3” immer noch tun. Was also bietet mir “Rock Band 4”, dass ich so viel Geld investieren sollte?

Ich kann darauf hoffen, dass das Spiel kommerziell erfolgreich wird und Harmonix mit tonnenweise DLC nachlegt, sodass ich wirklich aus den vergangenen drei Jahren noch Songs erhalte, die eben nicht als DLC rausgekommen sind und die ich spielen will. Ich kann darauf hoffen, dass Harmonix vielleicht noch einen Online-Modus nachliefert. Aber so generell bietet mir “Rock Band 4” wenig Neuerungen abgesehen von ein paar Improvisationsmöglichkeiten, vielleicht eine ein wenig hübschere Grafik. Dafür aber einen Gameplay-technischen Rückschritt auf “Rock Band 2”, hohe Preise und generell kein gutes Gefühl.

Ich habe mich immer auf die neuen “Rock Band”-Spiele gefreut, denn sie haben mir stundenlangen Spaß garantiert. “Rock Band 4” ist allerdings in meinen Augen kein Must-Have. Vielleicht, wenn der Preis deutlich sinkt, vielleicht für die Hälfte vom derzeit veranschlagten Preis. Aber so, wie das Spiel jetzt ist, bietet mir das Preis-Leistungs-Verhältnis einfach nichts, wofür ich mein Portemonnaie öffnen müsste. Und deswegen wird “Rock Band 4” erst einmal nicht in meiner Sammlung landen.

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