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Review: Vice – Der zweite Mann

Vice – Der zweite Mann
Vice


Trailer

Regie: Adam McKay
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 132 Minuten

Politik ist grundsätzlich schwere Kost – nicht einmal nur in der heutigen Zeit. Machtspiele gibt es, seitdem es Politik gibt und in der Regel bezeichnet man den Präsidenten der Vereinigten Staaten als den mächtigsten Menschen der Welt. Doch wenn es eine Person gibt, die sich mit Macht sehr gut auskennt, ohne selbst aus dem Oval Office regiert zu haben, dann ist es der ehemalige Dick Cheney. Und da Politik nicht nur schwer, sondern auch derweilen ganz schön dröge sein kann, hat Regisseur Adam McKay (“Anchorman”, “The Big Short”) eine satirische Pseudo-Dokumentation aus dem politischen Leben des Republikaners gemacht.

Richard Bruce Cheney ist am Besten bekannt durch seine Zeit als US-Vizepräsident unter George W. Bush von 2001 bis 2009 – doch hier erleben wir ihn nicht nur an der Spitze seines Machtimperiums, sondern auch am Boden. Dick (phänomenal dargestellt durch Christian Bale) ist Student an der Yale University, obwohl er eigentlich nicht durch Können oder Fleiß auffällt. Stattdessen aber durch aggressives Saufverhalten, was seiner angehenden Ehefrau Lynne (Amy Adams) nicht sonderlich gefällt. Also stellt sie ihm ein Ultimatum: Entweder er ändert sich gravierend, oder aber sie ist weg.

Die Worte fruchten, Cheney wandelt sich um 180° und beginnt ein Praktikum im Kongress, wo er unter die Fittiche von Donald Rumsfeld (Steve Carell) gerät. Unter ihm lernt Cheney, wie man seine Macht richtig ausspielt, wird zum jüngsten Stabschef des weißen Hauses und fühlt auch mal ein wenig vor, ob das Volk denn auch in ihm einen Präsidentschaftskandidaten sieht. Doch gerade, als es so aussieht, als würde Dick Cheney das weiße Haus für immer verlassen, taucht ein junger, ehemals wilder George W. Bush (Sam Rockwell) mit einer grandiosen Idee auf.

Erzählt wird der Film begleitend von Jesse Plemons als “Kurt”, dessen Verbindung zu Cheney erst im Laufe des Filmes geklärt wird. Dazwischen spielt der Film mit dokumentarischen Einlagen, macht aber schon zu Beginn klar, dass Dick einer der verschlossensten Politiker aller Zeiten ist und man demnach versucht hat, die Dinge so originalgetreu wie möglich darzustellen, aber nicht alles 100%ig belegt ist. Die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen gnadenlos und haben es mir schwer gemacht, einige Aspekte tatsächlich ernstzunehmen.

Absolut nicht abstreiten kann man allerdings, dass Adam McKay hier einen sehr unterhaltenden Film über einen Hardliner gedreht hat und besonders Christian Bale deutlich zeigt, dass er vielleicht der beste Charakterdarsteller unserer Zeit ist. War der Sprung von The Machinist zu Batman schon krass, hat sich Bale hier Unmengen an Gewicht angefressen und sich Cheneys Mimik und Gestik punktgenau eingeprägt. Ein absolut würdiger Kandidat auf den Oscar als bester Hauptdarsteller (und ein würdiger Golden Globe-Gewinner). Nachdem ich inzwischen vier der fünf nominierten Filme gesehen habe (Van Gogh mit Willem Dafoe ist noch auf meiner Liste) muss ich zugeben, dass Rami Malek den Oscar für Bohemian Rhapsody sicher nicht unverdient bekommen hat, aber Bale und Viggo Mortensen für Green Book eine unheimlich große Konkurrenz haben.

Schwerer nachvollziehen kann ich dagegen die Nominierung von Sam Rockwell als George W. Bush – ich bin ein großer Fan von Rockwell, doch Steve Carell hat als Donald Rumsfeld in meinen Augen einen sehr viel besseren Job gemacht. Sehr gut war im Übrigen neben der Leistung von Bale und auch Amy Adams die Leistung von Alison Pill als Mary Cheney, Tyler Perry als Colin Powell un LisaGay Hamilton als Condoleezza Rice. Nicht zu vergessen auch der herausragende Score von Nicholas Britell, der bereits für die Soundtracks von “Moonlight” und “If Beale Street Could Talk” verantwortlich war und hier unter anderem bei der Main Suite tolle Arbeit geleistet hat.

Insgesamt war ich von der schauspielerischen Leistung des Filmes durchaus sehr angetan und das Leben von Dick Cheney bietet auch eine Menge an Material – wie ein raufender Säufer sein Leben auf die Reihe bekommt und einer der mächtigsten Menschen der Welt wird, ist beeindruckend. Die Art und Weise natürlich fast beispiellos skrupellos. Am Ende reißt der Film auch auch viel nur kurz an und lässt dabei vollkommen offen, was nun wirklich passiert ist und was nicht. In seiner Art sehr gut, allerdings kaum nachhaltig und für einen Laien vielleicht auch unterhaltend, gleichzeitig aber auch konfus. Und so bin ich mit einem gemischten Gefühl aus dem Kino gegangen.

Wertung: 6/10 Punkte

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