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Review: Spider-Man: Homecoming

Spider-Man: Homecoming 

Regie: Jon Watts
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 133 Minuten

Spider-Man ist mit Abstand mein Lieblingssuperheld – und einer der wenigen, von dem ich tatsächlich mal Comics gelesen habe und ein bisschen auch abstruse Geschichten kenne (Klon-Saga, anyone?). Deswegen ist es für mich als Fan schon merkwürdig, in 15 Jahren drei verschiedene Schauspieler in die Rolle der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft schlüpfen zu sehen. Tobey Maguire? Als Peter Parker schon große Klasse. Der erste Spider-Man ist noch immer ein guter Film. Toller Auftritt des Macho Man, toller Bösewicht mit Willem Defoe. Einfach ein guter Film. Der zweite Teil war auch noch in Ordnung, der dritte Teil einfach nur ein großer Clusterfuck. Andrew Garfield hingegen konnte ich als Peter Parker absolut gar nichts abgewinnen. Die Filme waren okay, aber haben mich nicht umgehauen. Als dann angekündigt wurde, dass Spider-Man neu gecastet in “The First Avenger: Civil War” auftauchen wird, war ich skeptisch. Allerdings funktioniert das am Ende mit Tom Holland dann doch ganz gut. Doch reicht das auch für einen Solo-Film? Und der wievielte Teil des Marvel Cinematic Universe ist das eigentlich?

In einer Rückblende, die kurz nach dem ersten Avengers-Film spielt, als halb New York City in Schutt und Asche lag, lernt man den Bösewicht des Films kennen: Adrian Toomes, gespielt von Michael Keaton (was für ein unfassbar guter Schauspieler!). Toomes hatte den Auftrag erhalten, die Stadt aufzuräumen und die übrig gebliebene Alien-Technologie zu entsorgen, doch diese Aufgabe wird von Tony Starks US Department of Damage Control übernommen. Toomes verliert seinen Job, schwört allerdings auf Rache.

Acht Jahre später – direkt nach dem Civil War – ist Peter Parker kein vollwertiges Mitglied der Avengers, egal wie sehr er danach bettelt. Stark (zum X-ten Mal dabei: Robert Downey Jr.) und Happy Hogan (auch mal wieder dabei: Jon Favreau, der im Übrigen den ersten Iron Man-Film drehte) sagen, er sei noch nicht bereit dafür, lassen ihn aber mit einem hochentwickelten Anzug aus dem Hause Stark Industries kleinere Verbrechen bekämpfen. Bei einem Überfall macht Peter Bekanntschaft mit den Handlangern von Toomes, die noch immer im Besitz der Alien-Technologie sind. Peter bekämpft nicht nur die Handlanger, sondern später auch Toomes selbst, der als Vulture das ganz große Ding plant und eine Lagerhalle von Damage Control ausräumen will. Dies muss Peter natürlich verhindern – und wenn Iron Man ihm dabei nicht helfen will, dann macht er das eben alleine.

Man muss sich zu Beginn des Filmes schon damit anfreunden, dass Peter Parker einfach alles kann. Er ist das ultimative Genie, der ein anderes, ultimatives (und für mich ziemlich nerviges) Genie als besten Freund hat. Er ist verliebt in ein anderes Genie. Und hat das ultimativste, aller ultimativen Genies als Vorbild. Im Ernst: Peter kann wissenschaftliche Fragen beantworten, kann hacken, ist ein Profi in Chemie, er kann einfach alles. Dennoch erreicht er nicht alles, denn er ist hin- und hergerissen zwischen der High School, seiner ersten Liebe und natürlich der Verbrechensbekämpfung. Besonders dieses Ringen mit sich selbst, dass er mit dem Kopf eigentlich schon zehn Schritte weiter ist und gegen eine Alieninvasion kämpfen sollte, anstatt gegen Straßenräuber, ist sehr interessant dargestellt.

Lockere Sprüche, gute Action und ein weitestgehend bodenständiger Film. Es gibt einen Bösewicht (der eigentlich sogar recht gute Argumente hat und damit viele Grauzonen bedient) der nicht zu ausgefallen ist und daher perfekt passt als erster Widersacher vom Spider-Man. Es gibt masssssssiiig Fanservice in Form von zwei Versionen des Shockers, Mac Gargan (einer meiner liebsten Gegner von Spider-Man) hat einen Auftritt, der Onkel von Miles Morales (eine spätere Version von Spider-Man) taucht auf. Da kann man eigentlich nicht meckern. Aber: Im Gegensatz zu den vollkommen überladenen Spider-Man 3 vor zehn Jahren (mit Venom, Sandman und dem zweiten Green Goblin) und dem vollkommen überladenen The Amazing Spider-Man 2 vor drei Jahren (mit dem Green Goblin, Electro und dem lächerlichen Rhino) macht man hier viel richtig und präsentiert klar einen Bösewicht. Einen Gegner den der Held besiegen muss.

Als Stand-Alone funktioniert “Spider-Man: Homecoming” allerdings nur bedingt. Man sollte wissen, was in “The Avengers” passiert ist und am Besten auch Civil War gesehen haben, damit viele Bezugspunkte hergestellt werden können. Man sollte also einen rudimentären Überblick über das Marvel Cinematic Universe haben.

Hervorheben möchte ich im Übrigen noch den Soundtrack vom genialen Michael Giacchino, denn es gibt endlich einen Score, an den man sich erinnert. Gut, es ist nur eine Variation des klassischen Spider-Man Themes, aber immerhin! Giacchino arbeitete zuvor am Soundtrack der Serie LOST, bei etlichen Disney-Produktionen wie “Zoomania” und “Oben”, bei “Jurassic World” und ist meiner Meinung nach neben Alexandre Desplat einer der besten, aktuellen Komponisten in der Brance. Hier das Theme und hier die Suite!

Insgesamt hat mir “Spider-Man: Homecoming” sehr gefallen. Ein farbenfroher, actionreicher, amüsanter Spaß, bei dem man allerdings als Fan auch einige Abstriche machen muss. Tante May ist eine heiße Braut. Flash Thompson kein sportlicher Bully. MJ keine niedliche Füchsin. Einige Elemente wurden einfach angepasst um nicht zum dritten Mal die gleiche Geschichte zu erzählen. Das ist in Ordnung, aber eben ungewohnt.

Darüber hinaus ist Homecoming recht bodenständig – besonders wenn man sich Civil War im Vergleich anguckt, deutet viel an und enttäuscht nicht. Kann man sich angucken!

Wertung: 7/10

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