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Review: Yesterday

Yesterday

Trailer
Regie: Danny Boyle
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 116 Minuten

Vor ein paar Jahren konnte ich noch nicht so viel mit den Beatles anfangen. Hier und da kannte ich einen Song, die waren auch ganz nett, aber ich war nie ein Fan. Okay, bis heute bin ich auch kein großer Fan, aber habe höchsten Respekt vor den Musikern und habe etliche Songs, die ich als Klassiker bezeichnen würde. John Lennon, Ringo Starr, Paul McCartney und George Harrison sind absolut berechtigt Musik-Legenden und meine Affinität und Sympathie wurde in den letzten Jahren sehr viel größer.

Einerseits durch zweite Album von Panic! at the Disco (als sie noch ein Quartett waren) und mit “Pretty. Odd.” eine Platte rausgebracht haben, die mehr als nur inspiriert war von den Werken der Briten. Daraus machten sie damals auch keinen Hehl, ich habe mich in den Sound damals enorm verliebt und kann bis heute Songs wie “Behind the Sea” problemlos hören. In meinen Augen ist “Pretty. Odd.” das beste Beatles-Album, welches die Beatles nicht selbst eingespielt haben. Knapp ein Jahr später kam “The Beatles: Rock Band” auf den Markt, welches ich als Fan der Spieleserie natürlich gesuchtet und dabei etliche andere Songs der Liverpooler entdeckt habe. Spulen wir 10 Jahre vorwärts und wir kommen an bei “Yesterday”, dem neuen Film von Danny Boyle (“Trainspotting”, “Sunshine”, “28 Days Later”, “Slumdog Millionaire”).

A Hard Day’s Night

Jack Malik (Himesh Patel) ist ein erfolgloser Musiker, der gar nicht so untalentiert ist, aber trotz der Hilfe seiner Jugendfreundin und Managerin Ellie (Lily James, “Baby Driver”) keinen Hit landet und darüber nachdenkt, seine musikalische Karriere an den Nagel zu hängen. Auf der Heimfahrt wird er von einem Bus erwischt und landet im Krankenhaus. Nach seiner Entlassung feiert er mit seinen Freunden seine Genesung, spielt ihnen den Song “Yesterday” vor und stellt fest, dass keiner Jemals von den Beatles gehört hat. Eine schnelle Internetrecherche zeigt: Es hat die Band niemals gegeben und nur Jack scheint sich an Songs wie “Here Comes The Sun” und “Let It Be” zu erinnern. Diese “Gabe” scheint der Schlüssel zum Erfolg zu sein und schon bald steht Jack neben Weltstar Ed Sheeran auf der Bühne – doch im Hinterkopf bleibt die Tatsache, dass es nicht seine eigenen Songs sind, die ihn dorthin gebracht haben. Und scheinbar ist er nicht die einzige Person, die sich an das Liverpooler Quartett erinnert.

Tatsächlich ist die Prämisse des Filmes relativ simpel und nach wenigen Minuten vergisst man komplett zu hinterfragen, wieso es eigentlich so geschieht und welche Konsequenzen diese alternative Realität hat. Stattdessen geht es einfach darum diesem Musiker, der so lange davon träumt Erfolg zu haben, bei seinem Aufstieg zu zusehen. Besonders die Dynamik von Jack und Ellie, die insgeheim füreinander bestimmt sind und das eigentlich auch wissen, ist dabei ein großes Highlight des Filmes, da Patel und James eine sehr gute Chemie miteinander haben.

Thinking Out Loud

Der Film bietet natürlich etliche Nebendarsteller – beginnen wir bei Ed Sheeran, dessen Rolle eigentlich von Coldplay-Sänger Chris Martin hätte gespielt werden sollen. Persönlich ist mir Sheeran deutlich sympathischer, allerdings ist seine Rolle sehr ambivalent. Einerseits ist er unheimlich unterstützend, wirkt aber besonders in einer Szene irgendwie angefressen, was allerdings nie weiter beleuchtet wird. Ich denke, dass man die Dynamik zwischen dem angehenden Weltstar Jack und dem Superstar Sheeran durchaus noch tiefer hätte beleuchten können. Kate McKinnon (“Ghostbusters”) als Agentin der Plattenfirma ist unheimlich anstrengend und ein so großes Arschloch, dass man sich fragt, wieso einerseits der sonst intelligent und liebevolle Jack bei ihr unterschreibt und wieso Ed Sheeran bei ihr unter Vertrag steht, wenn sie eigentlich nur eine geldgeile Person ist, die offensichtlich über Leichen geht? Die Rolle war mir viel zu überzeichnet und hat auch nur selten für gute Lacher gesorgt. Aber sehr sympathisch hingegen ist Jacks bester Freund und Roadie Rocky, gespielt von Joel Fry, der immer wieder Situationen durch seine Schrulligkeit auflockert.

Come Together

“Yesterday” hat unfassbar viele positive Aspekte, die selbst von eher mäßigen Nebendarstellern nicht runtergezogen werden. So simpel und doch toll die Grundidee ist, verläuft der Rest des Filmes – zur Wahrheit stehen und die Romanze – natürlich nach Schema F. Und mit Robert Carlyle schafft Danny Boyle sogar einen ordentlich WTF-Moment. Aber richtig aus der Immersion gezogen haben mich die unfassbar schlechten CGI-Effekte und unnötigen Einblendungen der Städtenamen, die überhaupt nicht zum Rest des Filmes gepasst haben und sehr billig gewirkt haben. Aber klar, wenn fast die Hälfte des Budgets für die Lizenzen der Musik der Beatles drauf geht, dann muss man eben an anderen Stellen sparen. Ohne Witz. 10 Millionen Dollar nur um die Musik verwenden zu dürfen, die dann sowieso eine andere Person einsingt. Immerhin hat Patel wirklich alles selbst gesungen und das sogar recht ordentlich.

Als Gesamteindruck bleibt eine charmante, romantische Komödie, die natürlich viel Charme entwickelt, weil die zeitlose Musik der Beatles sich als roter Faden durch den Film zieht. Allerdings muss man auch wirklich irgendeine Affinität zu Musik oder gar zur Band haben um das richtig wertschätzen zu können. Ohne die Beatles bleibt eine bodenständige, aber auch nicht sehr tiefgehende Romanze übrig, die es zuhauf gibt und nichts Neues erzählt.

Wertung: 7/10 Punkte

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