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Review: Shazam!

Shazam!

Trailer
Regie: David F. Sandberg
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 132 Minuten

Eigentlich hatte ich mit dem DC Extended Universe komplett abgeschlossen. Ja, wir alle können weiterhin Wonder Woman als den guten Film feiern, der er nun einmal ist. Aber Grützen wie Batman V. Superman oder Suicide Squad haben mir jegliche Lust genommen, sodass ich Justice League vollkommen ignoriert habe, was wahrscheinlich eine sehr gute Idee war und auch Aquaman an mir ungesehen vorbei geschwommen ist, obwohl der angeblich sogar ganz okay sein soll. Danke, Martha.

Aber seitdem irgendwann 2017 angekündigt wurde, dass Zachary Levi in die Titelrolle schlüpfen wird, konnte ich das Projekt nicht aus den Augen lassen. Levi ist ein Schauspieler, der komplett unter dem Radar fliegt und wahrscheinlich nicht vielen Leuten etwas sagen wird. Aber dann haben diese Leute mit “Chuck” zumindest einige Staffeln einer großartigen Comedy-Action-Serie verpasst, die mit viel Charme, Witz und interessanten Geschichten aufwartet, in welcher Levi den Titelcharakter spielt und durch einen Supercomputer in seinem Hirn zum Super-Spion wird. Oder so in der Art. Eine vollkommen unter ihrem eigentlichen Wert verkaufte Serie und genau so verlief bis dato auch die Karriere von Levi, der sonst der englischen Fassung von “Rapunzel – Neu verföhnt” seine Stimme lieh. Man durfte ihn außerdem in “Thor: The Dark World” und “Thor: Ragnarok” (sehr kurz) sehen, was ihn zu einem der vielen Gesichter macht, die wohl in der Marvel-Reihe, als auch bei DC zu sehen waren. Als gäbe es keine anderen Schauspieler.

Die Geschichte von Shazam! kurz erzählt: Billy Batson (Asher Angel) ist ein Problemkind, welches eigentlich nur auf der Suche nach seiner eigentlichen Mutter ist, denn er ist als kleiner Junge verloren gegangen und lebt seitdem bei vielen verschiedenen Pflegefamilien. Doch da er und sie es mit ihm nicht lange aushalten, findet er sich stets an anderen Orten und in anderen Häusern wieder, bis er bei Rosa und Victor Vasquez landet, die neben Billy noch vielen weiteren Pflegekindern eine Art Patchwork-Zuhause gibt. Nach der Schule und auf der Flucht vor ein paar Schlägern landet Billy plötzlich durch mystische Kräfte in einer unheimlichen Höhle und lernt einen Zauberer kennen (Djimon Hounsou, der nach Captain Marvel das nächste Universum unsicher macht), alt und gebrechlich. Mit letzter Macht zwingt der Zauberer Billy ein magisches Wort zu sagen, womit seine Kräfte auf Billy übergehen und er ein muskelbepackter, schneller, starker Superheld wird! SHAZAM!

Gut, so heißt der Superheld gar nicht und wer diese Geschichte dahinter versteht, der verdient einen Orden. Ursprünglich hat Fawcett Comics einen Superhelden namens Captain Marvel entworfen – den heutigen Shazam! – der in den Comics auch weiterhin Captain Marvel heißen darf. Dieser Captain Marvel war in den 40ern der finanziell erfolgreichste Superheld, sogar noch vor Superman. Fawcett ging in den 50ern Pleite, Marvel kaufte die Namensrechte an “Captain Marvel” um einen eigenen Helden mit diesem Namen zu entwickeln und DC kaufte irgendwann alle anderen Rechte hinsichtlich der Charaktere der Serie. Warum dieser Geschichtskurs? Weil Billys Alter Ego tatsächlich nie einen richtigen Namen erhält, sondern stets irgendwelche kurzlebigen Superhelden-Namen verpasst bekommt. Captain Sparkle Fingers. Zaptain America. Und so weiter!

Humor steht bei Shazam! wirklich sehr groß geschrieben – ich persönlich habe zwischendurch herzhaft gelacht. Tatsächlich hebt sich der Film – wie schon Wonder Woman, aber auf andere Art – enorm vom Rest des DECU ab, ist schrill bunt, laut und absolut nicht düster. Allerdings auch recht eindimensional.

Mark Strong als Shazams Gegenspieler Dr. Thaddeus Sivana ist von der ersten Sekunde in welcher man ihn sieht “Doctor Obviously Villain” so dermaßen offensichtlich, dass daran keine Sekunde gezweifelt wird und spielt den Charakter auch auf genau diese Weise. Selten habe ich einen Bösewicht gesehen, der dermaßen einfallslos hingeklatscht und ohne irgendwelchen Kontrast durchgezogen wurde.

An seiner Seite befinden sich die sieben Todsünden und später hat Billy die Power Rangers am Start. Nur ein kleiner Witz. Vielleicht ein kleiner Spoiler. Generell ist aber jeglicher Kampf und besonders der am Ende einfach. So. Endlos. Lang. Dass es dem Tempo des Films einfach nicht gut tut. Hier noch eine Wendung, da noch mehr Superkräfte oder eben nicht und es zieht sich einfach lang wie alter Kaugummi. Schade.

Shazam! ist letztlich eine Origin-Story eines Charakters, der dem DCEU gut tun wird, wenn man das Kindliche behält, denn am Ende steckt in dem muskelbepackten Körper ein knapp 12-Jähriger Junge. Asher Angel macht seine Sache als Billy Batson ziemlich gut und Zachary Levi hat seit Chuck nichts an seinem kindlichen Charme verloren und ist vielleicht sogar die optimale Besetzung, wenn der Superheld weiterhin kindlich sein soll.

Die meisten der Nebendarsteller haben mich bis zum Umfallen genervt. Allen voran Billys bester Freund Freddy, gespielt von Jack Dylan Grazer, der in keiner Szene Sympathiepunkte bei mir sammeln konnte, aber darauf ausgelegt war. Und ansonsten gibt es auch keine anderen Nebendarsteller, die in irgendeiner Weise die Show gestohlen haben und selbst bei einer Post-Credit-Szene hat man es versäumt, einen bestimmten Schauspieler zu holen und hatte nicht einmal die technischen Möglichkeiten, dessen Gesicht digital einzubauen. So dermaßen schwach.

Ich hab von Shazam! nicht viel erwartet und recht viel gelacht. Zachary Levi gehört einfach auf die Bühne großer Komödien, weil er es wie kaum eine andere Person versteht, mit seinem Gesicht zu spielen. Aber Shazam! ist definitiv nicht die Rettung des DCEU, entfacht mein Interesse an der Justice League oder sonstigen Filmen nicht und das nächste Mal werde ich erst wieder mit hoher Wahrscheinlichkeit reinschauen, wenn Dwayne Johnson als Black Adam den Bösewicht spielt.

Wertung: 6/10 Punkte

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