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Review: “The Desired Effect” von Brandon Flowers

The_Desired_Effect
Fünf Jahre nach seinem ersten Soloalbum, drei Jahre nach dem letzten Album seiner eigentlichen Band war es für The Killers-Sänger Brandon Flowers mal wieder an der Zeit ins Studio zu gehen. Herausgekommen ist mit “The Desired Effect” ein mit Spannung erwartetes Album, welches Flowers mit vier Songs vorab auch mächtig gehypt hat. Gemeinsam mit Ariel Rechtshaid als Produzenten bewegt sich Flowers auf seinem Album zwischen Rock und Synth Pop. Doch wie klingt das eigentlich im Detail?

Pompös und voller Fanfaren, wie man es von einem Mann erwarten kann, der sich in Las Vegas niedergelassen hat. Das Album bzw. der erste Track “Dreams Come True” startet mit Trompeten, einem antreibenden Beat und unterstützt durch Dirty Projectors-Sängerin Angel Deradoorian, die Flowers auch bei weiteren Stücken, wie der ersten Single “Can’t Deny My Love” begleitet. Der Track gehört für mich immer noch zu den besten Songs, die ich bisher in diesem Jahr gehört habe. Dieser definitiv durch die 80er beeinflusste Synth Pop zieht sich durch das komplette erste Drittel des Albums und mündet dann in “I Can Change”, bei welchem sofort das Bronski Beat-Sample von “Smalltown Boy” auffällt.

Ein Potpourri aus Gitarren, echten und elektronischen Drums, Keyboards und Samples. Und es funktioniert in den ersten drei Tracks wahnsinnig gut. Es klingt ambitioniert, groß, viel zu groß nur für kleine Clubs und es geht nicht nur ins Ohr, sondern auch in die Beine.

Ruhiger wirds in der Mitte mit beispielsweise der Ballade “Between Me and You”, bei der Flowers besonders verletzlich wirkt, aber den Song langsam mit mehr und mehr Instrumenten aufbaut, bis er dann sanft wieder ausblendet. Damit passt der Song perfekt zwischen “Still Want You” und “Lonely Town”, die ebenfalls vorab veröffentlicht worden und nach Liedern für das Radio klingen.

“Diggin’ Up the Heart” ist ein merkwürdiges Surf-Anthem, Miami Beach mit grellen Tanktops und Bermuda-Shorts und passt zeitlich zwar ins Album, ist für mich aber das erste Lowlight. Löblich zwar, dass Flowers viel experimentiert, so beispielsweise bei “Never Get You Right” auch mit RnB-Beats und Streichern aus der Konserve, allerdings halten die Songs in der zweiten Hälfte nicht mehr ganz so die Qualität, wie die Lieder in der ersten Hälfte.

Eine Ausnahme bildet hier noch “Untangled Love”, ein Uptempo-Pop Song der sofort ins Ohr geht und einfach Spaß macht. Dies bedeutet nicht, dass die anderen Songs in irgendeiner Weise schlecht sind – sie sind allesamt hochklassiger, toll produzierter Pop. Allerdings plätschern sie auch ein wenig dahin, sind gut zum Durchhören, aber haben nicht den Wiederanhör-Effekt der ersten Hälfte.

In den Battle Born Studios, wo das Album aufgenommen wurde, holte sich Flowers übrigens namhafte Unterstüzung. Pet Shop Boys-Sänger Neil Tennant trällert im Hintergrund bei “I Can Change”, Danielle Haim spielt die Drums bei “Lonely Town”, Bruce Hornsby klimpert bei “Between Me and You” und “Never Get You Right”.

Als Fazit hat man von vorne bis hinten ein Album, welches man sich exzellent anhören kann. Genug Abwechslung bei den einzelnen Tracks, sodass es nie langweilig wird, verschiedene Stilrichtungen, mal mehr, mal weniger tanzbar. Zum Singen, zum Leiden, einfach astreiner Retro-Pop, der größtenteils auch gute Laune macht.
In meinen Augen noch ein Stück gelungener, als sein erstes Album “Flamingo”. Allerdings erhoffe ich mir natürlich, dass Flowers es schafft, seinen eigenen Sound ein wenig von seiner Band zu trennen, denen in den letzten Werken für mich ein wenig DER Hit gefehlt hat.

Tracklist:
01. Dreams Come True*
02. Can’t Deny My Love*
03. I Can Change*
04. Still Want You
05. Between Me and You*
06. Lonely Town
07. Diggin’ Up the Heart
08. Never Get You Right
09. Untangled Love*
10. The Way It’s Always Been

Mit einem * markierte Tracks sind meine Anspieltipps.

 

Wertung: 8/10

Das Album bei Spotify öffnen: Link

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