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Review: Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street

Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street
Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street

Trailer

Regie: Tim Burton
Erscheinungsjahr: 2007
Laufzeit: 116 Minuten

Ende 2007, Anfang 2008 – in was für Zeiten wir damals lebten. Tim Burtons kommerziell erfolgreichste Filme waren wahrscheinlich der erste “Batman” mit Michael Keaton und Jack Nicholson oder “Charlie und die Schokoladenfabrik” und nicht “Alice im Wunderland” und Johnny Depp war noch ein gefeierter Schauspieler, der als Captain Jack Sparrow einen würdigen Abschluss in der “Pirates of the Caribbean”-Trilogie erhielt. Interessant einen Film, den man damals im Kino gesehen hat, noch einmal Revue passieren zu lassen, schließlich war ich damals schwer begeistert von diesem makaberen Musical, bei dem die Schauspieler tatsächlich selbst sangen.

Ein Friseur sinnt nach Rache

Der Barbier Benjamin Barker (Johnny Depp) wurde vom bösen Richter Turpin (Alan Rickman) ins Exil getrieben, seine Frau in den Tod und seine Tochter quasi gefangen genommen. 15 Jahre später kehrt er als düsterer Sweeney Todd ins dreckige London zurück und will Rache üben, nicht nur an Turpin, sondern an der ganzen Bevölkerung. An seiner Seite ist die durchgeknallte Bäckerin Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter), doch Sweeney scheint weder den Richter in die Finger bekommen, noch seine Tochter Johanna (Jayne Wisener) aus Turpins Klauen befreien zu können. Außerdem scheint ihm die Konkurrenz in Form des Barbiers Adolfo Pirelli (Sacha Baron Cohen) auf die Spur zu kommen. Doch es gibt kein Problem, welches man nicht mit einer messerscharfen Klinge lösen könnte…

Tim Burton hat in seiner Adaption einen großartigen Cast um sich gescharrt – nicht unbedingt, was das Gesangliche angeht, denn weder ein Johnny Depp, noch ein Alan Rickman sind die besten Sänger. Aber das machen die Schauspieler durch ihre Leistung in ihrem eigentlichen Fach mehr als wett. Rickman ist ohnehin über alle Zweifel erhaben und ist ein Genuss sowohl in “Dogma”, als auch in “Tatsächlich… Liebe” und natürlich auch hier. Doch auch der restliche Cast kann sich absolut sehen lassen, wobei Sacha Baron Cohen in einer für seine Verhältnisse fast schon normalen (aber dennoch natürlich überzeichneten) Rolle schon das Highlight ist. Kein Wunder, dass geplant war, ihn als Freddie Mercury einzusetzen, wobei das ja letztlich nie passiert ist.

Der blutige Preisträger

“Sweeney Todd” gewann nicht nur einen Academy Award, sondern auch Golden Globes als “Best Motion Picture – Musical or Comedy” und “Best Actor – Motion Picture Musical or Comedy” für Johnny Depp. Und das ist absolut verständlich, weil Depp hier tatsächlich das macht, was er anschließend nahezu komplett eingestellt hat: Schauspielern. Er spielt die Hauptrolle mit einer Schwere, mit einer wütenden Trauer, mit einem Zorn und Groll, dass er jede Szene komplett in seinen Bann zieht und alle anderen Rollen fast nur Beiwerk sind.

Besonders im Vordergrund steht in jedem Charakter ein gewisses Verlangen nach etwas, was unerreichbar scheint. Todd will sein Leben wieder haben und wenn er dies schon nicht kann, dann wenigstens seine Tochter. Und er will Rache üben. Mrs. Lovett ist unsterblich verliebt in Todd und versucht seine Liebe zu gewinnen, indem sie ihm bei seinen Schandtaten unterstützt. Der Matrose Anthony (Jamie Campbell Bower) verliebt sich in Todds Tochter und kommt nicht an sie heran, weil sie von Turpin gefangen gehalten wird – und auch er hegt Gefühle für die junge Dame. Leid, Sehnsucht, Rache und viele, viele Blutspritzer.

Lust auf Gesang? Viel Gesang?

Man muss sich auf den Film einlassen, auf ein Musical, welches in den knapp zwei Stunden natürlich mit über einer Stunde Gesang aufwartet. Dabei sind die beliebtesten Stücke des Musicals enthalten, einige fehlen aber jedoch oder wurden im Falle des wohl bekanntesten Werkes “God That’s Good” gehörig gekürzt.

Der visuelle Stil des Filmes ist wirklich beeindruckend und zeigt, wie gut Tim Burton seine Ideen eigentlich auf die Leinwand bringen kann. Der Streifen fügt sich fast nahtlos in seine düsteren Werke wie “Edward mit den Scherenhänden” oder “Nightmare Before Christmas” ein – wer also ein Fan dieser Werke von Burton ist, sollte sich “Sweeney Todd” definitiv anschauen.

Als Quintessenz kann ich nur sagen, dass der Film noch immer absolut großartig ist. Mir fällt auf Anhieb kaum eine Rolle ein, in der mir Johnny Depp besser gefällt. Der Soundtrack ist hervorragend und wenn auch stellenweise durch die Überlagerung von Gesangsstimmen ein wenig chaotisch, absolut unkonventionell und eines der interessantesten Musicals, die ich kenne, ich aber leider noch nie live gesehen habe.

Wertung: 8/10 Punkte

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