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Review: Sully

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Sully

Regie: Clint Eastwood
Erscheinungsjahr: 2016
Laufzeit: 96 Minuten

Am 15. Januar 2009 landet der erfahrene Pilot Chesley “Sully” Sullenberger (hier gespielt von Tom Hanks) den US-Airways-Flug 1549 nach einem Vogelschlag, bei dem ein Schwarm Kanadagänse in beide Triebwerke flog und diese zerstörte, mitten auf dem Hudson River in New York. Hierbei rettet er allen 150 Passagieren und den anderen vier Crewmitgliedern (unter anderem seinem Co-Piloten Jeff Skiles, spielt von Aaron Eckhart) das Leben und wurde über Nacht zum Helden und Star. Die amerikanische Behörde für Transportsicherheit (NTSB) untersucht nun, ob Sully richtig gehandelt hat, als er sich für die Notwasserung entschied, oder ob es nicht besser gewesen wäre, wenn Sully zurück zum Flughafen LaGuardia oder zum Flughafen Teterboro geflogen wäre. Sully ist sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, während das NTSB glaubt, er habe die 155 Insassen unnötig in Gefahr gebracht. Das muss nun natürlich analysiert werden und damit hat man den ganzen Plot für Clint Eastwoods neuesten Film.

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Nachdem die Schauspieler- und Regisseur-Legende zuletzt dem “American Sniper” Chris Kyle zu etlichen Oscar-Nominierungen verhalf, bedient sich Eastwood nun keinem amerikanischen Kriegspatriotismus, sondern schnappt sich mit “Sully” einen Jedermann. Einen dienstalten Piloten, der nur aufgrund seiner Erfahrung und seines Könnens richtig liegt und Menschen rettet, dem der Trubel um seine Person aber zuviel wird. Der gerne in sein altes Leben zurück und einfach wieder in die Lüfte will, sich aber nun mit bürokratischen Diskussionen herumschlagen muss. Hierbei wird die NTSB, die einfach nur ihren Protokollen folgt, derart bösartig dargestellt, dass man fast glauben kann, Sully wäre eine Art Superheld, der gegen einen Superschurken am Schreibtisch vorgehen muss. Tatsächlich sind die Maßnahmen der NTSB durchaus fragwürdig und bei nachgestellten Simulationen, bei denen man zeigen möchte, dass Sully durchaus einen der Flughäfen hätte ansteuern können, penibel genau.

Handwerklich ist der Film gut gemacht. Hanks schauspielert im Gegensatz zu “Inferno” tatsächlich ein bisschen. Aaron Eckhart spielt mit Popelbremse so trocken und gefällt mir in seiner Rolle fast noch am Besten, während Anna Gunn (Skyler aus “Breaking Bad”) auch ein paar Sätze sagen darf. Ansonsten passiert einfach nicht viel. Man sieht viele Simulationen, man sieht dreimal ins Cockpit und darf Sully und seinem Co-Piloten beim Wunder zuschauen, dazwischen telefoniert Sully mit seiner Frau Lorraine (Laura Linney), die von Reportern belagert wird.

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Eastwood versucht einen Spannungsbogen aufzubauen, was sich bei einem dokumentarischen Film natürlich immer etwas schwierig gestaltet. Ansonsten ist der Film eine Hommage an den einfachen Helden, an Erfahrung und den Arbeiter, der einfach nur seinen Job macht. Denn genau das ist, was 155 Menschen vor fast acht Jahren das Leben gerettet hat. Sully schreibt inzwischen Bücher (auf einem davon basiert der Film), ist Flugsicherheitsexperte und bekommt von Comedians wie Stephen Colbert, Steve Carell und Jon Stewart Songs über sich geschrieben. Das ist auch alles absolut verdient. Der Film selbst ist eine hollywood-esque Dokumentation mit bösen Behörden, einem einfachen Helden und tatsächlich einem tollen Score vom Jazz-Pianisten Christian Jacob, der absolut herausgestochen hat.

Wertung: 5/10

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