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Review: Stan & Ollie

Stan & Ollie

Trailer

Regie: Jon S. Baird
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 97 Minuten

Einer der Gründe, warum ich mir die Jahreskarte von den Yorck-Kinos geholt habe ist, dass ich so nun auch in Filme gehe, die sonst vielleicht nicht auf meiner Liste stehen. Man sitzt Zuhause, will den Kopf frei kriegen, weil er sich schwer und belastet anfühlt, also geht man nach draußen, läuft die paar Meter und steht vor dem Kant Kino. Von “Dick & Doof” habe ich schon gehört, klar. Aber tatsächlich nie einen ihrer Filme gesehen, kenne kaum etwas über ihre Geschichte und ein paar Minuten später werde ich mit Popcorn direkt in den Bann gesogen.

Der Film beginnt mit der vielleicht besten Eröffnungsszene, die ich jemals gesehen habe. Man sieht den Rücken von Oliver Hardy (John C. Reilly) und Stan Laurel (Grandios: Steve Coogan), die ich jemals gesehen habe. Sie sitzen in ihrer Maske und bereiten sich im Gespräch auf die nächste Szene in ihrem Film vor. Vor ihnen stehen diagonal zwei Spiegel, in denen man auf der einen Seite Laurel und auf der anderen Seite überkreuzt Hardy sieht. Beide stehen auf, laufen weiterhin redend zum Set und die Kamera in in einem einzigen Cut dabei. Man ist sofort mittendrin, auch ohne irgendwelche großen Vorkenntnisse zum vielleicht größten Comedy-Duo aller Zeiten zu haben.

Stan & Ollie drehen gerade den Film “Way Out West” (im Deutschen unter anderem “Zwei ritten nach Texas”), doch der Vertrag von Stan mit dem Produzenten Hal Roach (Danny Huston) läuft bald aus und seine Versuche nachzuverhandeln schlagen fehl. Während der Vertrag von Oliver noch eine ganze Weile läuft und Roach ihn mit dem Comedian Harry Langdon in einen Film zusammen packt, verhandelt Stan mit Fox und will das beliebte Duo dort unterbringen. Oliver taucht zu den Vertragsverhandlungen nicht auf und so scheint das Ende besiegelt.

16 Jahre später haben sich die Beiden wieder zusammengerauft, doch der Erfolg ist kleiner geworden. Die letzten Filme waren allesamt kein Erfolg und mithilfe des Produzenten Bernard Delfont (Rufus Jones) tritt das Duo eine Tour durch Großbritannien an. Ihnen wurden große Theater und ausverkäufte Häuser versprochen, doch in den viel kleineren Hütten sind etliche Plätze leer und es scheint, als würde sich Delfont lieber um andere Künstler kümmern. Tatsächlich wundern sich viele Zuschauer, dass Hardy und Laurel noch nicht im Ruhestand sind und denken, dass ihre Rollen in den Stücken von anderen Personen gefüllt werden. Also machen die Beiden ein paar öffentliche Auftritte und schaffen es so, dass die Hallen tatsächlich voll werden.

Währenddessen arbeitet Laurel als kreativer Kopf an etlichen Gags für einen Film, den die Beiden nach der Tour geplant haben. Allerdings hängen die Probleme der Vergangenheit noch immer ein wenig in den Köpfen der Beiden und Beide fühlten sich vom Anderen verraten, der geplante Film fällt ins Wasser und der Gesundheitszustand von Hardy verschlimmert sich sehr.

Stan & Ollie gibt einen zauberhaften Einblick in das letzte Kapitel der Karriere des Comedy-Duos, das ich vom Hörensagen kenne, aber nie wirklich verfolgt habe. Für mich war “Stan & Ollie” ein sehr unterhaltsamer und charmanter Film, in welchem besonders Steve Coogan als Stan Laurel herausgestochen ist. Wie er auf Knopfdruck zwischen dem nachdenklichen, kreativen Arthur Stanley Jefferson und dem vor der Kamera blödelnden Stan Laurel gewechselt hat, war beeindruckend.

Was der Film außerdem geschafft hat, ist ein gesteigertes Interesse für die Karriere zuvor zu weckeln. Ich habe einige Dinge gelesen, die ich vorher nicht wusste – beispielsweise wie es zur Zusammenarbeit kam, dass Laurel ursprünglich plante eher hinter der Kamera zu arbeiten und wie eng die Beiden wirklich befreundet waren, weswegen die Vertragsgespräche wirklich einen tiefen – aber nicht kompletten – Riss in die Freundschaft brachte.

Regisseur Jon S. Baird (der zuvor als nennenswerten Film nur “Filth” gemacht hatte) hat einen tollen Job gemacht und Beides gilt für die Hauptdarsteller. Ein rührender Film, den man sich durchaus anschauen kann. Das Kant Kino zeigte im Übrigen den Kurzfilm “The Music Box” (“Der zermürbende Klaviertransport”) aus dem Jahr 1932 im Anschluss in voller Länge. Das leider viel zu wenig besuchte Kino johlte vor Lachen über den Slapstick (übrigens auch Gewinner des Academy Awards für den besten Kurzfilm im gleichen Jahr). Ein weiterer Beweis, dass die Comedy der Beiden absolut zeitos ist.

Wertung: 8/10 Punkte

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