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Review: Once Upon a Time in Hollywood

Once Upon a Time in Hollywood
Once Upon A Time In … Hollywood

Trailer
Regie: Quentin Tarantino
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 161 Minuten

Vier Jahre ist es her, dass Quentin Tarantino die Zuschauer wieder vor die Kino-Leinwand gezogen hat und erneut liefert der Spaghetti-Western-Fan einen Streifen, bei dem fast genauso viele Cowboy-Hüte zu sehen, wie Füße.

Spaß beiseite – abgesehen von seinem Fußfetisch ist Quentin Tarantino ein hervorragender Regisseur, der es kaum wie ein anderer Filmemacher versteht, sein Publikum in eine andere Zeit zu ziehen. Tatsächlich habe ich bis heute aber nicht alle seine Filme gesehen, so liegt “Django Unchained” bis heute ungesehen bei mir im Regal, “Kill Bill” hat mich nie interessiert, aber für jede Person, die mich dahingehend verurteilen will: Ich habe “Reservoir Dogs” gesehen und liebe diesen Film. Für mich noch immer Tarantinos Meisterwerk. Ja, vor “Pulp Fiction”!

Oscar-Gewinner unter sich

Wie auch in der verqueren Saga um Jules, Vincent und Mia folgt auch “Once Upon a Time in Hollywood” mehreren Geschichten, die sich zwischenzeitlich oder erst am Ende ineinander verweben. Im Gegensatz zu “Pulp Fiction” aber springen wir nicht ständig – sondern nur zu Anekdoten – durch die Zeit, sondern erleben die Geschichten von drei Personen direkt mit. Da ist Rick Dalton (Leonardo DiCaprio), der einst ein gefeierter Star einer Western-Serie war, dessen Film-Karriere allerdings nicht wirklich ins Rollen kommt. Stets an seiner Seite ist Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt), der nicht nur bei allen Dreharbeiten dabei war, sondern auch Daltons “Mädchen für alles” ist. Die Dritte im Bunde ist Sharon Tate (gespielt von “Margot Robbie”), die gemeinsam mit dem Regisseur Roman Polanski im Haus neben Dalton in Hollywood wohnt und deren Stern gerade aufgeht, als sie an der Seite von Dean Martin im Film “Rollkommando” zu sehen ist.

Dalton wünscht sich nichts sehnlicher, als eine Freundschaft mit Polanski und Tate, muss aber die Rolle als Bösewicht in diversen TV-Serien annehmen um sich über Wasser zu halten. Diese Prozedur wird ihm vom Film-Produzenten Marvin Schwarz (Al Pacino) genau erklärt, denn ein früherer Star wie Dalton wird gerne benutzt, um einen neuen Superstar den Zuschauern näher zu bringen. Schwarz würde Dalton gerne in Italo-Western sehen, doch der hält dies für den Todesstoß seiner Karriere. Booth hingegen macht die Bekanntschaft mit der merkwürdigen Pussycat (Margaret Qualley) und ihren Freunden, die etwas abseits auf einer Ranch leben, die einst als Set für Western-Filme und -Serien benutzt wurde.

Aufstieg und Fall in Hollywood

Der “kleine” Aufstieg von Sharon Tate, die sich selbst im Kino ansehen will und dabei natürlich vom Personal nicht erkannt wird, ist natürlich ein schöner Kontrast zu Daltons Abstieg, der nicht nur mit seiner eigenen Leistung, sondern auch mit dem Alkohol zu kämpfen hat. Dennoch legt er am Set einer neuen Serie – natürlich als Bösewicht – eine beeindruckende Performance hin. Interessant wird es dann besonders, als Fiktion und Realität miteinander verschmelzen, denn was sich Margot Robbie im Kino ansieht ist der tatsächliche Film mit der echten Sharon Tate.

Generell ist “Once Upon A Time In Hollywood” ein merkwürdiger Mix zwischen echten Geschehnissen und realen Personen und absolut ausgedachten Charakteren und Geschehnissen. So trifft Cliff Booth beispielsweise auf Bruce Lee (Mike Moh), der arrogant über einen Cassius Clay (Muhammad Ali) herzieht und sich dann mit dem Stuntman prügelt, woraufhin dieser vom Set gefeuert wird. Andere Personen, wie etwa James Stacy (gespielt von Timothy Olyphant), Wayne Maunder (Luke Perry) oder Tex Watson (Austin Butler) hat es genauso gegeben, wie die Serie “Lancer”. Die Geschehnisse im Film unterscheiden sich dann aber doch – besonders am Ende – gravierend von den echten Geschehnissen um die Tate-Morde ab. Wie also in “Inglorious Basterds” vermischt Tarantino hier wahre Begebenheiten mit fiktiven Geschichten.

Das ist doch die Karre von Vic Vega?

Wie bei jedem Tarantino-Film muss sich der Zuschauer also auf die Geschichte einlassen und sie einfach erleben, was aber nicht schwerfällt, denn man sieht und hört so viele Details und Anekdoten aus der Zeit, dass man fast glauben kann, einen zeitgenössischen Film zu sehen. Der Soundtrack ist hervorragend und wird teuer genug gewesen sein, abgesehen von Leonardo DiCaprios Gesicht in echte Folgen von Serien wie “Gesprengte Ketten” oder “FBI” wird man hier sehr wenig digital nachbearbeitet haben und wenn man wollte, könnte man sicherlich stundenlang Trivia und unnützes Wissen über die Dreharbeiten und Easter Eggs nachlesen.

Und wie in den meisten seiner anderen Filme weicht die Faszination irgendwann einfach nur noch der Unterhaltung, wenn im finalen Akt die Mitglieder der Charles Manson-Familie in das “falsche Haus” einbrechen und auf einen mit LSD zugedröhnten, kichernden Cliff treffen, der seine eigenen Methoden hat, mit mordlustigen Angreifern umzugehen.

Das Beste, das Tarantino je gemacht hat?

Dennoch ist der Film keinesfalls perfekt – auch wenn er schon jetzt als Meisterwerk verschrien wird und in meinen Augen wie ein Sammelwerk aus Tarantinos Filmographie wird, da er etliche Anleihen aus seinen anderen Streifen miteinander vereint (die Erzählstruktur von “Pulp Fiction”, die Vermischung zwischen Wahrheit und Fiktion aus “Inglorious Basterds”, die Füße aus “Death Proof”, etc) – beispielsweise spielt Margot Robbie eine wesentlich kleinere Rolle, als man es nach dem Trailer oder Plakat hätte erwarten können. Natürlich ist das Zusammenspiel zwischen DiCaprio und Pitt hervorragend und strotzt vor gemeinsamer Chemie, allerdings ist Robbies Sharon Tate hier nur ein Mittel zum Zweck – also um die Story am Ende zu einem Abschluss zu führend und ohne die “reale Prämisse” im Hintergrund hätte man die gleiche Geschichte ohne Hollywood-Starlet auch anders erzählen können.

Von der Machart ist “Once Upon A Time In Hollywood” absolut beispiellos und sowohl an den Szenenbildern, als auch an der schauspielerischen Leistung werden sich Fans noch lange zehren und Studenten noch viel lernen können. Als für sich allein stehender Film ist er durchaus unterhaltsam, streckenweise aber auch sehr langatmig, bis er dann in einem explosionsartigen Feuerwerk am Ende noch einmal enorm an Fahrt aufnimmt. Tarantinos bester Film? Nein, sicher nicht. Aber durchaus kulturell wichtig und verdammt gut gemacht!

Wertung: 7/10 Punkte

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