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Review: The Revenant – Der Rückkehrer

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The Revenant – Der Rückkehrer
Originaltitel: The Revenant

Regie: Alejandro G. Iñárritu
Erscheinungsjahr: 2016
Laufzeit: 156 Minuten

Alejandro G. Iñárritu und ich hatten vor gut zehn Jahren keinen guten Start – denn sein langatmiger Film “Babel” mit Brad Pitt und Cate Blanchett in den Hauptrollen, der an verschiedenen Standorten in der Welt gespielt hat, hat mich unendlich gelangweilt. Seine anderen von den Kritikern gefeierten Filme “21 Gramm” und “Biutiful” habe ich bis heute nie gesehen, aber den Ruf des Regisseurs habe ich weiterhin vernommen. Richtig umgehauen hat mich dann nicht nur der Trailer, sondern später auch der eigentliche Film “Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)” mit Michael Keaton, Emma Stone und Edward Norton, mit dem Iñárritu nicht nur drei Oscars (u.a. bester Film und beste Regie) im letzten Jahr abgeräumt hat, sondern auch einen gekonnten Spagat zwischen Kunstfilm und Hollywood hingelegt hat.

An den Oscars haarscharf vorbeigeschrammt ist bisher Leonardo DiCaprio. Einmal nominiert für den besten Nebendarsteller (1994, “Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa”, verloren gegen Tommy Lee Jones für “Auf der Flucht”), dreimal nominiert als bester Hauptdarsteller (2005, “Aviator”, verloren gegen Jamie Foxx für “Ray” – 2007, “Blood Diamond”, verloren gegen Forest Whitaker für “Der letzte König von Schottland” – 2014, “The Wolf of Wall Street”, verloren gegen Matthew McConaughey für “Dallas Buyers Club”).

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Im Gegensatz dazu hatte er vor seiner Rolle in “The Revenant” bereits zwei Golden Globes als bester Hauptdarsteller abgeräumt für “Aviator” und “The Wolf of Wall Street” und war zweimal als bester Nebendarsteller, sowie fünfmal als bester Hauptdarsteller nominiert. Es ist ein Running Gag, dass Leonardo DiCaprio keinen Oscar hat – aber hey. Den hat Edward Norton auch nicht. Unter anderem. Nachdem es nun aber am letzten Sonntag drei Golden Globes für “The Revenant” gab, ist nicht nur der Film, sondern auch Leonardo DiCaprio wieder einer der Favoriten – allerdings wird die Konkurrenz wieder einmal gewaltig sein.

Doch genug des Vorgeplänkels, den ohnehin jeder kennt. In “The Revenant” spielt Leonardo DiCaprio den Trapper (also Pelzjäger) Hugh Glass um 1820. Der ist mit seinem indianischen Mischlingssohn Hawk (Forrest Goodluck) auf einer Expedition für die Rocky Mountain Fur Company unter der Leitung von Andrew Henry (Domhnall Gleeson) unterwegs.

Der Wintereinbruch naht und nachdem die Truppe von einer Gruppe Arikaree-Indianer angegriffen wird, sinkt die Moral weiter. Besonders John Fitzgerald (Tom Hardy) ist ein Unruhefaktor und legt sich offen nicht nur mit Henry, sondern auch mit Glass an. Die Indianer im Nacken will sich die Truppe zu Fuß zu ihrem Fort durchschlagen, Glass wird allerdings von einem Grizzlybär schwer verletzt. Glass ist dem Tode nah und so bleiben sein Sohn, Fitzgerald und der junge Jim Bridger (Will Poulter) bei Glass und sollen darauf warten, dass er an seinen Verletzungen stirbt, um ihn dann ehrenvoll zu beerdigen. Fitzgerald allerdings ist ungeduldig und überredet Bridger, Glass in einem zuvor ausgehobenen Grab zurückzulassen. Glass überlebt allerdings nicht nur, sondern will den beschwerlichen Weg trotz seiner Wunden fortsetzen und Fitzgerald einholen.

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Soviel grob zur Story, wovon der Film nur partiell lebt. Das Kernstück machen natürlich die tollen Bilder, die Regisseur Alejandro G. Iñárritu eingefangen hat, sowie die schauspielerische Leistung von Leonardo DiCaprio und besonders Tom Hardy aus, der nach seiner Rolle als Bane in “The Dark Knight Rises”, Tommy Conlon in “Warrior” und Max Rockatansky in “Mad Max: Fury Road” abermals beweist, was für ein unglaublich wandlungsfähiger Schauspieler er ist. Für mich absolut unverständlich, dass er nicht einmal als bester Nebendarsteller für die Golden Globes nominiert wurde.

Wie auch in seinen anderen Filmen schickt Iñárritu mit seinen Forderungen die Schauspieler und Crew ans Limit. Bis auf eine Lagerfeuer-Szene verließ sich der Regisseur auf natürliches Licht, auf die brutale Kälte und die Natur. DiCaprio musste für seine Rolle als Vegetarier nicht nur rohe Leber essen, sondern zwei indigene Sprachen lernen und selbst gesagt, dass die Dreharbeiten ihn an sein körperliches und seelisches Limit brachten. Tom Hardy waren die Stuntszenen irgendwann so gefährlich, dass er sich lautstark mit dem Regisseur stritt.

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Am Ende kommt wieder ein Film zum Vorschein, der an der Schwelle zwischen purer und gewaltiger Kunst und Hollywood-Flair tanzt. Die winterlichen Bilder sind beeindruckend, einige Szenen unglaublich brutal und authentisch, hier und da verliert sich Iñárritu in meinen Augen aber wieder in der Langatmigkeit. Eine halbe Stunde weniger hätte dem Film nicht geschadet, meiner Meinung nach. Allerdings fühlt man sich nicht nur durch die eindrucksvollen Bilder mitten in der Szenerie (wenn diese nicht gerade von CGI-Tieren gebrochen wird), sondern auch durch die Schauspieler. Man leidet und kämpft mit DiCaprio, der es auch wortlos und nur durch Mimik oder Gestik schafft, den Zuschauer mitfühlen, miterleben zu lassen. Eine Leistung, vor der man nur den Hut ziehen kann.

Hier und da gibt es zugunsten der Story dann doch ein paar Zugeständnisse in Richtung der Hollywood-Maschine. Nachdem ich die tätsächliche Geschichte gelesen habe, wie sie sich zugetragen soll, bleibt bei mir der Nachgeschmack, ob das denn notwendig gewesen ist. Nichtsdestotrotz ist “The Revenant” ein bildschöner Film, der durch die Leistungen seiner Hauptdarsteller getragen wird. Leonardo DiCaprio ist definitiv zu Recht einer der Favoriten auf den Oscar – und Golden Globe-Preisträger.

Wertung: 7/10

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