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Review: Skyscraper

Skyscraper

Regie: Rawson Marshall Thurber
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 102 Minuten

Kurz nach dem von mir in allen Ebenen ignorierten “Rampage” wagt Dwayne Johnson den Sprung vom großen Kran in den noch größeren Wolkenkratzer und hat damit zumindest schon einmal 9GAG erobert. Dort wurde nämlich von den besten Physikern der Welt bildlich dargestellt ob und wie The Rock diesen unglaublichen Sprung überhaupt schaffen könnte – doch es gibt noch viel mehr, was in diesem Film zu diskutieren wäre. Ob und wie die zweite Zusammenarbeit zwischen Johnson und Regisseur Rawson Marshall Thurber nach “Central Intelligence” überhaupt gelungen ist, beispielsweise. Oder ob es in Hong Kong keine Feuerwehr gibt und ob es allen Menschen in der Metropole vollkommen egal ist, dass da ein Hochhaus brennt. Wird sich schon von selbst erledigen. Gaffen wir mal. Vorab: Wenn man den Film nur halbwegs genießen sollte, sollte man sein mitdenkendes Gehirn am Besten beim Popcorn-Schalter parken.

Die Story kurz erklärt: Will Sawyer (Dwayne Johnson) ist ehemaliger Soldat und hat bei einem verpatzten Einsatz den Verlust seines Beines und einer Familie zu verschulden. Doch er konnte sich wieder aufrappen und gründete eine Sicherheitsfirma, die sich darum kümmert, die Sicherheitsbestimmungen von Wolkenkratzern zu überprüfen. So eine Überprüfung steht nun bei “The Pearl” an, ein Wolkenkratzer erdacht und erbaut von Zhao Long Ji (Chin Han). Dreimal so groß wie das Empire State Building und mit 225 Stockwerken ausgestattet, steht das Gebäude im Herzen Hong Kongs und ragt bis in die Wolken hinein. Blöd nur, dass der Besuch von Swayer mitsamt seiner Frau Sarah (Neve Campbell, bekannt als Sidney Prescott aus der “Scream”-Reihe) und seinen beiden Kindern nicht so verläuft, wie sich das alle Beteiligten vorstellen. Zhao Long Ji hat es sich nämlich mit dem Terroristen Kores Botha (Roland Møller) verscherzt, ein alter Freund hat noch eine Rechnung offen und auch Versicherungsbeamter Mr. Pierce (Noah Taylor, bei dem ich mich noch immer frage, woher ich den kenne) wirkt auch zwielichtig. Und so kommt es, dass bald der 96. Stock des Gebäudes lichterloh brennt, während Sawyers Familie auf ihn im 98. Stock brennt. Und der ehemalige US-Soldat tut, was ein Mann tun muss, um seine Familie zu retten.

Machen wir mal für einen kurzen Moment das Hirn an: Der komplette Film ist natürlich absolut unrealistisch. Während ganz Hong Kong den eigentlich als Mörder gesuchten Will Sawyer feiert, klettert dieser auf einen Kran hoch, der glücklicherweise etwas höher ist, das der 96. Stock, wo es ja brennt. Rechnen wir mal: Das Gebäude ist 225 Stockwerke und 1.100 Meter hoch. Das Feuer ist im 96. Stock und die Familie im 98. Stock. Nehmen wir mal ungefähr an, The Rock klettert also etwas über das Feuer, vielleicht in das 98. Stockwerk. Vielleicht in das 100. – dann klettert er, natürlich ist der Fahrstuhl kaputt, innerhalb von ein paar Augenblicken mal eben einen Kran von AUßEN OHNE LEITER hoch, der ungefähr 480 Meter hoch ist. Vergesst Spider-Man, vergesst Alain Robert! Robert hat übrigens den 508 Meter hohen Wolkenkratzer Taipei 101 in vier Stunden erklommen. Läuft!

Aber es ist ein Actionfilm, der sich natürlich an “Stirb Langsam” orientiert, ohne je diesen Charme zu erreichen. Gerade einem sympathischen Typen wie The Rock hätten hier und da ein paar flotte Sprüche sehr gut getan und seinem Charakter über “Mein Leben ist mir egal, ich muss meine Familie retten” ein paar Sympathiepunkte mehr verschafft. So ist er fast wie eine Maschine, die einfach nur funktioniert. Hoch, höher, Krach und Bumm!

Unfassbar charismalos sind auch die anderen Schauspieler in diesem Film, allen voran Neve Campbell – da ich nie Scream geguckt habe, habe ich keine Ahnung was sie da fabriziert hat, aber in “Skyscraper” ist sie einfach nur da, beschützt die Kinder und mutiert am Ende zum Ninja – muss aber daran erinnert werden, dass man ein Handy bei Fehlfunktionen auch einfach an- und ausmachen kann.

Zum Ende bleibt “Skyscraper” ein wenig überraschender und sehr vorhersehbarer Actionfilm. Solide in der Machart und mit einigen doch recht tollen Bildern, aber am Ende ohne jegliches Herz. Selbst Dwayne Johnson, der sich über die Jahre seine Sporen in Hollywood mehr als nur verdient hat, ist am Ende einfach nur ein Typ mit unglaublicher Muskelkraft in den Armen, mit Beinprothese, aber ohne Charme oder irgendeinem mehrschichtigen Charakter. Viel habe ich nicht erwartet, mehr war trotzdem drin. Schade.

Wertung: 4/10

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