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Review: Rocketman

Rocketman

Trailer

Regie: Dexter Fletcher
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 121 Minuten

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich Queen abgöttisch liebe und quasi alles aufsauge, was mit der Band zu tun hat. Wie auch den Film, den ich im vergangenen Jahr bestimmt vier- oder fünfmal alleine im Kino gesehen habe. Mit dem Mann, der wahrscheinlich noch eine größere “Queen” als Freddie Mercury war und ist, hatte ich bisher allerdings eher wenige Berühungspunkte. Hier und da mal einen Song, natürlich unter anderem “I’m Still Standing”, “Don’t Go Breaking My Heart”, “Candle in the Wind” oder die Songs für “Der König der Löwen” – ab und an auch ein wenig was über ihn gelesen, aber ansonsten ist Elton John für mich ein absolut unbeschriebenes Blatt. Das sollte sich nun mit “Rocketman” ändern und auf dem Regiestuhl saß hier – wie auch (am Ende) bei “Bohemian Rhapsody” der gute Dexter Fletcher.

Darf ich vorstellen: Reggie Dwight

Ich fand es im Vorfeld ein wenig merkwürdig einen autobiographischen Film über eine Person zu sehen, die nicht nur leibt und lebt, sondern als Produzent auch irgendwie an dem Werk beteiligt war. Wie authentisch kann das Ganze denn dann sein? Wie beschönigend ist der Film? Oder um es kurz zu machen: Meine Bedenken waren komplett grundlos.

Wer es noch nicht wusste, Spoileralarm, Elton John heißt eigentlich gar nicht so. Der Brite wurde als Reginald Dwight geboren und wir erleben, wie schon im Kindesalter sein musikalisches Talent entdeckt und wenn schon nicht von seinen Eltern Sheila (Bryce Dallas Howard) und Stanley (Steven Mackintosh), dann wenigstens von seiner Oma (Gemma Jones) gefördert wird. Und so beginnt der Weg von einem Jungen (gespielt von Kit Connor und Matthew Illesley) zum gestandenen Musiker, der sich Anfangs als Pianist in einer Backup-Band durchschlägt und dann durch Zufall in Bernie Taupin (Jamie Bell) seinen langjährigen, musikalischen Gefährten findet.

Schriller und bunter als gedacht

“Rocketman” ist keine übliche Biographie über die Leiden des jungen Elton, sondern tatsächlich eher eine Mischung aus Drama, Comedy und einem Musical! Es gibt wahrhaftig musikalische, hochpolierte Einlagen zu Songs wie etwa “The Bitch is Back” oder “Saturday Night’s Alright (For Fighting)”, die einen zu Beginn erst einmal umhauen, weil zumindest ich damit nicht gerechnet habe. Aber sie machen enormen Spaß, weil sie vollkommen überladen und geradezu pompös aufgemacht sind. Taron Egerton macht seine Sache als Elton John sehr gut und singt die Songs auch tatsächlich alle selbst – wobei er da ja auch Übung hat. Im Animationsfilm “Sing” durfte er bereits “I’m Still Standing” trällern, beim zweiten Teil von “Kingsman” spielte Elton ja sogar selbst mit.

Letztlich ist “Rocketman” ein Begleiter von Elton John auf dem Weg nach Zuneigung und Liebe, die er stets an den falschen Orten zu suchen scheint. Sein Vater kümmert sich nicht um ihn und als er eine “neue” Familie gründet, kann Elton ihn nicht einmal mit seinem Geld beeindrucken. Sein Manager und Liebhaber John Reid (der auch in “Bohemian Rhapsody” eine besondere Rolle hatte, hier nun aber von Richard Madden spielt wird) scheint ihn finanziell auszunehmen und darüber hinaus kein Interesse an ihm zu haben und selbst mit Bernie überwirft er sich immer wieder. Alkohol- und Drogeneskapaden bestimmen das Leben des Superstars, der in den Vereinigten Staaten weitaus mehr Erfolge feiert, als in seiner eigenen Heimat.

He is still standing

Der Film hat mir unfassbar viel Spaß gemacht, weitaus mehr, als ich im Vorfeld erwartet habe. Ich habe mitgesungen, im Kinosessel getanzt und mich an den schrillen Farben und tollen Sounds erfreut. Und wenn man sich anschaut, wie tief Elton letztlich gefallen ist, kann man fast schon überrascht sein, dass er tatsächlich noch am Leben ist.

Ich werde letztlich nie der größte Fan von Elton Johns Musik sein, aber habe weitaus mehr Respekt vor seiner Kunst, als ich es vorher hatte. Ein Leben, welches es nicht nur verdient hatte, verfilmt zu werden sondern auch noch in einer Art, die wie Topf auf Deckel zum schillernden Leben des Musikers passt. Egal, ob man Fan ist oder nicht, wer auf gute Musik und einen unterhaltsamen Film steht, darf an “Rocketman” nicht vorbeigehen.

Wertung: 8/10 Punkte

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