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Review: The Dead Don’t Die

The Dead Don’t Die

Trailer
Regie: Jim Jarmusch
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 103 Minuten

Selten hat ein Cast mich schon im Vorfeld so angesprochen, wie im neuesten Werk der Independent Cinema-Legende Jim Jarmusch. Ich muss gestehen, von seinen gesamten Werken sagen mir nur zwei Filme auf Anhieb etwas (“Ghost Dog” und “Only Lovers Left Alive”), aber manchmal ist es eben auch nicht der Regisseur, der mich ins Kino treibt, sondern das Ensemble. Angefangen von Bill Murray über Tilda Swinton bis hin zu Danny Glover und Steve Buscemi – großartige Schauspieler in einer skurrilen Zombie-Komödie? Count me in!

Die Nacht der lebenden Toten

Der Eröffnungsfilm der Filmfestspiele in Cannes 2019 bringt uns nach Centerville – A nice place to live – ein kleines Städtchen in den Vereinigten Staaten, in der alles sehr gemütlich vonstatten geht. Es gibt eine Tankstelle, ein Diner und drei Polizisten. Chief Cliff Robertson (Bill Murray), Officer Ronnie Peterson (Adam Driver) und Officer Mindy Morrison (Chloë Sevigny), die sich mehr mit kleinen Problemchen in der Bevölkerung beschäftigen, als mit wirklichen Verbrechen. Officer Ronnie hat allerdings ein sehr schlechtes Gefühl, als sich die Nachricht verbreitet, dass sich die Erdumlaufbahn aufgrund von Bohrarbeiten an den Polen etwas verschoben hat und welche Konsequenzen das nach sich zieht. Denn während es plötzlich in der Nacht noch helllicht ist, steigen die Toten aus ihren Gräbern und nagen sich erst am Diner und dann in der ganzen Stadt durch die Lebenden.

“The Dead Don’t Die” hat ein unfassbares Sammelsurium an Schauspielerin in großen und kleinen Rollen, die auf ihre eigene Art so sonderbar sind, dass es wirklich großen Spaß macht. Steve Buscemi ist der dümmliche, latent rassistische Farmer Miller, der sich mit dem Hinterwäldler Bob um seine Hühnchen streitet. Danny Glover spielt den Handwerker Hank, der seine Zeit im Diner vertreibt und sich am Ende mit dem Tankstellenwart Bobby (Caleb Landry Jones) verschanzt. Der Wu-Tang-Rapper RZA ist Postbote, Sängerin Selena Gomez ein Großstadt-Mädel auf der Durchreise und den Vogel schießt letztlich Tilda Swinton als Bestatterin – und NINJA – ab, die mit ihren Katana-Skills Michonne aus The Walking Dead neidisch macht.

Ein schauspielerisches Potpourri

So abstrus das alles klingt, so bricht Jim Jarmusch auch mehr als einmal mit der vierten Dimension und spricht beispielsweise immer wieder den Theme Song des Filmes von Sturgill Simpson an – tatsächlich als THEME SONG! Sturgill darf selbst natürlich nicht fehlen und spielt wie auch Rock-Legende Iggy Pop einen der blutrünstigen Zombies.

Das Werk ist relativ langsam erzählt und wirkt länger, als die tatsächliche Laufzeit. Das ist streckenweise auch vollkommen okay, in Centreville vergeht die Zeit nun einmal ein bisschen langsamer. Dazu kommt, dass viele Charaktere nun einmal auch sehr einfältig sind und einige Gags in dieser Zom-Com (ist das wirklich die Bezeichnung? Sind “Shaun of the Dead” und “Zombieland” Zom-Coms?) dauern eben, bis sie zünden. Beispielsweise, als die ersten, angeknabberten Leichen entdeckt werden. Ein großartiger Moment, der fast schon für die meisten Lacher im Film gesorgt hat.

Was ist das für eine Geschichte?

Die Schauspieler machen ihre Arbeit allesamt sehr gut, besonders das Trio um Murray, Driver und Sevigny hat eine hervorragende Chemie. Vor Adam Driver muss man ohnehin den Hut ziehen, dem Mann liegt wahrscheinlich Hollywood zu Füßen, seitdem er als Kylo Ren in der Star Wars-Saga mitspielt, dennoch konzentriert er sich primär auf ungewöhnliche Rollen in außergewöhnlichen Filmen, wie etwa hier oder “BlacKkKlansman”. Wahnsinnig interessant.

Weniger interessant ist, aber wie sich die Geschichte im letzten Viertel entfaltet. Dass die ganze Geschichte nicht gut ausgehen wird, sagt Officer Ronnie quasi von Beginn an kontinuierlich, bis zum Schluss. Damit ist also zu rechnen. Allerdings habe ich schon lange nicht mehr so einen merkwürdigen Twist in einem Film erlebt, der nicht nur aus dem Nichts kam, sondern auch komplett sinnfrei war. Wer den Film noch sehen möchte – gerne den nächsten Satz überlesen: Tilda Swinton wird von einem Raumschiff abgeholt und fliegt davon, nachdem sie ein paar Zombies geschnetzelt hat und die Protagonisten in der Falle sitzen… warum auch nicht.

Streckenweise hatte ich mit “The Dead Don’t Die” schon Spaß, aber letztlich hat mir die Interpretation der Zombies, die nur teilweise ihren alten Gewohnheiten nachgehen und sonst wie durch eine Schablone gepresst sind, sowie das Finale des Filmes überhaupt nicht gefallen. Da helfen auch etliche, sehr gute Schauspieler und eine interessante Grundidee nicht. Für eine Komödie gab es zu wenig zu lachen, Spannung oder Suspense gab es eigentlich gar nicht und abgesehen davon, dass die Welt – in Centerville – untergeht ist eigentlich auch nichts passiert.

Wertung: 4/10 Punkte

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