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Review: Split

Split 

Regie: M. Night Shyamalan
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 117 Minuten

Knapp 17 Jahre ist es her, dass die Welt erstmals auf M. Night Shyamalan aufmerksam geworden ist – ich gehörte ebenso dazu. Als Bruce Willis aus seinem John McClane-Stereotyp ausgebrochen ist und als Psychiater versuchte, dem damals großartigen Haley Joel Osment bei seinem Geisterproblem zu helfen, saß auch ich als 15-Jähriger im Kino und war vom Ende vollkommen überrascht. Noch heute wird “The Sixth Sense” als Referenz für gute Suspense-Movies und für Filme, bei denen man das Ende niemals spoilern sollte, herangezogen. Besonders das letzte Element wurde zum Kern von vielen Shyamalan-Filmen, auf den er immer wieder reduziert wurde. Ob “The Village”, ob “The Happening” (wobei das hier selten dämlich war), vollkommen egal. Shyamalan bedeutete einen Twist am Ende.

Ich selbst bin ein riesiger Fan der ersten Werke des in Indien geborenen Regisseurs. “The Sixth Sense” und “Unbreakable” gehören bis heute zu meinen Lieblingsfilmen. “Signs – Zeichen” kann ich mir ab und an mal geben. Aber mit “Lady in the Water” wurde ich nicht warm, “The Happening” ist unfassbarer Müll, der nur noch vom grauenvollen Avatar-Film “Die Legende von Aang” unterboten wird, den ich nach 30 Minuten abbrechen musste. Die Scientology-Geschichte “After Earth” habe ich erfolgreich ignoriert, sodass ich den anderen Tiefpunkt nicht einmal gesehen habe.

Shyamalan war mit seinem ersten Film ganz oben und hat sich kontinuierlich die Reputation kaputt gemacht. Umso skeptischer war ich, als er vor zwei Jahren mit “The Visit” einen Low Budget-Horrorstreifen herausbrachte, der mich allerdings positiv sehr überrascht hat. Als “Split” dann angekündigt wurde, wollte ich den Film primär nicht wegen Shyamalan schauen, sondern wegen James McAvoy, der mir in Filmen wie “Der letzte König von Schottland”, “Wanted” oder auch der X-Men-Reihe ziemlich gut gefallen hat. Der Theater-Schauspieler, der in verschiedene Identitäten schlüpfen muss, in einem Thriller? Sehr, sehr gerne.

Nach einer kleinen Feier werden Claire (Haley Lu Richardson), ihre Freundin Marcia (Jessica Sula) und die unnahbare Casey (Anya Taylor-Joy) von einem unbekannten, wortkargen Mann (James McAvoy) betäubt und entführt. Sie wachen in einem Kellerverlies wieder auf und planen nach ersten Konfrontationen, den Mann zu attackieren, stellen aber fest, dass er unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung leidet. Mal ist er der disziplinierte, strenge Mann namens “Dennis”, mal als fürsorgliche, aber dennoch hinterhältige Dame “Patricia” und mal der kleine Junge “Hedwig”.

Eigentlich heißt der Mann allerdings Kevin Wendell Crumb und befindet sich seit Jahren in psychologischer Behandlung bei Dr. Fletcher (Betty Buckley). Bei Kevin wurden 23 verschiedene Persönlichkeiten diagnostiziert, von denen der relativ normale “Benny” eigentlich die Kontrolle hat, diese aber scheinbar an “Dennis”, “Patricia” und “Hedwig” verloren hat. Während Dr. Fletcher bei den Besuchen ihres Patienten durchaus merkt, dass etwas anders ist als sonst, kann sie sich keinen Reim darauf machen. Die noch immer eingesperrten Mädchen hingegen versuchen, aus der auswegslosen Situation herauszukommen, indem sie beispielsweise “Hedwig” überlisten wollen, allerdings dies nicht klappt und sie voneinander getrennt werden.

Erst nach und nach erfahren sie den Grund für ihre Entführung. “Dennis” und “Patricia” erwarten die Ankunft einer 24. Persönlichkeit – der “Bestie” – und wollen dieser die reinen, jungen Mädchen als Opfer anbieten.

Auch wenn die Rolle von Kevin Wendell Crumb 23 Persönlichkeiten vorsieht, spielt James McAvoy diese natürlich nicht alle aus. Allerdings gibt er einen fantastischen Überblick über ein gutes Viertel der Personen und spielt einige von Ihnen auch wechselnd in der gleichen Szene. Unfassbar. Ursprünglich hätte wohl Joaquin Phoenix nach “Signs” erneut mit Shyamalan zusammenarbeiten sollen, doch bei aller Liebe – besser hätte er es nicht machen können. Für jugendliche Charaktere macht das Teenager-Trio seine Sache auch sehr ordentlich, wobei natürlich Anya Taylor-Joy als Außenseiterin Casey hervorsticht, deren Hintergrundgeschichte auch etwas beleuchtet wird.

Der Film als solches ist absolut solide. Ein Thriller, der einfach ein Festspiel von James McAvoy ist, der seine lustigen Momente hat, der immer wieder mit der Hoffnung spielt. Den kompletten Homerun fährt Shyamalan allerdings mit den letzten fünf bis zehn Minuten, die mich einige Momente lang mit offenem Mund im meinem Kinositz angespannt haben hocken lassen. Ich wusste nichts und ich war schockiert und begeistert zugleich.

Nach etlichen, sehr erzwungenen Twists war das mit die gelungenste Finte, die ich seit langer Zeit erlebt habe, die mich direkt an die ursprünglichen Werke des Regisseurs erinnert hat. Und so ist “Split” ein ordentlicher Thriller, der handwerklich eine Menge richtig macht, in einigen Teilen der Geschichte natürlich auch ein wenig zu bequem, zu praktisch ist, aber dennoch viel Spaß macht.

Ein Film für Genre-Fans, aber auch für die Leute, die sich erinnern, wie toll die Anfangsfilme von M. Night Shyamalan waren.

Wertung: 8/10

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