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Review: Searching

Searching

Trailer

Regie: Aneesh Chaganty
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 102 Minuten

So eine Vita wie Regisseur Aneesh Chaganty muss man auch erst einmal hinbekommen: 2013 hat der junge Mann seinen Abschluss an der USC School of Cinematic Arts in Los Angeles gemacht, 2014 ist ein kurzer Werbefilm für Google Glass (haha, wer erinnert sich noch daran?) viral gegangen und schwupps – schon bekommt man ein Budget um einen Kinofilm zu machen. Eigentlich wollte Chaganty aus der Idee nur einen weiteren Kurzfilm machen, doch letztlich wuchs der Gedanke und mit ihm einer der spannendsten Filme des letzten Jahres.

Der allein erziehende Vater

Der Film beginnt mit einer kleinen Rückblende und zeigt das Familienglück von Familie Kim. Vater David (John Cho, “Star Trek”, “Harold & Kumar”), Mutter Pamela (Sarah Sohn) und die kleine Margot. Doch der Gesundheitszustand von Pam verschlechtert sich nach einer Krebsdiagnose und ihr Tod verändert auch das Verhältnis von Vater und Tochter. Es wirkt, als habe die inzwischen pubertierende Margot einige Geheimnisse vor ihrem Vater und kommt nach einem Abend mit der Lerngruppe nicht nach Hause. Als David entdeckt, dass seine Tochter nicht nur ihre Klavierstunden seit einem halben Jahr nicht mehr wahrnimmt, sondern auch das Geld was er ihr dafür zur Verfügung gestellt hat, für andere Zwecke verwendet hat. Gemeinsam mit der Ermittlerin Rosemary Vick stellt sich nun die Frage, ob Margot weggelaufen ist oder vielleicht einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist…

Während die Story nicht besonders spektakulär wirkt, so ist es allerdings die Erzählweise, denn “Searching” findet ausschließlich auf den Displays diverser Endgeräte statt: Der Laptop von David, der Laptop von Margot, Chat-Messenger, FaceTime, Webcams, Streams und Konsorten. Das Konzept dahinter mag nicht unbedingt neu sein, so hat es beispielsweise auch ein “Unknown User” versucht (hier gibt es übrigens ein nettes Easter Egg), doch es wurde noch nie so dermaßen gut umgesetzt, wie in “Searching”. Tatsächlich wurde in der deutschen Fassung JEDER einzelne Text auf Deutsch übersetzt, sodass man selbst in Artikeln, die nur im Hintergrund auf dem Desktop liegen, noch Kleinigkeiten entdecken kann.

Innovation am Bildschirm

Wie die Geschichte erzählt wird, ist hervorragend. Die ganze Zeit hat man im Hinterkopf, dass irgendwas an der Geschichte nicht stimmt. Hat sich Margot seit dem Tod ihrer Mutter so sehr verändert, dass sie tatsächlich weg gelaufen ist? Wissen ihre Freunde mehr? Welche Rolle spielt Davids Bruder Peter (Joseph Lee)? Tatsächlich ist es nicht einmal nur die Geschichte, die fesselt – sie erfindet das Rad schließlich nicht neu, am Ende ist eine Person verschwunden, die gesucht und gefunden werden muss – doch die Erzählweise ist so gut gemacht, fügt sich so gut ineinander, dass man vor der Arbeit, die dahinter steckt, nur den Hut ziehen kann.

Am Ende hat es 13 Tage gedauert, den Film zu drehen. Allerdings hat die Post-Produktion fast zwei Jahre verschlungen. Tatsächlich habe ich “Searching” inzwischen drei oder viermal gesehen und entdecke immer wieder neue Kleinigkeiten, die man gar nicht hätte einbauen müssen. Diese zu entdecken liefern aber genug Gründe, warum man “Searching” beim gemütlichen Filmabend mit Freunden immer wieder einlegen kann und selbst in den Bann gesogen wird. Übrigens auch ein großes Lob an Komponist Torin Borrowdale, der schon mit dem ersten Track “New User” zeigt, was für ein schöner, begleitender Soundtrack den Zuschauer erwartet. Borrowdale zeichnet sich sonst verantwortlich für den Soundtrack von Mobile Games wie “Alto’s Adventure” oder “Alto’s Odyssey”, die man durchaus mal angespielt haben sollte. Lohnt sich!

Lohnt sich? Aber wie!

“Searching” ist definitiv einer meiner liebsten eher unbekannten Filme der letzten Jahre. Eine spannende Geschichte neuartig verpackt, bei der gar nicht die schauspielerischen Leistungen im Vordergrund stehen, sondern wie die Story erzählt wird. Von mir kann es daher nichts, als eine uneingeschränkte Empfehlung geben!

Wertung: 8/10 Punkte

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