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Review: A Quiet Place

A Quiet Place

Regie: John Krasinksi
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 90 Minuten

John Krasinski gehört hierzulande nicht unbedingt zu den bekannten Mainstream-Stars. In den Vereinigten Staaten jedoch ist er nicht zuletzt durch etliche Jahre im amerikanischen Ableger von “The Office” bekannt als Jim Halpert und konnte sein komödiantisches Talent mehrfach zur Schau stellen. Jetzt also eine Rolle in einem Horror-Thriller? Und er selbst hat auch noch Regie geführt? Kann das etwas werden?

Der erste Trailer hat mich so überzeugt, dass ich nichts sonst über den Film sehen, lesen oder hören wollte. Ich wollte nicht wissen, warum die junge Familie ruhig sein muss, kein Wort sagen darf, wieso sie sich versteckt und konnte dementsprechend ohne Erwartungen an eine Story und komplett unvoreingenommen ins Kino gehen. Sollte man öfter machen!

Knapp drei Monate nach dem Angriff einer unbekannten, außerirdischen Lebensform streifen Lee (John Krasinski) und Evelyn Abbotts (Emily Blunt – beide im Übrigen auch im echten Leben miteinander verheiratet) mit ihren Kindern Beau (Cade Woodward), Marcus (Noah Jupe) und Regan (Millicent Simmonds) durch verlassene Häuser und Geschäfte um mitzunehmen, was Ihnen beim Überleben helfen kann. In nur drei Monaten wurde der Großteil der Weltbevölkerung von den Kreaturen ausgelöscht, die selbst nichts sehen kann, verfügen aber über ein unfassbares Hörvermögen und eine harte Panzerung, weswegen sie ihre Beute anhand der leisesten Geräusche jagen und töten. Die Abbotts überleben nur, weil sie sich barfuß fortbewegen, jeden Laut vermeiden und sich nur in Gebärdensprache unterhalten – die sie beherrschen, weil Tochter Regan taub geboren wurde.

Ein Jahr später hat die Familie Beau verloren, Evelyn ist hochschwanger und Lee versucht noch immer mit seiner kleinen Familie einfach nur zu überleben. Sie wohnen auf einer Farm und haben sich soweit wie möglich an die lautlose Welt angepasst, doch nicht nur die Begebenheiten, sondern auch die nahende Geburt des Kindes sorgt für Probleme, doch sie arbeiten gemeinsam an einem möglichst schalldichten Raum für das ungeborene Kind. Während Regan sich die Schuld für den Tod ihres Bruders Beau gibt, versucht Lee seinen anderen Sohn Marcus auf die Risiken der Welt vorzubereiten. Die Beiden sind auf einem gemeinsamen Streifzug zum Fluss um Nahrung zu besorgen, als Evelyns Fruchtblase platzt. Wie bringt man ein Kind zur Welt, während man dabei kein Geräusch von sich geben darf?

John Krasinski schafft es in diesem Film wirklich, eine enorme Spannung zu erzeugen. Man achtet auf jedes Geräusch und hofft, dass der gesamte Kinosaal wirklich mucksmäuschenstill ist, man sitzt am Rand des Sessels und schaut gebannt auf die Leinwand. Die Schauspieler bringen die Dramatik der Situation durchaus gut zur Geltung. Besonders Krasinski selbst – der in der Comedyserie “The Office” oft einfach nur mit seiner Mimik für Lacher sorgte – schafft es auch hier zu glänzen. Spannend ist auch Millicent Simmonds als Regan, die auch im wahren Leben tatsächlich taub ist. Die Familie, die auf Zeichensprache zurück greift, barfuß durch die Welt streift und einfach nur überleben will ist eine tolle Prämisse.

Der Film beantwortet keinerlei Fragen. Keine. Woher die Kreaturen kommen? Wieviele Menschen wirklich noch am Leben sind? Einiges an diesem Film wirkt wie ein Teil ohne Anfang und Ende, einfach nur die eine Episode mit der man dann zurück gelassen wird. Ein Einblick in ein paar Tage einer Familie inmitten dieser Situation. Lustigerweise hat mich der Film teilweise an Cloverfield erinnert – einfach durch die innovativen Aspekte (über den “dritten” Teil der Saga legen wir mal den Mantel des Schweigens) und dass man eben absolut keine Fragen beantwortet. “A Quiet Place” hätte sich demnach auch gut dort einfügen können. Lustig deshalb, weil das Studio wohl tatsächlich überlegt hatte, den Film in die Cloverfield-Saga einzubauen, was letztlich aber verworfen wurde.

Trotz der geringen Laufzeit wollte der Funken am Ende nicht so recht überspringen. Das Setting ist toll, die Idee auch, aber die Umsetzung am Ende dann doch irgendwie eindimensional und zu simpel. Besonders der Twist am Ende erinnerte mich dann zu sehr an die sehr bequemte Auflösung von “Signs – Zeichen”, bei der sich plötzlich eine Lösung zum Problem auftut, ohne hier zu viel zu verraten.

“A Quiet Place” ist ein von der Grundidee innovativer Thriller, der selten in Horror abdriftet und sich vereinzelt auf Jump Scares verlässt und zum Ende doch ins bewährte Hollywood-Schema abdriftet. Aber ansonsten macht er großen Spaß und zwingt zur Aufmerksamkeit bei kleinen Details, besonders im akustischen Bereich und sollte daher dringend im Kino oder zumindest mit einer guten Soundanlage angeschaut werden.

 

Wertung: 6/10

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